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Die freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin Teresa Arrieta im Gespräch mit der Zentrumsleiterin Dr.in Annelie-Martina Weinberg

"Das Laura-Bassi-Programm bringt eine Lawine ins Rollen"

Worin sehen Sie den Mehrwert der Laura-Bassi-Zentren im Vergleich mit anderen Forschungsprogrammen?

Es ist mein Lebenstraum, Implantate zu entwickeln, die sich im Körper auflösen, dank des Laura-Bassi-Programms kann ich mir diesen Traum erfüllen. Ich habe lange Zeit Investoren für diese Forschung gesucht. Doch erst das Laura-Bassi-Exzellenzzentrum stellt eine längerfristige Finanzierung meiner Ziele sicher. Jetzt kann ich so arbeiten, dass es eine realistische Chance auf Fortschritt gibt. Zuvor hat mir die Industrie nur unbedeutende Beträge dafür geboten, weil Kinder einen zu kleinen Markt darstellen. Doch diese Einstellung ändert sich nun langsam.

Wie beurteilen Sie die neue, auf Zukunftsmanagement ausgerichtete Forschungskultur der Laura-Bassi-Zentren?

Es ist mir nicht schwer gefallen, diese Anforderungen zu erfüllen, denn ich habe soeben ein MBA-Studium für Gesundheitsmanagement absolviert. Da konnte ich mein Wissen zu Themen wie Karriereplanung, MitarbeiterInnengespräch und Personalentwicklung erweitern. Während des Medizinstudiums lernt man ja nichts darüber.

Gerade die Karriereplanung der Mitarbeiterinnen ist Teil des Laura-Bassi-Programms. In welcher Weise planen Sie, Ihre Mitarbeiterinnen zu unterstützen?

Bereits vor der Übernahme des Laura-Bassi-Zentrums war es mir ein Anliegen, in den Nachwuchs zu investieren, insofern befinde ich mich ganz auf der Programmlinie. So habe ich wissenschaftliche Preise oft jüngeren KollegInnen überlassen. Auch in den Publikationen findet man meinen Namen meist an letzter Stelle. Ich bin der Meinung, die nachkommende Generation verdient vollste Unterstützung. Fördern und motivieren, das ist mein Leitmotiv. Manche Forschungspreise verdanken wir der ausschließlichen Mitarbeit von StudentInnen. WissenschaftlerInnen, die bei mir ausgebildet wurden, sind später erfolgreich.

Welche konkreten Maßnahmen zur Karriereplanung werden Sie treffen?

Meine Teammitglieder werden verschiedene Soft-Skill-Fortbildungen absolvieren. Rhetorik, Körpersprache und Selbstpräsentation sind in der Chirurgie besonders wichtig, denn Männer kommunizieren anders, und diese Sprache haben wir Frauen nirgendwo gelernt. Ab dem Kindergarten werden wir ja meist nur von weiblichen Bezugspersonen betreut. Die direkte, offensive Kommunikation, die den meisten Männern eigen ist, kennen wir nicht. Frauen sagen nicht gern: „Ich bin, und ich will“, sie haken nicht nach. Aber wir sollten uns in die Café-Automaten-Gespräche der Männer einklinken. Die Verhandlungs- und Präsentationskurse werden daher für alle Laura-Bassi- MitarbeiterInnen verpflichtend sein.

Sie haben ein umfassend durchgeplantes Management-Konzept für Ihr Laura-Bassi–Zentrum vorgelegt.

Ich erstelle mit allen MitarbeiterInnen einen Karriereplan und eine Zielvereinbarung, die Frauen müssen sich laufend weiterqualifizieren. Nicht nur im Soft-Skill-Bereich, sondern auch, was das medizinische Wissen betrifft. Dafür habe ich bisher sehr positives Feedback von meinem Team erhalten. Man hat mir gesagt: Zum ersten Mal sagt jemand klar, welche Kriterien zu erfüllen sind und in welcher Weise das vor sich gehen soll. Anfangs verstand niemand, warum ich das möchte, aber nun sieht jeder die Vorteile dieser präzisen und transparenten Planung. Das Laura-Bassi-Programm stellt den adäquaten Rahmen dar, um eine innovative, hoch professionelle Vorgehensweise zu etablieren, dafür ist es höchste Zeit im Wissenschaftsbetrieb.

Transparenz ist ein wichtiges Stichwort in den Laura-Bassi-Zentren.

Transparenz ist mir ein sehr großes Anliegen. In der Chirurgie bleibt meistens unklar, wer wann operieren darf und wer welche Handlungen ausführen darf, denn das ist die herkömmliche Art, zu regieren: „Ich bin der/die Einzige, der/die alles weiß, niemand soll so schlau sein wie ich oder gar besser werden.“ Die Strategie ist, durch Nichttransparenz zu herrschen. Ich hingegen bemühe mich, offen zu legen, was ich erwarte, was auf uns zukommt und was wir erreichen wollen. Von dieser offensiven Kommunikation erhoffe ich mir auch Feedback, was meine Führungsrolle betrifft.

Das Konzept Ihres Laura-Bassi-Zentrums beinhaltet für das gesamte Team eine anspruchsvolle und kontinuierliche Weiterentwicklung, sowohl persönlich als auch fachspezifisch.

Ich selbst werde spezielle Module zu den neuesten Operationstechniken abhalten. Der ChirurgInnen-Beruf stellt eine zweigleisige Herausforderung dar: Einerseits gilt es, sich technisch zu verbessern, andererseits muss auch die Forschung vorankommen. Das Laura-Bassi-Zentrum soll einen starken Impuls zur Weiterentwicklung des Berufsbildes einer Chirurgin aussenden. Es müssen Strukturen geschaffen werden, um Grundlagenforschung und technische Weiterentwicklung in Einklang zu bringen.

Hat die Leitung des Laura-Bassi-Zentrums bisher Auswirkungen auf Ihren persönlichen Werdegang gehabt?

Man kann nun nicht mehr an mir vorbei. Ich werde noch stärker als kompetente Ansprechpartnerin gesehen, es öffnen sich neue Türen: Aufgrund des Laura-Bassi-Exzellenzzentrums wurde mir nun auch ein Marie-Curie-EU-Projekt angeboten, und ich hoffe, dass es bewilligt wird. (Anm: EU-Rahmenprogram für Forschung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses). Ich möchte das Laura-Bassi-Zentrum als Hebel nutzen, um Chirurginnen in der kooperativen Wissenschaft zu stärken, weitere Zusammenarbeit mit der Industrie ins Leben zu rufen und ein neues chirurgisches Leitbild zu implementieren: Es soll eine Lawine ins Rollen kommen.

Interview: Teresa Arrieta