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Renate Scheidenberger

  • Ausbildung: HTL-Kolleg, Baumeisterprüfung, Master of Science
  • Gründerin von "Baukultur" (Baumanagement Unternehmen) 2002 und "Schlüsselszene" (Immobilienverwertungs GesmbH) , 2005
  • Branche: Bauwesen


„Loyalität steht im Vordergrund, denn es geht nur gemeinsam. Loyalität meiner MitarbeiterInnen zu mir, ich zu ihnen und wir zu unseren AuftraggeberInnen.“

Respekt, Loyalität, Freude

So lauten die Leitmotive der Baumanagement Firma von Jungunternehmerin Renate Scheidenberger, mit der sie höchst erfolgreich Altem neues Leben einhaucht. Dabei vertraut sie ihrem Instinkt und hält Bauherren den Rücken frei.

 

Erfreut und gerührt zugleich sei sie gewesen, sagt Renate Scheidenberger strahlend, als bei einem Firmenseminar all ihre MitarbeiterInnen die wichtigsten Firmenwerte mit ähnlichen Worten beschrieben hätten: Respekt, Loyalität und Freude am Tun. Gerade der „Respekt“ zieht sich als roter Faden durch das Berufsleben der Niederösterreicherin. Im Zuge ihrer HTL-Kolleg Ausbildung „Bautechnische Restaurierung“ entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Handwerk am Bau. Damals erhielt sie die Möglichkeit, in der Türkei Teile der Ausgrabungsstätte von Troja bautechnisch abzusichern: „Eine fantastische Zeit“: Obwohl keiner der Sprache des Anderen mächtig war, habe die von gegenseitiger Achtung geprägte Zusammenarbeit mit den türkischen ArbeiterInnen bestens funktioniert. Wenig später legte sie die Baumeisterprüfung ab und konnte ihrer Berufung nachgehen, zwischen Maurern und anderen ProfessionistInnen am Bau nach dem Rechten zu sehen. „Sie haben von mir immer viel Respekt gespürt, vom kleinsten Hilfsarbeiter und der kleinsten Hilfsarbeiterin bis ganz hinauf, denn ich sehe, welch enorme Anstrengung es ist, den ganzen Tag schwere körperliche Arbeit zu verrichten.“ Das Einfühlungsvermögen in die oft harte Arbeit der Handwerker hat Renate Scheidenberger in der HTL gelernt, wo sie sich einmal pro Woche quer durch alle Baudisziplinen Praxis aneignen musste. „Wenn man so ein Gewölbe selber verputzt und alles wieder runterfällt, dann weiß man erst, was handwerkliches Know How bedeutet“, erinnert sich die Ingenieurin an mühsame Zeiten.

Die eigenen Ideen verwirklichen

Wertschätzung hat sie nicht nur für die Arbeiter übrig, sondern auch für die alten Häuser, die sie nun saniert. „Etwas Verfallenem Leben einhauchen, mit Respekt und Achtung bestehende Bausubstanz konservieren, um sie dann im Sinne des modernen Zeitgeistes nutzen zu können“, so umreißt sie den Kern ihrer unternehmerischen Tätigkeit. In diesem Sinne ist auch der Firmenname „Baukultur“ zu verstehen. Ihr breche jedes Mal das Herz, wenn so ein altes Gemäuer abgerissen und in die Baulücken Betonklötze hineinproduziert würden, denn die ehrwürdigen Bauten „atmen Geschichte“. In diesen hohen alten Räumen aus Ziegel und Holz ströme halt eine ganz andere Energie als in den neuen Stahlkästen. Nach mehreren Jahren zwischen Schutt, Staub und Betonmischmaschinen regte sich Scheidenbergers zweite Berufung: Der Wunsch nach Selbstständigkeit, denn „ich wollte einfach meinen eigenen Weg gehen.“ Mit diesem Ziel im Kopf absolvierte sie den Master in Baumanagement und Unternehmensführung an der PEF (Wiener Privatuniversität für Management) – „eines der besten Dinge, die ich je gemacht hab“, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, denn dort erlernte sie nicht nur das unternehmerische Handwerkszeug, sondern knüpfte auch zahlreiche Kontakte, die sich später für die Auftragsaquisition als nützlich erweisen sollten.

Rund um die Uhr im Einsatz

Dabei sei die Entscheidung, gerade dort zu inskribieren, eine reine Gefühlsentscheidung gewesen – auch das ein weiterer Faden, der sich durch ihr Berufsleben zieht: Intuitives Handeln, das meist zum Erfolg führt: „Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich wichtige Entscheidungen nicht nur mit dem Kopf treffen soll.“ Noch vor Abschluss ihres Masters wagte die Baumeisterin den Schritt in die Selbstständigkeit, mit viel Herzflattern und einer Sekretärin als einzigem Beistand. Die Privatuni unterstützte sie dabei: Die ganze Klasse gab ihr konstruktives Feedback zu ihren Präsentationen. Schon nach einem halben Jahr war ihr klar, dass es kein Zurück mehr gab, denn die Ingenieurin hatte Blut geleckt und fand Gefallen an der aufreibenden Freiheit als Jungunternehmerin. Innerhalb von fünf Jahren ist ihre Firma „Baukultur“ auf elf MitarbeiterInnen angewachsen, die Auftragslage steigt kontinuierlich und interessante Projekte mit internationalen Architekten haben sich aufgetan. Der Erfolg liegt auch in der Flexibilität des Unternehmens begründet: Die „Baukultur“ wird hinzugezogen, um Bauherren den Rücken frei zu halten. Eines der Erfolgsrezepte ist das außergewöhnliche Engagement von Scheidenbergers Team: „Wenn ein Sturm mitten in der Nacht eine Abdeckung wegreißt, stehen wir Gewehr bei Fuß", wenn extrem kurze Fristen einzuhalten sind, kriegt das Team auch das hin, denn „Geht nicht, gibt´s nicht“ ist das konsequent gelebte Baukultur-Motto.

Aus eins mach zwei

In der Zwischenzeit hat die erfolgreiche Unternehmerin bereits Firma Nr. 2 gegründet:

Die „Schlüsselszene“, mit der sie gemeinsam mit einem Architekten Dachgeschosswohnungen errichtet. Wie es ihr als Frau in dieser männerdominierten Branche geht? „Danke bestens“ – vielleicht auch deshalb, weil sie ihr Frausein beruflich weder besonders betont noch negiert. Deswegen würde sie sich auch nicht an Frauennetzwerken beteiligen wollen, das käme ihr „unnatürlich“ vor. Klar, dass der Baumeisterkurs als einzige Frau unter sechzig Männern hart war – die Frauenwitze der Ingenieure aus dem mittleren Management seien oft niveauloser gewesen, als die der BaustellenarbeiterInnen. Auch bliebe sie von den Stammtischgesellschaften, bei denen Männer einander Aufträge zuschanzen, ausgeschlossen – und das sei auch gut so. Dafür hat sich Renate Scheidenberger andere Aquisitionswege erschlossen, etwa über ihr Kunstinteresse, wo es immer wieder zu beruflichen Kontakten kommt. Generell ist sie bemüht, die männlichen Eigenheiten nicht so wichtig zu nehmen: Etwa wenn „Pfauenräder geschlagen werden“, wie es in der männlichen Geschäftsgebarung oft üblich ist: Da sollte man als Frau einfach selbstbewusst drüberstehen. Manches könne man sich auch aus der männlichen Arbeitswelt sogar abschauen. Umgekehrt könnten auch Männer von frauentypischen Verhaltensweisen lernen. Etwa wenn Frauen in leitenden Positionen bei Erfolgen sagen: Wir (das Team) haben das vollbracht, und bei Misserfolgen: Ich trage die Verantwortung.“ – Männer machen es hingegen häufig umgekehrt. Grundsätzlich, sagt Baumeisterin Renate Scheidenberger, lege sie mehr Wert auf das Verbindende als auf das Trennende, und so klug lebt sie auch ihren Arbeitsalltag: Sie investiert ihre Zeit und Energie vorzugsweise in jene Seilschaften, die von Geschlechter-Vorurteilen weitestgehend befreit sind.

„Unser Erfolgsgeheimnis ist die Flexibilität und das Engagement eines Jungunternehmens“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta