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Renate Moser

  • Ausbildung: Wirtschaft, Werbung, Sales
  • Position: Gründerin und Geschäftsführerin der Fluglinie InterSky, Bregenz
  • Branche: Luftfahrt

Ich habe alles auf eine Karte gesetzt

Weltweit gibt es nur eine einzige Fluglinie, die von einer Frau gegründet wurde und geleitet wird. „Mein Leben ist seinen konsequenten Lauf gegangen, ich war immer aufgeschlossen und neugierig, Neues kennen zu lernen, auch Dinge zu tun, die ein, zwei Nummern zu groß für mich waren, daran bin ich gewachsen", erklärt Renate Moser, die bislang einzige Frau an der Spitze einer Fluglinie. Seit 2001 leitet sie die Firma InterSky, die in Bregenz ihren Sitz hat und von der Schweiz ausgewählte Destinationen in Europa anfliegt.

Die Gründung von InterSky habe sich Schritt für Schritt ergeben, erzählt Renate Moser. Seit 1989 hatte sie am Aufbau der Fluglinie Rheintalflug als Pressesprecherin und Leiterin des Verkaufs mitgewirkt. Als das Unternehmen seinen Sitz nach Bregenz verlegte, wurde sie Marketingleiterin. „Dann kam 9/11 und das hat die Welt ziemlich verändert". Sie sei an dem Tag von Miami nach Zürich geflogen, erinnert sie sich. Das Geschäft wurde in Folge etwas weniger. Sie war damals für den Verkauf des Flugzeugs DASH 8-300 international tätig, ihr Mann war noch bei den Austrian Airlines beschäftigt. Zu dem Zeitpunkt hatten zwei großen Fluglinien Interesse daran, die Linie Rheintalflug zu kaufen. Da die Flüge von Bern nach Elba und nach Sardinien sehr gut gingen, gab es die Überlegung, selbst eine eigene Fluglinie zu gründen. „Ich habe gesagt, ich trau mir das zu und im Herbst 2001 mit der Gründung begonnen, das Kapital aufgestellt und selber sehr viel Geld hinein gesteckt. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt." Ihre Reife sei ihr dabei zugute gekommen, auch dass sie seit 20 Jahren in der Luftfahrt tätig und „eigentlich eine bekannte Persönlichkeit in der Branche" war. Von daher sei es einfacher für sie gewesen, das Unternehmen zu gründen. „Man hat gewusst, ich kenne mich aus, ich weiß in der Luftfahrt Bescheid. Vor allem, wenn man eigenes Kapital investiert hat, wissen die Leute: das ist ernst." Also hat sie Flugrouten gesucht, die gut funktionieren und somit die erfolgreiche Entwicklung der Firma in Gang gesetzt. Insbesondere die Strecke von Friedrichshafen nach Graz hat sich als Renner erwiesen. 2002 wurde das Low Fare Konzept eingeführt. Die Verantwortung für die strategische Planung und die Koordination im Unternehmen trägt sie nach wie vor.

Verantwortungsvoller Mut zum Risiko

Der Erfolg beruhe jedoch nicht auf einer One-Woman-Show, betont Renate Moser. „Ich bin glücklich, ein exzellentes Team zu haben." Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile 70 MitarbeiterInnen. Viele davon sind Teilzeitkräfte, weil sie gerne WiedereinsteigerInnen beschäftige, wie sie sagt, denn „das ist ja ein tolles Potenzial". Das Wichtigste an der Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen sind für sie Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. „Ich habe eine hohe Schmerzgrenze, außer wenn jemand unehrlich ist. Da ist mit mir nicht zu spaßen", erklärt sie bestimmt. Auf die Frage, wie sie mit schwierigen Situationen umgehe, meint sie nachdenklich: „Natürlich gibt es Momente, da setze ich mich hin und frage: Schaffe ich das? Wenn ich dann zehn Minuten nachdenke, dann ist klar: Ich muss es schaffen, ich habe Verantwortung für viele Menschen, die mir vertrauen."

 

Ihr Mut und ihre Risikobereitschaft gepaart mit einem hohen Verantwortungsgefühl haben zu einer hohen Identifikation mit dem Unternehmen geführt. „Ich bin ein Dienstleistungsunternehmen", sagt sie und bezeichnet die Firma als „Familien-Airline". „Jeder kennt jeden, mit der Zeit auch die Passagiere. Das ist ein Vorteil gegenüber Großkonzernen, die Leute wissen, an wen sie sich wenden können." Flexibilität ist gerade in diesem Feld ein großer Pluspunkt, zumal Auslastungsschwankungen zum Alltag gehören. „In jeder Branche gibt es Ups and Downs. In der Luftfahrt ist kein Tag ist wie der andere. Wenn man das nicht aushält, dann ist man in der falschen Branche."

Ausgleichende Erfolge

Für Renate Moser ist es ein gutes Arbeitsumfeld, wobei sich der Erfolg für sie nicht nur über den Beruf ableiten lässt. „Erfolg bedeutet für mich Ausgeglichenheit und dass ich weiß, ich habe vieles richtig gemacht. Alles kann man nie richtig machen." Eine gute Umgebung und die Familie sind wesentliche Faktoren für das Wohlbefinden. „Reichtum ist absolut nicht ausschlaggebend für ein gutes Leben", hat sie für sich erkannt. Dass sie ihre beiden Söhne und die Arbeit vereinbaren konnte, dafür sei sie besonders ihrer Mutter dankbar, die ihr bei der Familienbetreuung sehr geholfen habe. „Wenn man Karriere machen will, dann sollte man jemanden haben, der einem den Rücken frei hält." Dass sich ihre zwei Söhne gut entwickelt haben und nicht auf falsche Wege geraten seien, betrachtet sie als einen der größten Erfolge in ihrem Leben.

Ausgehend von ihrer eigenen Entschlossenheit und Klarheit lautet ihr Rat für junge Menschen: „Der inneren Stimme folgen und sich durch nichts und niemanden abbringen lassen. Wenn man einen Einsatzwillen hat, dann schafft man auch sehr große Aufgaben, neue Dinge anzufangen und hundert Prozent Einsatz dafür zu geben." Das beinhaltet für sie auch, auf eine Familiengründung nicht zu verzichten, wenn das der Wunsch ist. „Wenn man wirklich wieder einsteigen will, dann schafft man das auch." Denn aus ihrer Sicht bringen Frauen besondere Stärken mit: „Frauen haben Charme, sind blitzgescheit, können gut koordinieren und sie sind zäh."

„Erfolg ist für mich ein in sich ruhen können, weil man etwas erreicht hat."

Interview und Portait: Anita Zieher