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Martina Beimel und Gabriele Gailhart


Martina Beimel

  • Ausbildung: erst Sozialarbeitsausbildung, dann Schulungen im Gebäudereinigungs-Bereich und Führungskräftetrainings
  • Position: Sprecherin der Geschäftsführung
  • Branche: Gebäudebetreuung 

 
Gabriele Gailhart

  • Position: Geschäftsführerin
  • Branche: Technische Wartungs- und Reinigungsdienstleistungen, ca. 1.500 MitarbeiterInnen
  • Ausbildung: Kaufmännische Ausbildung über den 2. Bildungsweg

Ich wollte immer etwas bewegen in einem Unternehmen

Zwei Männer an der Spitze eines Unternehmens sind nicht ungewöhnlich – zwei Frauen sind es nach wie vor. Seit Oktober 2004 haben Martina Beimel und Gabriele Gailhart gemeinsam die Verantwortung für das Wartungs- und Reinigungsunternehmen DIW Instandhaltung mit rund 1.500 MitarbeiterInnen. Diese ungewöhnliche Konstellation werde von außen besonders beäugt, der Erfolgsdruck sei groß, weil sie im Konzern die einzigen zwei Frauen in dieser Position sind, erzählen die Managerinnen. „Uns ist natürlich klar, dass sehr stark darauf geschaut wird, was machen die zwei Damen an der Spitze", sagt Martina Beimel. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass wir als gutes Beispiel vorangehen, damit Frauen, die später einmal in diese Positionen kommen, es leichter haben", ergänzt Gabriele Gailhart.

Gabriele Gailhart ist für den kaufmännischen Bereich, Martina Beimel für das operative Geschäft zuständig. Diese Teilung erfordere eine enge Zusammenarbeit, betonen sie „Es ist wie in einer Ehe. Wir haben uns zusammengesetzt und geklärt, was wir voneinander erwarten und wir haben uns ausgemacht, dass wir hinter verschlossener Tür über alles reden und nach außen hin eine Sprache sprechen müssen. Das ist das wichtigste, weil wir sonst gegeneinander ausgespielt werden können", erklärt Martina Beimel die Grundlage ihrer Zusammenarbeit.

Das Kerngeschäft des Unternehmens sind Reinigungsdienstleistungen. Aufgrund des großen Veränderungswettbewerbs in der Branche seien Veränderungen notwendig geworden, weshalb technische Dienstleistungen an Maschinen und Anlagen, ähnlich wie beim deutschen Mutterkonzern, künftig forciert werden sollen, berichtet Martina Beimel. „Wir entwickeln für die KundInnen Gesamtlösungspakete, sodass sie alles aus einer Hand erhalten." Die Stärkung der technischen Komponente des Unternehmens werde auch die Position im Konzern verbessern.

Risiken und Chancen im Zweierteam abstecken

Der Weg zur Geschäftsführerin des auch in Osteuropa tätigen Unternehmens verlief bei den zwei Frauen sehr unterschiedlich. Gabriele Gailhart hat sich im zweiten Bildungsweg das notwendige Know-how im Finanzbereich angeeignet. Sie war in unterschiedlichsten Branchen im kaufmännischen Bereich tätig. Im Jahr 2000 kam sie zur DIW, wo sie viereinhalb Jahre lang die kaufmännische Leiterin war. „Mein Vorgänger vom deutschen Mutterkonzern hat mich dann dafür vorgeschlagen, gemeinsam mit Frau Beimel die österreichische Gesellschaft zu leiten." Das umfassende Aufgabengebiet gefalle ihr besonders in ihrer jetzigen Position. „Alles, was mit Zahlen zu tun hat, da bin ich die Richtige." Sie sehe sich aufgabenbedingt als die Vorsichtigere, die ihrer Kollegin die Risiken vor Augen halte, während diese ihr die Chancen neuer Projekte näher bringen würde. In der Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen versuche sie einen menschlichen Führungsstil umzusetzen. „Ich glaube, es ist wichtig, die Menschen in seinem Umfeld, so zu behandeln, wie man selber auch behandelt werden will. Mit viel Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit."

 

Martina Beimel hat ihre Erfahrung aus zehn Jahren Sozialarbeit sowohl privat als auch beruflich nützen können. „Es hat meine Einstellung zu Leuten, zu MitarbeiterInnen verändert, weil ich ein sehr positiv denkender Mensch geworden bin und Flexibilität gelernt habe." Für den Branchenwechsel habe sie sich bewusst entschieden. Sie hat 1990 im Gebäudereinigungsbereich mit einer Stelle im Sekretariat begonnen, wo sie sich von der Objektleiterin, über den Vertrieb bis hin zur Abteilungsleiterin mit Prokura hochgearbeitet hat. Das Betriebsklima sei jedoch aufgrund der kritischen Einstellung gegenüber Frauen in Führungspositionen mit mobbingähnlichen Zuständen zunehmend schlechter geworden. „Ich habe damals gesagt: Wenn ich keine zufriedene Mitarbeiterin bin, macht es keinen Spaß und ich kann nicht meine MitarbeiterInnen motivieren, wenn ich selbst demotiviert bin." Von der DIW wurde sie damals angesprochen, im ersten Schritt die Leitung im Bereich Wien zu übernehmen. Die deutlich spürbare positivere Einstellung gegenüber Frauen in Managementfunktionen war für sie ausschlaggebend, das Angebot anzunehmen, was sie auch nicht bereut habe.

Ansteckende Euphorie

Martina Beimel hat für sich ein Lebensmotto: „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum." Als junges Mädchen hat sie schon von einem Job geträumt, bei dem sie viel mit dem Flugzeug reist, ein Meeting dort, eine Besprechung da hat. „Und ich wollte immer etwas bewegen in einem Unternehmen, ich wollte nicht irgendwo sein, wo ich nur Anweisungen kriege, sondern ich wollte eigenständig arbeiten und das, was ich vorschlage, in die Praxis umsetzen können." Ihre Stärken sieht sie in der Kommunikation. Die Kunden hätten kein Problem damit, dass Ihnen eine Frau gegenüber sitze, sagt sie. „Wenn Du einen guten Kundenkontakt hast, und wenn Du weißt, wovon Du sprichst, akzeptieren sie auch, wenn ich sage: Ich bin nicht der Techniker, aber wenn es ein Problem gibt, dann schicke ich den richtigen, der das Problem löst". Einen neuen Kunden zu gewinnen und die Mitarbeiter zu überzeugen, dass sie dort einen guten Job erledigen, mache ihr besonders Spaß. Für die Motivation der MitarbeiterInnen sei es wichtig, dass diese auch in Entscheidungen miteinbezogen würden. Da habe sie viel von einem früheren Chef gelernt, der immer ein offenes Ohr für die Anliegen der MitarbeiterInnen hatte. „Für mich ist es ein Erfolg, wenn ich sehe, dass unsere Euphorie wie ein Domino-Effekt auch die MitarbeiterInnen ansteckt.", sagt Martina Beimel. „Du bist nur so gut wie Dein ganzes Team", fügt Gabriele Gailhart hinzu, die sich besonders freut, wenn sie schwierige Aufgaben geschafft und im Team abschließen können.

Positive Einstellung als Basis

Die Freude an der Arbeit verbindet die beiden Frauen. Gabriele Gailhart meint sogar: „Wenn ich einen Lotto-Sechser hätte, würde ich mir wahrscheinlich trotzdem irgendeine Tätigkeit suchen, weil ich einfach gerne arbeite." Dafür sei eine positive Lebenseinstellung eine Grundvoraussetzung. Wobei Tiefs natürlich auch vorkommen würden, gibt sie zu. „Krisen gibt's immer. Aber wenn man wirklich gute Freunde hat, mit denen man über solche Dinge reden kann, dann wird's immer einen Weg gehen, damit es weitergeht." Die Zusammenarbeit im Zweierteam erweise sich dabei als Pluspunkt, weil sie versuchen, sich gegenseitig positiv aufzubauen, wenn eine einmal schlechter drauf ist. Sie sind auch stolz darauf, dass sie in der Firma eine gute Streitkultur etabliert haben, weil „ja nicht jeden Tag die Sonne scheint". Die MitarbeiterInnen wissen, dass sie „mit allem, auch mit privaten Problemen" zu ihnen kommen können.

Derzeit leben beide Frauen als Singles, was sie zum Teil auf die Zeitintensität des Berufs zurückführen, die für eine Partnerschaft eine Schwierigkeit darstellen könne. Wobei sie sich dagegen verwehren, dass diese Lebenssituation nur mit dem Job zu tun habe. „Es gibt genug Frauen, die Single sind und nicht in unserer Position sind", stellt Gabriele Gailhart fest. Ihre Kollegin ärgert sich darüber, wenn in Zeitungen geschrieben wird, dass Frauen, die nach Karriere streben, alle Singles wären. „Oft klingt das dann so, dass Karrierefrauen keine Männer finden. Ich denke aber, das lässt sich ganz gut unter einen Hut bringen, wenn beide Partner Disziplin haben und miteinander einen goldenen Mittelweg suchen." Diszipliniertes Arbeiten während der Woche ist für beide eine Selbstverständlichkeit. Wobei Martina Beimel betont, dass es für sie „nie eine Belastung ist, weil ich es eben gern mache". In der Freizeit malt sie gerne, genießt es in der Stadt spazieren zu gehen, sich die Auslagen anzuschauen oder in ihrem Garten Unkraut zu zupfen. Gabriele Gailhart sucht Erholung am Golfplatz, auf Reisen oder in gemeinsamen Unternehmungen mit Freunden. Seit kurzem hat sie das Salsa-Tanzen für sich entdeckt, aus dem sie „viel Kraft schöpfen" könne.

Die Empfehlung der beiden Frauen für Berufseinsteigerinnen: „Ja nicht aufgeben, sich immer wieder weiterbilden, mit anderen Frauen sprechen, die viele Jahre Praxis haben, Kontakte pflegen und immer positiv an den nächsten Schritt denken."

„Erfolg ist für mich nicht finanziell, sondern einfach die Genugtuung, dass man etwas mit einem guten Gefühl wirklich gut fertig gebracht hat."

Interview und Portait: Anita Zieher