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Beate Guschal

  • Ausbildung: HTL, Maschinenbaustudium, Red X Strategy Master
  • Position: Technische Managerin bei General Motors
  • Wissenschaftsdisziplin: Kraftfahrzeugtechnik


„Technische Probleme sind total faszinierend“

Technik ist fun

Die Maschinenbauingenieurin Beate Guschal ist „technische Detektivin“ bei General Motors Powertrain - Austria, war TechWoman of the year, lässt sich aus Leidenschaft für Problemlösungen unbeschwert Kühlmittel in die Designerbluse rinnen und beherrscht weibliche und männliche Spielarten gleichermaßen.

 

„Die Kompetenz macht es aus“ meint Beate Guschal, die innerhalb kürzester Zeit einen kometenhaften Erfolgsstart bei General Motors hingelegt hat: Vier Monate nach ihrem Firmeneinstieg im Jahre 2000 wurde sie in ein außergewöhnliches Ausbildungsprogramm zur "Red X-Masterin" gesteckt: Was nach Raumschiff Enterprise klingt ist in Wirklichkeit ein in den USA vor über sechzig Jahren entwickeltes ausgeklügeltes Verfahren zur technischen Problemlösung. Es wird angewendet, wenn beispielsweise Anfahr-Verzögerungen bei einem soeben fertig gestellten Autogetriebe auftreten. Das System ist - anders als vergleichbare Verfahren - auf statistischen Methoden aufgebaut, die strategisches Denken und Kreativität erfordern. Für Europa entwickelte General Motors ein eigenes Red X Programm, das seit dem Jahr 2000 in europäischen GM Powertrain Werken eingeführt wurde. Beate Guschal ist der erste weibliche "Red X Strategy Master" in Europa und in dieser Funktion für alle GM Powertrain Werke in Europa zuständig. Nichts findet sie faszinierender, als herauszubekommen, warum etwa ein Motorenteil „ein schleifendes Geräusch“ produziert und deswegen ausgesondert werden muss.

 

Berufung zum Beruf machen

Gleich einem Detektiv tastet sie sich nach dem Ausschlussverfahren mittels statistischer Beweise an die Lösung heran, manche dieser technischen Rätsel verfolgen sie über Monate. Auf ihren Trainingsunterlagen ist folgerichtig Sherlock Holmes abgebildet. Doch nicht nur das brüten über kniffligen Problemen begeistert sie, sondern sie legt auch gerne selbst Hand an. Dabei würden zierliche Statur und Seidenbluse nie erahnen lassen, dass sie am liebsten draußen im Werk vor den wuchtigen Maschinen steht und sich eigenhändig in die Eingeweide der Motoren vertieft, um deren Geheimnisse zu ergründen. Ein Kollege habe ihr unlängst gestanden: „Beate, ich werd´ nie vergessen, wie dir das Kühlmittel ins Hemd läuft und du begeistert rufst: Da schau her, der Kühlschlauch liegt falsch!„ Dabei hat es einige Jahre gebraucht, bis sie ihre wahre Berufung entdeckte: Nach dem Maschinenbaustudium arbeitete sie zuerst als technische Einkäuferin, hernach in der Qualitätsabteilung der für ihre Kunststoffpistolen bekannten Firma Glock. Nach vier Jahren wollte sie sich verändern, seit dem Engagement als Technikdetektivin bei General Motors Powertrain - Austria weiß sie: "Das ist wirklich meines".

 

Technik bedeutet Spaß

Ihr Engagement findet Anerkennung: In der Zwischenzeit bildet die Ingenieurin firmenintern neue Master aus, die dann in ihren jeweiligen Werken so wie sie technische Rätsel auf hohem Niveau knacken („Diesen Coach-Job hab ich, obwohl ich eine Frau bin, völlig problemlos bekommen.“). Auch die Auszeichnung zur TechWoman of the year im vergangenen Jahr hat sie riesig gefreut. Der im Rahmen des österreichischen Automationspreises "Leonardo Award" ausgeschriebene Sonderpreis soll Frauen in technischen Berufen ins Rampenlicht stellen. Die Besonderheit dabei ist, dass man dafür nicht einreichen kann, sondern frau dafür nominiert werden muss. Das wichtigste sei der Spaß bei der Arbeit, so Beate Guschal über die Voraussetzungen für ihre rasche Karriere, ein „Spaß“, der wohl nur für eingeschworene Technik Freaks nachvollziehbar ist: Ein US-Kollege habe ihr unlängst bei einem Seminar zwischen Algorythmustabelle und Analyseteilen in die Augen geblickt: „Isn´t it fun?“ habe er gefragt. „Correct, it´s fun!“ habe sie geantwortet.

Ruppig und einfühlsam

Akzeptanzprobleme hat die 35jährige, die sich seit der HTL Zeit nur in Männerwelten bewegte, nie gehabt: Männliche Kommunikationsformen hat sie sich als Kind („Ich geb´s zu, ich hab am liebsten mit Barbies gespielt“) mit ihren beiden Brüdern angeeignet, heute beherrscht sie weibliche und männliche Spielarten. So habe sie im Laufe der Zeit gelernt, im Job „Jungs, es mieft“ zu sagen, wenn sie die Fenster öffnen will und sie könne auch laut fluchen. Nein, zu den sensibelsten Frauen zähle sie wohl nicht. Trotzdem bringt sie weibliches Einfühlungsvermögen mit, wenn sich etwa einer ihrer Seminarteilnehmer mit dem Hinweis auf den Geburtstermin seiner Frau entschuldigen lässt. Ganz überrascht sei der Betreffende gewesen, als Guschal sich verständnisvoll gezeigt habe: „Nicht alle verstehen, dass ich mir da frei nehmen muss“, habe er ihr gestanden. Auch als Lehrende ist sie als Frau stets auf positives Echo gestoßen, denn in den männlichen Ingenieurswelten zählt vor allem Qualifikation, wie sie immer wieder erlebt. Die Überraschung, wenn sie bei einem Seminar als „Red X Master“ den Raum betritt, löst sich rasch auf, sobald sie in medias res geht. „Sie sind der Master?“ wundert sich so manche Teilnehmerin und mancher Teilnehmer anfangs. Spätestens nach einer halben Stunde Fachsimpeln ist jedoch jedem klar, dass sie der Master ist.

„Frauen müssen sich mehr beweisen: Man wird schon kritischer beobachtet als ein Mann.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta