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Andrea Möslinger

  • Ausbildung: Betriebswirtschaft an der Universität Linz
  • Position: Geschäftsführerin der Firma Profactor in Steyr
  • Branche: Forschung und Entwicklung im Bereich Technologie

Die Kinder waren stolz, was die Mama da jetzt macht

Die Geschäfte einer Firma mit 80 Angestellten zu leiten, ist schon für sich eine große Aufgabe für einen Menschen. Wenn dazu noch eine Familie mit drei Kindern kommt, stellt sich natürlich die Frage, wie das zu schaffen ist. „Da muss man schon ein sehr gutes Time-Management haben", verrät Andrea Möslinger ihr Erfolgsrezept und fügt als zweite Komponente hinzu: „Die Arbeit müsse schon viel Spaß machen, das sei ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren." Ihre Familie sei ganz hinter ihrer Entscheidung gestanden, auch „die Kinder waren lustigerweise stolz, was die Mama da jetzt macht." Und das obwohl sie durchgängig berufstätig war. Dass sie die Zeit Zuhause mit den Kindern als „Erholungsfaktor" betrachtet, spricht dafür, dass die Doppelfunktion tatsächlich gut funktioniert. Es gibt eine strikte Aufteilung mit dem Ehemann, wann wer für die Kinderbetreuung zuständig ist. „Ich sage immer zu einem Kollegen, der mit dem Zeitmanagement nicht auskommt: Dann musst Du einmal eine Familie gründen und dann lernst du das", erzählt sie lachend. Effizienz ist für sie eine zentrale Eigenschaft, weshalb sie logischerweise jungen Frauen empfiehlt, „nicht die Zeit zu verplempern".

Dass sie sich im oberösterreichischen Forschungsunternehmen Profactor wohl fühlte, war ausschlaggebend dafür, dass sie sich 2003 ziemlich rasch entschied, von der Position der Mitarbeiterin in die der zweiten Geschäftsführerin zu wechseln. „Es gab schon Erstaunen, was tut eine Betriebswirtin in der Geschäftsführung eines Forschungsunternehmens, das ja rein technologisch orientiert ist", erinnert sie sich an Reaktionen. Während des Firmenaufbaus sei jedoch deutlich geworden, dass neben den technischen Faktoren eben auch wirtschaftliche und soziale Komponenten eine wesentliche Rolle in den Projekten spielen und dies in der Geschäftsführung zum Ausdruck kommen solle. Dass sie vorher schon sechs Jahre im Unternehmen tätig war, gewährleistete Kontinuität, das Unternehmen war ihr und sie den MitarbeiterInnen und KundInnen bekannt. Was Vor- und Nachteile hatte, wie sie selbst zugibt. Als Nichttechnikerin dauere es schon, in einem High-Tech-Unternehmen sowohl innen als auch außen die Akzeptanz zu finden. Die einzige Frau im Kreise von Führungskräften zu sein, sei sie bereits von früheren Jobs gewohnt gewesen, schildert sie. Der Anteil der Männer im Unternehmen ist insgesamt wesentlich höher als der Frauenanteil, was sie auf die Technologieorientierung zurückführe. Ihr Wunsch wäre es, mehr Frauen im Unternehmen zu haben. Beim Personalrecruiting zeige sich jedoch oft das Problem, dass sich nur wenige Frauen mit einer technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung und einer entsprechend hohen Qualifikation bewerben würden.

Forschen mit nachhaltigem Erfolg

Neben dem Personalbereich zählt die kaufmännische Abwicklung der Geschäftsprozesse zu ihren Agenden. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen zum einen bei Prozess- und Produktionssteuerung, bei der direkten Anwendung von Forschungsergebnissen in der Produktion wie etwa Bildverarbeitung, robotische Systeme, Simulation und Automatisierung. Zum anderen konzentriert sich die Forschung auf innovative Material- und Nanotechnologie. „Das Einzigartige liegt darin, dass wir im Laufe der letzten zehn Jahre gelernt haben, wie sich die Forschung in kleinen oder auch großen Betrieben in die Realität umsetzen lässt." Profactor habe hier eine Brückenschlagfunktion übernommen, weil es an den Universitäten oder im Forschungsbereich Neuheiten gebe, die nicht zu den Unternehmen gelangen, umgekehrt gebe es Bedürfnisse bei den Unternehmen, von denen die ForscherInnen nichts wüssten. Nachhaltig zu arbeiten und solche Konzepte für UnternehmenskundInnen zu entwickeln, gehöre zur Unternehmensphilosophie. Dies sei beispielsweise in der Zusammenarbeit mit einem Sägewerk im Ennstal gelungen, das eine neue Art der Holzbearbeitung in einem internationalen Forschungsprojekt entwickelt hat und im Probebetrieb bereits laufen lässt, wodurch 60 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Für Andrea Möslinger ist es wichtig, dass „die Forschung dazu beiträgt, Arbeitsplätze in Betrieben abzusichern, im Energie- und Umweltbereich Ressourcen zu schonen und auch die sozialen Interessen, beispielsweise von MitarbeiterInnen, zu berücksichtigen".

Spaß an Zahlen

Mit einer schwierigen Situation war das Unternehmen 2002 konfrontiert, als das Hochwasser in Steyr alle Labore und Maschinen der Firma vernichtet hat. Das Positive daran war, dass sie nach einem Jahr ein Gebäude gefunden haben, indem nun alle Firmenbereiche zusammen geführt und die gesamte Belegschaft Platz finden konnte. Mit dem angemieteten modernen Bau als nunmehrigem Firmensitz ist Andrea Möslinger sehr zufrieden: „Diese Offenheit und Transparenz im Gebäude, die wir natürlich auch in der Kommunikation haben wollen, spiegelt sich in gelungener Weise im Gebäude wieder." Für die MitarbeiterInnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie gerne arbeiten, sei die eigentliche Herausforderung ihres Jobs, sagt sie. „Profactor ist kein Unternehmen, wo man nur zum Arbeiten herkommt, sondern weil es einfach auch Spaß macht und man mitwirken will im Unternehmen", ist sie überzeugt. Von den MitarbeiterInnen erwarte sie in erster Linie Selbständigkeit. Innovation sei von ihnen nicht nur auf technischer Seite gefragt, sondern auch im Hinblick auf Verbesserungen im Betrieb.

Das Interesse für das Finanzwesen hat sich bei ihr erst nach dem Betriebswirtschaftsstudium in ihrem ersten Job bei einem internationalen Konzern in Wien eingestellt. „Ich habe dann im beruflichen Alltag erkannt, wie wichtig und interessant das ist, dass es nicht nur trockene Zahlen sind, sondern dass es wirklich spannend ist." Für ihr eigenes berufliches Vorankommen seien Zielorientierung, Belastbarkeit, Ehrgeiz und die fachliche Kompetenz besonders wichtig gewesen. „Ein solides Fachwissen, das ist unumgänglich. Wenn man ein gewisses Basis-Know-how nicht hat, dann wird man einfach nicht ernst genommen", weiß sie. Von ihrer Familie hat sie in Bezug auf ihre Ausbildung den Grundsatz mitbekommen: „Schau dass Du das Beste draus machst. Gib Dein Bestes." Ihr kontinuierlicher Karriereweg lässt darauf schließen, dass ihr das auch im Beruf gelungen ist.

„Dass diese Doppelfunktion, Mutter und Geschäftsführerin zu sein, funktioniert, ist sicherlich etwas, worauf ich stolz bin."

Interview und Portait: Anita Zieher