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QE LaB - Quality Engineering Lab


Die freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin Teresa Arrieta im Gespräch mit der Zentrumsleiterin Prof.in Ruth Breu

 

 

"Die Laura-Bassi-Zentren wecken europaweites Interesse"

Ein wichtiges Anliegen des Laura-Bassi-Programms ist die Herstellung von mehr Chancengleichheit in der Wissenschaft.

Bei uns grassiert nach wie vor das Klischee des einsamen, Junkfood essenden Computerfreaks. Obwohl es keineswegs der Realität entspricht, hält es Frauen vom Informatik-Studium ab. Die Anzahl der Studentinnen ist in den Kernfächern der Informatik sogar rückläufig, in der Medieninformatik und der Wirtschaftsinformatik gibt es einen etwas stärkeren Zulauf. In anderen Ländern wie etwa Frankreich beträgt der Frauenanteil 30%. Ein Ziel unseres Laura-Bassi-Zentrums ist es, das Berufsbild für Frauen attraktiver darzustellen und die Vernetzung von Frauen zu fördern. Denn ich finde es schade, dass Frauen sich von den Gestaltungsmöglichkeiten in einem gesellschaftlich derart relevanten Fach selbst ausschließen. Informatik sähe anders aus, wenn mehr Frauen sich an der Entwicklung beteiligen würden.

Eine Anforderung im Rahmen des Laura-Bassi-Programms sind Maßnahmen zur Karriereentwicklung des gesamten Teams. Was planen Sie dazu konkret?

Für mich sind die Laura-Bassi-Kriterien eine Bestätigung dessen, was ich seit Langem praktiziere: Meine Studierenden werden so ausgebildet, dass sie sowohl für Jobs in der Forschung als auch in der Industrie qualifiziert sind. Ich fördere duale Karrieren, das entspricht auch meinem persönlichen Werdegang. Unterstützend für die Karriere der MitarbeiterInnen wirkt sich auch der von mir gepflegte internationale Forschungsaustausch aus, ebenso wie diverse Maßnahmen für ein professionelles Auftreten: Im Hinblick auf die Darstellung des Zentrums haben wir mit einer IT-Marketing-Expertin zusammengearbeitet und einen Slogan für QE LaB entwickelt: „Forschungszentrum mit Unternehmergeist“.

Maßnahmen zur Teamentwicklung zählen auch zu den Anforderungen des Laura-Bassi-Programms.

Wir arbeiten eng vernetzt. Wir treffen uns mit den IndustriepartnerInnen, halten Arbeitstreffen mit DoktorandInnen ab, haben ein ausgefeiltes Wiki-System zum Ablegen von Informationen etabliert und fördern so auch die Kooperation der IndustriepartnerInnen.

Ein weiterer Punkt des Laura-Bassi-Programms ist die Förderung von interdisziplinärer Forschung. In welcher Weise wird das von Ihnen umgesetzt?

Mit QE LaB vernetzen wir Gebiete innerhalb der Informatik, die bisher getrennt waren. Daran arbeite ich ja seit Beginn meiner wissenschaftlichen Karriere. Außerdem führt QE LaB angrenzende Disziplinen zusammen. Etwa das Gesundheitsmanagement, Stichwort „verteilte virtuelle Gesundheitsakte“ – wenn also Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, Apotheken und Versicherer PatientInnendaten austauschen. Ein weiterer Bereich ist die Vernetzung mit der Wirtschaftsinformatik, bei der es um das Management von IT-Anwendungen in Unternehmen geht. Hier forschen wir an Systemen für effizienten Datenaustausch zwischen KundInnen und Firmen. Das Unternehmensbudget soll so eingesetzt werden, dass die internen IT-Landschaften Geschäftsabläufe unterstützen, anstatt sie zu behindern. Das sind sehr zukunftsweisende Projekte.

Das Laura-Bassi-Programm legt besonderen Wert auf gut strukturiertes Management. Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Sie ins Auge gefasst?

Wir haben agiles Management in die Waagschale geworfen. Wir entwerfen keinen fixen Plan für die kommenden vier Jahre, sondern die Strukturen werden möglichst flexibel angepasst, in enger Zusammenarbeit mit den Industrie-PartnerInnen.

Was tun Sie zur Etablierung von mehr Chancengleichheit innerhalb Ihres Teams, gibt es beispielsweise konkrete Maßnahmen zur Unterstützung von Forscherinnen mit Familie?

Im Moment gibt es bei uns keine Frauen mit Kindern, dafür jedoch einen Mann mit Familie. Diesen unterstütze ich durch die Ermöglichung flexibler Arbeitszeiten.

Worin sehen Sie insgesamt den Mehrwert des Laura-Bassi-Programms im Vergleich zu anderen Forschungsprogrammen?

Es handelt sich um ein europaweit einzigartiges Programm, aufgrund seines Umfangs, seiner Laufzeit und seiner auf Chancengleichheit ausgerichteten Programmziele. Wir können es effizient nutzen, um unsere internationale Vernetzung voranzutreiben. Als ich nach kompetenten Frauen für unser Advisory Board suchte, ist es mir leicht gefallen, prominente internationale Expertinnen zu finden, das Programm weckt europaweites Interesse.

Wie beurteilen Sie diese neuartigen Kriterien, mit denen das Laura-Bassi-Programm Impulse für eine Management-basierte Forschungskultur geben möchte?

Ich bin gespannt auf die wissenschaftliche Evaluierung der von uns getroffenen Maßnahmen. Ich bin sehr daran interessiert, zu erfahren, ob weiblich geprägte Strukturen andere Impulse für Management verleihen. Das Programm hat mich dazu angeregt, meine eigene Herangehensweise bei der Frauenförderung zu reflektieren.

Interview: Teresa Arrieta