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Angela Stöger-Horwath

  • Ausbildung: Studium der Zoologie Universität Wien, Auslandsstipendium Universität Basel
  • Position: Doktorandin/Lektorin am Department für Evolutionsbiologie Universität Wien, Freie Wissenschafterin
  • Wissenschaftsdisziplin: Zoologie/Bioakustik


„Aus Afrika wollte ich nicht wieder weg“

Wie Elefanten Sprechen lernen

Die Zoologin Angela Stöger-Horwath versteht die geheime Sprache der Elefanten, schaffte bereits als Jungforscherin eine Sensationspublikation in der renommierten Zeitschrift „Nature“ und liebt Afrika.

 

Mit Mikrofon und Aufnahmegerät bewaffnet steht sie im Elefantengehege im Tiergarten Schönbrunn und hört den Elefanten zu, wochenlang. Danach wertet sie die feinen Nuancen zwischen Trompeten, Rumbeln und Grunzen auf dem Computer aus, monatelang. Knochenarbeit ist Angela Stöger-Horwaths Job, denn sie ist Bioakustikerin - und erzielte bereits früh Erfolge damit: Vergangenes Jahr konnte die 30jährige eine Publikation im renommierten Fachmagazin „Nature“ platzieren. Gemeinsam mit einem internationalen ForscherInnenteam, in dem auch die in Kenia lebende „Elefantenflüstererin“ Joyce Poole mitarbeitete, konnte Stöger-Horwath nachweisen, dass Elefanten fähig sind, Laute zu imitieren - eine Fähigkeit, die sonst nur von bestimmten Vögeln oder Walarten bekannt ist.

Elefante imitieren LKW-Motoren

Joyce Poole nahm in Kenia Laute des im Tierwaisenhaus lebenden Elefanten Mlaika auf, der aus reiner Langeweile das Brummen eines LKWs täuschend echt nachzuahmen verstand, und Angela Stöger-Horwath nahm im Baseler Zoo das elefantöse Zwitschern des afrikanischen Dickhäuters Calimero auf, der den artspezifischen Dialekt seines asiatischen Gehegegenossen im Laufe der Zeit erlernte und imitierte. Die Erkenntnis, dass Elefanten zur Lautnachahmung fähig sind, war eine bahnbrechende Erkenntnis, die die grauen Riesen in den Rang intelligenter und sensibler Meeressäugetiere wie den Walen oder Delphinen erhebt. Das neue Wissen um deren hohe Intelligenz und Sensibilität könnte auch die Haltungsbedingungen für Elefanten verbessern, hofft Angela Stöger-Horwath. Mit sichtlichem Vergnügen beschreibt sie die von ihr erforschte geheime Sprache der Elefanten: Bellen, grunzen, schnauben, zirpen, tröten und brüllen können die Dickhäuter, jede Familie produziert eine klanspezifische Klangfärbung, am meisten reden dabei die Elefantenweibchen, die sind „richtige Klatschtanten“, so die Zoologin. Die genaue Anzahl der elefantösen Lautarten werde derzeit erforscht, ein Großteil liegt im Infraschallbereich, der für das menschliche Ohr unhörbar ist. Lediglich ein Vibrieren der Luft ist für menschliche BeobachterInnen spürbar, wenn sich Elefanten auf dieser Wellenlänge unterhalten.

Sich Kompetenz erst einmal erkämpfen müssen

Im Zuge der Nature Publikation wurde Angela Stöger-Horvath von den Medien entdeckt: „Ich war monatelang nur noch mit Fernsehteams beschäftigt“, eine anstrengende Zeit, „aber ich war auch ein bissl stolz“. Denn ihr Biologiestudium war in ihrem Bekanntenkreis oft als Sonnenblumenfach belächelt worden, umso wichtiger ist es der Bioakustikerin heute, Ergebnisse präsentieren zu können. Am Anfang des Studiums hatte sie sich noch regelrecht durchbeißen müssen, „Als Frau muss man seine Kompetenz erst einmal beweisen, Männer werden schneller ernst genommen“, so ihre Erfahrung. Dabei glaubt sie, dass Frauen für die Verhaltensbiologie besondere Talente haben, denn dafür braucht es viel Geduld: „Es tut sich oft stundenlang nichts. Das muss man erst einmal Aushalten lernen“ weiß sie aus eigener Erfahrung. Sie selbst ließ sich von den Mühen des Anfangs nicht abhalten, hat immer gewusst, was sie will und das dann auch durchgezogen. „Was ich mir vornehme, erreiche ich auch“, so die Elefantenforscherin selbstbewusst. Auch den Kontakt mit der renommierten Joyce Poole habe sie sich alleine geschaffen. Im Zuge der gemeinsamen Arbeit an der „Nature Publikation“ hat sie sie in Kenia im Amboseli Nationalpark besucht. „Es war wunderschön, mit hunderten Elefanten zusammen zu sein, sie unter freieren Haltungsbedingungen zu erleben.“ Aus Afrika wollte sie nicht wieder weg. In Kenias Hauptstadt Nairobi seien die Jungtiere sogar zutraulich geworden, „ein einmaliges Erlebnis“.

Frühe Sportlerinnenkarriere

Ehrgeizig und zielstrebig war Angela Stöger-Horwath immer schon, geprägt hat sie dabei ihre Jugendkarriere als Leistungsschwimmerin: Zwölf Mal wurde sie Staatsmeisterin in der Disziplin Synchronschwimmen, auch bei Europa- und Weltmeisterschaften erreichte sie Finalplätze. Vier bis sechs Stunden pro Tag musste sie als Jugendliche trainieren, „ich bin täglich um sieben Uhr früh ins Wasser gesprungen, ob´s mich gefreut hat, oder nicht.“ Einen Teil ihres Zoologiestudiums konnte sie sich dann auch aus der Sporthilfe finanzieren. Sich von Rückschlägen nicht irritieren lassen, durch hartnäckige Arbeit ans Ziel kommen, diese Lektionen aus dem Leistungssport kommen ihr heute zugute. Erst recht, seit vor einem Jahr ihre Tochter Celine zur Welt kam. Die Herausforderung besteht nun darin, trotzdem beruflich voranzukommen. „Ich habe gelernt, sehr effektiv zu sein.“ Täglich beginnt sie um sechs Uhr früh zu arbeiten, um auf ihr Pensum zu kommen, bis Celine aufwacht. Auch ihr Mann, der als Tierpfleger im Schönbrunner Zoo arbeitet, unterstützt sie, ebenso ihre Eltern. Neue berufliche Ziele hat sie auch bereits: Derzeit arbeitet Angela Stöger-Horwath an einem akustischen Frühwarnsystem, um Menschen, die in Elefantengebieten in Asien und Afrika leben, vor herannahenden Tierherden zu warnen, denn wo Mensch und Elefant nah beieinander leben, gibt es immer wieder zu Tode Getrampelte und Verletzte. Einen viel versprechenden Karrierebeginn mit raschen Erfolgen hat Angela Stöger-Horwath bisher absolviert, „besser hätte es nicht laufen können.“

„Ich hab mir meinen Weg selber gebahnt, ich war immer dahinter.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta