
OCUVAC - Ocular Vaccines
Augenmedizinerin mit Weitblick
Ao.Univ.Prof.in Talin Barisani-Asenbauer zählt bei der Erforschung entzündlicher Augenkrankheiten zur internationalen Spitze und erhöht so die Heilungschancen für Menschen in südlichen Ländern
"Auch die Menschen der südlichen Hemisphäre haben ein Recht auf Gesundheit, aber es wird zu wenig dafür getan", sagt Talin Barisani-Asenbauer. Als Augenärztin widmet sie sich der Erforschung von Augenerkrankungen, die in den Armutsgebieten dieser Welt Millionen Menschen das Augenlicht kosten. Solcherart über den Tellerrand zu schauen wurde ihr Kraft ihrer Herkunft in die Wiege gelegt: Sie ist Wienerin mit armenischen Wurzeln, Absolventin des Wiener Lycée Français, verheiratet mit einem Österreicher italienischer Herkunft. Auch beruflich bewegte sich Talin Barisani-Asenbauer schon als Studentin auf internationalem Terrain: Vor dem Medizinstudium verbrachte sie ein Sommersemester in den USA, wo sie Kurse in englischer Literatur und "ethical medicine" besuchte, die Fachärztinnen-Ausbildung absolvierte sie dann an der Universität Wien.
Faszinierend vielseitiges Forschungsgebiet
Noch während der Ausbildungszeit mit Spezialgebiet okuläre Entzündungen und Infektionen übernahm Barisani-Asenbauer 1994 die Leitung der Uveitis Ambulanz der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie. Uveitis ist eine chronisch wiederkehrende Augenentzündung, die durch unterschiedliche Autoimmunerkrankungen und Infektionen verursacht wird. Die PatientInnen kommen mit entzündlichen Augensymptomen in die Ambulanz. Es gilt, aus einer Vielzahl an Möglichkeiten die zugrunde liegende Erkrankung zu ermitteln. Ein hoch komplexes Fachgebiet, das sich von der Onkologie über die Rheumatologie bis in die Kinderheilkunde erstreckt, erklärt Talin Barisani-Asenbauer. "Ich bin in einem Bereich der Augenmedizin angekommen, der mich bewegt und herausfordert: bei der Behandlung chronisch Kranker."
Grenzüberschreitende Forschung und Gendermedizin
Neben ihrer klinischen Tätigkeit beteiligt sich die vielseitige Grundlagenforscherin an zahlreichen internationalen Forschungskooperationen rund um okuläre Entzündungen und Infektionen. Darüber hinaus wird Talin Barisani-Asenbauer im Rahmen einer "Geographic Medicine" Plattform, die an der Medizinischen Universität unter der Leitung von Prof.in Ursula Wiedermann-Schmidt geschaffen wird, länderübergreifende Augenerkrankungen vergleichend untersuchen: okuläre Manifestationen bei Tuberkulose, Malaria oder Mangelernährung beispielsweise. Ein weiteres Spezialgebiet ist die Genderforschung in der Augenheilkunde. Schlüsselmomente in Barisani-Asenbauers Karriere: Als junge Forscherin vor vielen Jahren in den USA den ersten Vortrag mit Bravour gemeistert zu haben, das sei richtungweisend gewesen. Oder auch die Jahre 1997 bis 1999, in denen sie als eine der ersten Wissenschaftlerinnen weltweit molekulargenetische Analysetechniken gemeinsam mit Prof. Werner Lubitz in der Augenheilkunde etabliert hat. Eine Methode, mit der in einer einzigen Laborprobe mehrere bakterielle Erreger nachgewiesen werden können. Was damals umstritten war, wird heute in indizierten Fällen routinemäßig durchgeführt.
Frauennetzwerke pflegen
Zu den aktuellen Karrierehighlights gehört ihre Berufung zur Generalsekretärin der IOIS (International Ocular Inflammation Society) im Jahr 2007. Seither ist Barisani-Asenbauer international noch besser vernetzt und gestaltet die Rahmenbedingungen ihres Wissenschaftsgebietes aktiv mit. Einen neuen Höhepunkt ihrer Forscherinnenlaufbahn stellt die Leitung des Laura-Bassi-Exzellenzzentrums OCUVAC dar. Im Laufe der Jahre wurde Talin Barisani-Asenbauer zur überzeugten Frauennetzwerkerin. Anfangs stand sie derartigen Kooperationen skeptisch gegenüber, doch die Teilnahme an einem einjährigen fFORTE-Coaching-Programm änderte ihre Haltung: "Ich habe so viele hoch kompetente Frauen kennen gelernt, die unglaubliche Hindernisse überwunden haben, nur um forschen zu können. Denn die Anforderungen einer medizinischen Laufbahn sind leider immer noch an männliche Karrieremodelle angepasst."
Wie Medizinerinnen Hürden meistern
Damals stellte Talin Barisani-Asenbauer fest, dass die Zugangsbarrieren für Forscherinnen überall ähnlich sind. Vor allem Frauen mit Kindern hätten große Hürden zu überwinden: "Der Wissenschaftsbetrieb erfordert es, dass Forschung teilweise in der Freizeit betrieben wird, außerhalb des achtstündigen Arbeitstages. Doch bei uns tragen immer noch Frauen die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung." Sie selbst kann als dreifache Mutter auf die Unterstützung ihrer Familie zählen, auch ihre Vorgesetzten hätten stets flexible Arbeitszeiten ermöglicht. So wie ihr gelingt es heute immer mehr Forscherinnen, mit viel Ausdauer und Zielstrebigkeit Erfolge zu erzielen. Doch nach wie vor fiele es speziell Medizinerinnen schwer, klinische Tätigkeit, Lehre und Forschung mit den Anforderungen des Privatlebens in Einklang zu bringen, resümiert Talin Barisani-Asenbauer. "Forscherinnen sind oft Kämpferinnen für das, was sie fasziniert. Sie müssen stark motiviert und besonders kompetent sein, um männlich geprägte Zugangsbarrieren im Wissenschaftsbetrieb zu überwinden."
Portrait: Teresa Arrieta
