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Sok-Kheng Taing

  • Ausbildung: Studium Betriebswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität Linz
  • Gründerin von dynaTrace, 2005. Leitung des internationalen Geschäftsbereiches, Vertrieb und Marketing.
  • Branche: Informationstechnologie


„Ein Unternehmen ist immer so gut wie sein schwächstes Glied.“

Wer mit Leidenschaft arbeitet, vergisst Raum und Zeit

Die Oberösterreicherin Sok-Kheng Taing hat ein IT-Unternehmen mitbegründet, dem sie zur internationalen Marktführerschaft verhelfen will. Die Anfänge sind vielversprechend.

 

„Ich wollte alles kennen lernen und das Maximum rausholen“, sagt Sok-Kheng Taing über ihre Linzer Studienzeit und diese Worte charakterisieren sie wohl besonders treffend. Eine Asiatin mit oberösterreichischem Akzent im Business Look. Quirlig, stets lachend und voller Tatendrang: Sok-Kheng Taing ist keine alltägliche Erscheinung. Die Eltern flüchteten 1980 vor den Roten Khmer von Kambodscha nach Österreich, da war die kleine Sok-Kheng gerade sechs Jahre alt. Sie wuchs in einem oberösterreichischen Dorf auf, absolvierte hier Kindergarten, Schulzeit und danach als erste Frau in ihrer traditionsbewussten Familie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität. Nebenbei belegte sie interessehalber zahlreiche Freifächer und besuchte sogar abends noch Zusatzvorlesungen. Getragen war sie dabei von dem Wunsch, immer Neues zu erfahren. Mit Neugier, Enthusiasmus und schwammartiger Wissbegierde ging sie jede neue Erfahrung an und legte während des Studiums noch ein Praktikum in den USA (Atlanta) ein, denn ihr Leben sollte immer „bunt und vielfältig“ sein. Um ihr Taschengeld aufzubessern, nahm sie in den Staaten einen Job im Telemarketing an. Nein, das sei ganz und gar nicht langweilig gewesen, ganz im Gegenteil: „Man lernt, auf Menschen zuzugehen. Ich konnte trainieren, Verkaufsgespräche zu führen.“

Aus jedem Job das Beste machen

„Ich hab jeden meiner Jobs ernst genommen und geschaut, was ich draus lernen kann“, fasst die Ehrgeizige ihr Lebensmotto zusammen. Vor allem die Offenheit und Kontaktfreudigkeit der AmerikanerInnen fand die BWL-Studentin fantastisch, trotzdem zog es sie in die oberösterreichische Heimat zurück. Nach Abschluss ihres Studiums in Linz heuerte sie zuerst bei einer Werbeagentur an, um dann in die Marketing Abteilung der Büro Handel GesmbH zu wechseln, des führenden Anbieters von Büro-Produkten in Zentraleuropa. Dort baute sie den gesamten Internetvertrieb des Unternehmens auf (Online Shop, Multi-Channel Vertrieb über Marktplätze und Portale) – eine Erfahrung, die für ihre spätere Firmengründung sehr nützlich sein sollte, denn hier hatte sie erstmals mit den Problemen von KundInnen im E-Business zu kämpfen: „Wenn jemand bei unserer Firma per Onlineshopping einkaufen wollte und die Applikation funktionierte nicht, hatte dies Umsatzeinbußen zur Folge, oder die KundInnen gingen zu MitbewerberInnen. Das war schon sehr ärgerlich.“ Zu dumm, dachte sie bereits damals, dass es kein Computer-Tool gibt, mit dem solche Probleme bis an die Wurzel zurückverfolgt werden können, so dass die IT-SpezialistInnen die genaue Ursuche des Ausfalls verstehen. Denn zu jener Zeit erfolgten IT-Reparaturen schlicht nach dem Trial-and-Error Prinzip.

Firmengründung auf der grünen Wiese

Einige Jahre später gab diese zündende Idee den Impuls zur Firmengründung von dynaTrace, wie sich die Marketing-Expertin erinnert: „Mein Kollege, der Systementwickler Bernd Greifeneder, kam mit der Idee einer Computer Software, mit der man den Weg durchs Problemlabyrinth erstmals deutlich nachvollziehen kann. Mit der man analysieren kann, was bei dem jeweiligen Ausfall genau passiert ist und wo die Problemursache liegt.“ Ein Programm, das Performance-Probleme und Softwarefehler über verteilte Java und .NET Systemlandschaften hinweg erstmalig punktgenau identifiziert und rekonstruiert. „Ich sagte: Wow, super, bisher war ich wie blind vor einem IT-Problem. Das hat mich immer schon geschmerzt, ich hab nie verstanden dass es kein Tool dafür gibt.“ Zu dritt erfolgte im Jahr 2005 die Firmengründung. Anfangs bewältigten die drei IT-Pioniere die gesamte Arbeit allein, das sei hart und zeitintensiv gewesen: „Wir haben gut bezahlte, verantwortungsvolle Positionen und Karrieren aufgegeben, aber uns hat fasziniert, etwas Neues aufzubauen“, schildert sie die Beweggründe. Wichtig war zu diesem Zeitpunkt auch die professionelle Hilfe von AWS (Austria Wirtschaftsservice) und die finanzielle Unterstützung durch die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft). „AWS und FFG sind gelungene Konzepte, um UnternehmensgründerInnen in Österreich den Start in eine spannende Zukunft zu ermöglichen“, meint sie heute anerkennend. Die gemeinsame Anstrengung der drei IT-Musketiere war jedenfalls von raschem Erfolg gekrönt:

Nach den Sternen greifen

Nach weniger als drei Jahren verfügt das Unternehmen nun über vierzig MitarbeiterInnen, die mit Fokus in Zentraleuropa, Großbritannien und den USA tätig sind. KundInnen wie die Österreichische Nationalbank oder die Deutsche Bahn vertrauen dem Jungunternehmen. Sok-Kheng Taing leitet den internationalen Geschäftsbereich, Vertrieb und Marketing. Ihr Ziel? „Ich möchte dynaTrace zum internationalen Marktführer begleiten“, formuliert sie das ehrgeizige Firmenvorhaben. Das von dynaTrace patentierte „PurePath“ System, das wie ein Vergrößerungsglas Einblick in die verschlungenen Programmierpfade gewährt, soll zum Standard für jedermann werden. Bei Applikations-Problemen soll jeder IT-Manager in Zukunft ganz selbstverständlich fragen: „Was siehst Du im PurePath?“, wünscht sich die Firmengründerin. Ja, es stimmt, sie habe ein ausgeprägtes Leistungsdenken – das komme bereits von den Eltern, ebenfalls UnternehmerInnen, die jedoch in Kambodscha alles, was sie aufgebaut hatten, zurück lassen mussten. Wie es ihr als weibliche Unternehmerin gehe? Danke bestens. Natürlich falle man als Asiatin in der männerdominierten Business Welt auf, aber das könne man auch zu seinem Vorteil nutzen: „Es kommt immer darauf an, wie man die Genderthematik im Kopf definiert.“

„Ich habe mich als Frau nie benachteiligt gefühlt. Das wichtigste ist, zufrieden mit sich selbst zu sein und seinen Weg zu gehen, auch wenn das Umfeld anderer Meinung ist.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta