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Zwischenbilanz zur Übertragbarkeit des Auswahlverfahrens


Als im April 2008 das Impulsprogramm „Laura Bassi Centres of Expertise“ ausgeschrieben wurde, war dies gleichzeitig auch der Startschuss für ein innovatives und fortschrittliches Auswahlverfahren – aufbauend auf den Erkenntnissen einer Studie der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT):

  • Das Auswahlverfahren zeichnete sich dadurch aus, dass zusätzlich zur wissenschaftlichen Qualität des Forschungsprogramms auch Konzepte zum Management des Zentrums sowie zur Karriereentwicklung aller Teammitglieder begutachtet wurden. Diese Konzepte wurden in einer eigens für das Auswahlverfahren des Impulsprogramms entwickelten Zukunftspotenzialanalyse bewertet.
  • Innovation und Fortschritt bewies das Auswahlverfahren auch im Hinblick auf Chancengleichheit. Sämtliche Auswahlkriterien wurden im Sinne größtmöglicher Transparenz von Beginn der Ausschreibung an offengelegt.
  • Auch wurde auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei den FachgutachterInnen und der Jury geachtet.

Ende Juni 2009 war das zweistufige Auswahlverfahren abgeschlossen und acht Zentren wurden zur Förderung empfohlen.

Da sich das Programm w-fFORTE sowohl als lernendes als auch als impulsgebendes Programm versteht, haben im Sommer 2011 im Zuge der Begleitevaluierung ExpertInnen der FFG, des BMWFJ und des BMVIT sowie der KMU Forschung Austria und des Fraunhofer Instituts eine Zwischenbilanz gezogen. Im Rahmen dieses Workshops wurde insbesondere die Übertragbarkeit des Auswahlverfahrens auf andere Förderformate innerhalb der FFG diskutiert. Folgende Fragestellungen waren maßgebend im Workshop:

  • Welche Erfahrungen wurden im Rahmen des Auswahlverfahrens gemacht?
  • Welche Faktoren müssen für ein auf Chancengleichheit ausgerichtetes Auswahlverfahren berücksichtigt werden?
  • Was muss bedacht werden, wenn Prinzipien, die im Zuge des Auswahlverfahrens zu den Laura Bassi Zentren erprobt wurden, auch im Rahmen anderer FTI-Programme zur Anwendung kommen sollen?

Ein auf Chancengleichheit ausgerichtetes Auswahlverfahren braucht Transparenz

Transparenz in Auswahlverfahren ist notwendig, um für alle AntragstellerInnen gleiche Bedingungen herzustellen. Je klarer alle für die Ausschreibung relevanten Informationen formuliert sind, desto weniger Anfragen seitens der AntragstellerInnen sind erforderlich. Dadurch erhöht sich die Homogenität aller für die AntragstellerInnen relevanten Informationen. Zur Transparenz gehört, dass alle Termine einer Ausschreibung von Anfang an bekannt gegeben werden, die Auswahlkriterien genau formuliert werden und der Begutachtungsablauf klar kommuniziert wird. Es versteht sich daher von selbst, dass sich Transparenz über den gesamten Prozess eines Auswahlverfahrens, beginnend bei der Kick-Off-Veranstaltung zu Call-Start, über Einreichberatungen, sämtliche Ausschreibungsunterlagen, Hearing, Jurysitzungen, bis hin zur Kick-Off-Veranstaltung zum Start der Projekte erstrecken muss.

Ein auf Chancengleichheit ausgerichtetes Auswahlverfahren braucht eine konsequente Moderation

Ein wesentliches Element der Moderation ist es, darauf zu achten, dass in allen Stufen des Auswahlverfahrens die Diskussion der Anträge entlang der definierten Auswahlkriterien strukturiert geführt wird. Dadurch sollen programmirrelevante – d.h. nicht den Programmzielen entsprechende – Argumente vermieden werden.
Eine weitere Herausforderung für die Moderation liegt darin, auf die Einhaltung der Zeit zu achten. Dies gilt sowohl für Jurysitzungen als auch in den Hearings. In den Jurysitzungen sollen alle Anträge im selben zeitlichen Ausmaß diskutiert werden. In den Hearings muss die Moderation darauf achten, dass die vorgegebene maximale Präsentationszeit von den AntragstellerInnen nicht überschritten wird. Auf diese Art wird sichergestellt, dass alle FörderwerberInnen dieselben Voraussetzungen bekommen.
Aus diesen Gründen wird der Rolle der Moderation in Auswahlverfahren eine hohe Bedeutung beigemessen. Ein entsprechendes Briefing des Juryvorsitzes sowie auch der anderen Jurymitglieder durch den/die ModeratorIn ist erforderlich. Die Rolle der Moderation sollte daher einer Person übertragen werden, die die Zielsetzungen des Programms sehr gut kennt.

Ein auf Chancengleichheit ausgerichtetes Auswahlverfahren braucht ein ausgewogenes Bewertungsgremium

Die Ausgewogenheit in einem Auswahlverfahren bezieht sich einerseits auf das Geschlechterverhältnis andererseits auf die Rollenverteilung in einem Bewertungsgremium. Durch eine angemessene Berücksichtigung von Frauen in Bewertungsgremien soll für eine Vielfalt gesorgt werden, die zu einer Vielfalt an Sichtweisen im Diskussionsprozess beitragen soll. Bei der Rollenverteilung können sowohl thematische Rollen als auch Rollen, die unabhängig von thematischen Schwerpunktsetzungen sind, vergeben werden. Durch die Rollenverteilung soll sichergestellt werden, dass alle im Auswahlverfahren vorgesehenen Auswahlkriterien im selben Ausmaß diskutiert und bewertet werden. In der FFG werden Anträge in den folgenden Kriterienbereichen begutachtet und bewertet: Relevanz des Vorhabens in Bezug auf die Ausschreibungsziele, Fachliche Qualität, Ökonomische Relevanz sowie Eignung der FörderungswerberInnen. Daraus abgeleitet ist es wichtig, dass Jurymitglieder folgende Expertisen einbringen:

  • Wissenschaft & Innovation (thematische Rolle)
  • Wirtschaft & Innovation (thematische Rolle)
  • Gender in F&E (thematisch unabhängige Rolle)
  • Humanpotenziale (thematisch unabhängige Rolle)
  • Forschungsmanagement (thematisch unabhängige Rolle)

Ein auf Chancengleichheit ausgerichtetes Auswahlverfahren wird v.a. dann seine Wirkung entfalten, wenn in der Projektabwicklung ein Monitoring vorgesehen ist und gesetzte Ziele überprüft werden

Das Monitoring der geförderten Projekte muss jene Ziele, die im Förderungsantrag zunächst abgefragt und später auch bewertet wurden, entsprechend miteinbeziehen. Um die Einhaltung der Auswahlkriterien zu sichern, ist kritisch zu überlegen, welche tatsächlichen Konsequenzen die Nichteinhaltung der im Antrag angegebenen Projektzielformulierungen haben soll. Denn eines ist klar: das beste Auswahlverfahren macht keinen Sinn, wenn nicht geprüft wird, ob die im Antrag angegebenen Ziele auch tatsächlich eingehalten werden.
So könnten beispielsweise neben Angaben zum Wissenschaftlichen Fortschritt, der Anzahl von Publikationen, Konferenzteilnahmen etc. auch Angaben zur Anzahl des wissenschaftlichen Personals nach

  • Art der Anstellung,
  • Altersgruppe,
  • Einkommen und
  • Funktion

gemacht werden, um eine Zielerreichung im Bereich Management und Personalentwicklung zu überprüfen. Solche Angaben sollten jeweils nach männlichen und weiblichen Angestellten unterschieden werden, um der Forderung nach Gender Monitoring gerecht zu werden. Die Verpflichtung zum Gender Budgeting ist auch im Bundesverfassungsgesetz Artikel 13 Absatz 3 verankert (B-VG Art. 13 Abs. 3). Die wirkungsorientierte Haushaltsführung unter Berücksichtigung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern ist seit 1.1.2013 in Kraft (Neuerungen der Haushaltsrechtsreform, 2. Etappe).

Oben genannte Ausführungen machen deutlich, dass es für ein auf Chancengleichheit ausgerichtetes Auswahlverfahren keiner allzu großen Anstrengungen bedarf. Hervorzuheben ist in jedem Fall das konsequente Vorgehen des Programm-Teams. Dann erscheint die Übertragbarkeit eines derartigen Auswahlverfahrens auf andere Förderformate jedenfalls gegeben.