OCUVAC - Ocular Vaccines


Die freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin Teresa Arrieta im Gespräch mit der Zentrumsleiterin Prof.in Talin Barisani-Asenbauer

"Das Laura-Bassi-Programm trifft den Zeitgeist."

Wie beurteilen Sie die neue, auf Zukunftsmanagement orientierte Forschungskultur der Laura Bassi Centres of Expertise?

Es war sehr interessant, gedrängt zu werden, das eigene Forschungsprojekt auf Zukunftspotenziale zu analysieren. Dadurch galt unser Augenmerk von Anfang an auch dessen langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten. Heute bin ich überzeugt, dass eine spannende Zukunft vor uns liegt. Im Laura-Bassi-Zentrum werden wir umfassend zur okulären Immunologie forschen. Hier sehe ich zahlreiche Berührungspunkte mit allgemeineren und aktuellen Fragen der Augenheilkunde, die die Immunologie betreffen: Viele westliche Augenoberflächenerkrankungen wie trockenes Auge oder Allergien drehen sich um immunologische Reaktionen der Augenschleimhaut. Hier wird unsere Forschung wichtige Inputs liefern.

Zur neuen Forschungskultur in den Laura-Bassi-Zentren zählt die Berücksichtigung der Karriereentwicklung der MitarbeiterInnen. Was planen Sie diesbezüglich?

In der medizinischen Forschung gibt es viel zu wenige Frauen, beruhend auf der Tatsache, dass die Wissenschaft neben der PatientInnenbetreuung durchgeführt werden muss. Das sprengt eine normale 40-Stunden-Woche. Wir sind gezwungen, auch in der Freizeit zu arbeiten, Frauen mit Familie müssen sehr viel leisten, um das unter einen Hut zu bringen. Dadurch verlieren wir viele kompetente Frauen, die dann andere Berufswege einschlagen. In unserem Laura-Bassi-Zentrum arbeiten einige Mütter mit, hier werden wir ganz besonders auf familienfreundliche Arbeitszeiten achten. Für sie wird ein individuelles Konzept entwickelt, um Beruf und Familie zu vereinen. Zur genderspezifischen Karriereentwicklung planen wir noch Mentoringprogramme, individuelle und teamrelevante Weiterbildungsmaßnahmen und Coachings.

Welche konkreten Weiterbildungsmaßnahmen haben Sie vorgesehen?

Unser Ziel ist, dass alle Expertinnen auch über die Laura-Bassi-Forschungsperiode hinaus eigenständig und innovativ weiterarbeiten können. Insofern stellt dieses Exzellenzprogramm eine enorme Chance dar: Die MitarbeiterInnen werden sich Kompetenzen aneignen, die über die üblichen Weiterbildungen hinausgehen. Wenn ich ein großes EU-Forschungsprojekt beantrage, werden Skills wie Fremdsprachenkenntnisse oder Projektmanagement-Qualitäten selbstverständlich vorausgesetzt. Wir hingegen können uns diese Kompetenzen innerhalb des Laura-Bassi-Projektrahmens aneignen, das finde ich fantastisch. Wir erhalten die Möglichkeit, unsere individuellen Fähigkeiten zu erweitern, so dass wir noch besser für unsere berufliche Zukunft gerüstet sind. Das ist eine wahrlich nachhaltige Wirkung dieses Impulsprogramms.

Auch Teamentwicklung wird im Rahmen der Laura-Bassi-Zentren gefordert.

Ich habe in all den Jahren an der Universitäts-Augenklinik zahlreiche Führungswechsel miterlebt und muss sagen: Man lernt aus den Fehlern der anderen. Ich hab festgestellt, wie ausschlaggebend die Führung für den Zusammenhalt im Team ist. Ich verstehe meine neue Führungsaufgabe im Laura-Bassi-Zentrum so, dass jeder einzelne Mitarbeitende auf seinem Gebiet Verantwortung übernehmen muss, sich jedoch gleichzeitig als Teil des Teams fühlt. Offenheit ist mir wichtig, Konflikte sollen sofort besprochen und ausgeräumt werden. Eine Gruppe bringt mehr weiter als einzelne Personen. Es wird daher Coaching-Module geben sowie regelmäßige MitarbeiterInnengespräche. Ein fixes Kommunikations-Ritual ist sinnvoll. Diese Führungswerkzeuge sind in der Wirtschaft seit Längerem Standard, aber in der Medizinforschung noch wenig etabliert. Zusätzlich werden wir als Teambildungsmaßnahme wöchentlich gemeinsam unter der Leitung der Taiji-Lehrerin Maria Wang eine Übungsreihe mit Waffen durchführen. Kursziel ist das gemeinsame Erlernen von mehreren Qigong-Formen sowie eine Einführung in Grundzüge der traditionellen chinesischen Medizin. Das Können der Teammitglieder wird am Zentrum für Daoyin Yangsheng Gong an der Beijing-Sportuniversität evaluiert werden.

Im Laura-Bassi- Zentrum ist es Ihre Aufgabe, auch Risikomanagement einzuplanen, um den Spannungsbereich zwischen Forschung und Industrie gut abzusichern.

Ich lerne viel zum Thema Unternehmenskultur dazu. Bis jetzt war ich ja hauptsächlich Klinikerin und hatte mit Wirtschaft und Märkten wenig zu tun. Aber bereits in der Antragsphase habe ich meine Kompetenzen erweitert – etwa, wenn es darum geht, ein Projekt ins rechte Licht zu rücken. Mit dem Industriepartner möchten wir eine Firmenphilosophie etablieren, die dem Überbegriff „ethical medicine“ entspricht: ethisch in der Forschung und auch in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Wir wollen uns zu einer erfolgreichen Firma mit humanitärem Engagement entwickeln. Dafür habe ich mir auch eine Unternehmensberatung mit ins Boot geholt, die uns bezüglich Risikomanagement berät.

Ein weiterer Bestandteil der vom Laura-Bassi Programm initiierten neuen Forschungskultur ist Wirtschaftskompetenz.

Mit dem Laura-Bassi-Zentrum positionieren wir uns auf einem in Österreich noch wenig beschrittenen Weg: kooperative Forschung zwischen Medizin und Industrie. Daher wird unser Team sich auch im Projektmanagement weiterbilden. Das liegt ganz im Zeitgeist. Heute ist es essenziell, Kompetenzen im Bereich Buchhaltung und Controlling vorzuweisen, ebenso Kenntnisse zu Patentrechten und intellectual property rights. Für alle diese Fachgebiete sind Weiterbildungsmaßnahmen vorgesehen.

Ein weiterer Punkt im Anforderungskatalog der Laura Bassi Centres of Expertise ist wissenschaftliche Interdisziplinarität.

Ich habe es stets als inspirierend empfunden, mit anderen Wissenschaftsdisziplinen zusammenzuarbeiten. Nicht nur in der Medizin besteht großes Innovationspotenzial im fächerübergreifenden Forschen. Auch die Kooperation mit der Industrie hat Zukunft. Denn normalerweise ist man entweder als Medizinerin oder in der Pharmaindustrie tätig. Die Möglichkeit, hin und her zu wechseln, gab es bisher nicht. Mehr Zusammenarbeit ist für alle profitabel. Es sollte mehr Förderungen wie das Laura-Bassi-Programm in Österreich geben, das ist ein neuer, guter Weg.

Interview: Teresa Arrieta