THERAPEP - THERApeutic application of neuroPEPtides

Gehirn-Botenstoffe gegen Hautentzündungen

Prof.in Barbara Kofler, Leiterin des Diagnostik- und Forschungslabors an der Salzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, leitet das Laura Bassi Exzellenzzentrum THERAPEP. Hier wird untersucht, wie Neuropeptide in unserem Körper Entzündungen steuern. Ziel ist, eine sanfte Alternative zum Cortison zu entwickeln.


„Gott ist ein Neuropeptid“, so die provokante Aussage der amerikanischen Neurowissenschaftlerin Candace Pert. Damit weist sie auf die eminent wichtige Funktion dieser Nachrichtenübermittler (Botenstoffe) hin, die unsere Emotionen steuern. Das Gehirn funktioniert größtenteils auf Basis von Neuropeptiden, auch Eiweißhormone genannt, sie haben Signalwirkung. Von den Nervenzellen freigesetzt, docken sie über Rezeptoren an benachbarte Nerven oder schwimmen durch die Blutbahn zu ihren Zielzellen an andere Stellen des Körpers. Im Gehirn lösen sie Reaktionen wie Trauer, Liebe, Lust auf Alkohol oder fettes Essen aus, sie hemmen auch epileptische Anfälle. Eiweißhormone sind einerseits für den biochemischen Gefühlshaushalt verantwortlich, andererseits steuern sie die Stoffwechselvorgänge und Körperfunktionen. Der zurückgelegte Weg kann sehr weit sein: Immerhin ist das Blutgefäßsystem, durch das die winzigen Eiweißhormone transportiert werden, von den großen Arterien und Venen bis zum feinsten Kapillarnetz über 100.000 Kilometer lang. Das ist mehr als der doppelte Umfang der Erde. Die Rezeptoren der Zielzellen verfügen über ein Erkennungsmerkmal. Rezeptor und Hormon passen so genau zusammen wie Schlüssel und Schloss. Hat das Peptid mit seinem Schlüssel das Rezeptorschloss aufgesperrt, löst es in der Zelle die besagten Stoffwechselvorgänge aus.

Wozu dient Galanin?

Bisher wurden circa 100 menschliche Eiweißhormone entdeckt, deren zahlreiche Funktionen erst teilweise erforscht sind. Eines von ihnen wurde von THERAPEP-Leiterin Barbara Kofler im Jahr 2003 gefunden. Sie nannte es Alarin und ordnete es der Familie der Galanin-Neuropeptide zu. Im Laura Bassi Zentrum THERAPEP wird die Funktion dieser Galaninpeptide in der Haut erforscht: Man nimmt an, dass Peptide der Galanin-Familie einen stark entzündungslindernden Effekt haben. Sollte sich das im Zuge der vierjährigen Grundlagenforschung bestätigen, könnte diese Erkenntnis zu neuen Therapieansätzen führen. Es wäre dann denkbar, Medikamente für chronische entzündliche Erkrankungen auf Basis von künstlich hergestellten Galanin-Peptiden zu entwickeln, als sanfte Alternative zum Cortison.

Peptid-Pionierin und Labor-Chefin

Die Tirolerin Prof.in Barbara Kofler hat an der Universität Innsbruck Chemie studiert und dort auch ihre Dissertation verfasst. Mit einem Erwin-Schrödinger Stipendium forschte sie zwei Jahre lang am Department für Neurobiology des Garvan Institute of Medical Research in Sydney, Australien. Nach ihrer Rückkehr erhielt sie den Auftrag, am Salzburger Landeskrankenhaus ein pädiatrisches Spezialdiagnostik- und Forschungslabor aufzubauen. Barbara Kofler betreibt dort drittmittelfinanzierte Grundlagenforschung. Ihre Entdeckung des Neuropeptids Alarin stellt einen wissenschaftlichen Meilenstein dar. Derzeit erforscht sie dessen Funktionen im menschlichen Körper. Die Leitung des Laura Bassi Centres erfüllt sie mit Stolz: „Es macht mich sichtbarer in der Wissenschaftslandschaft. Ich bin sicher, dass wir unsere wissenschaftlichen Ziele erreichen werden.“