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Sabine Kern

  • Ausbildung: Studium der Romanistik, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien
  • Position: Geschäftsführende Gesellschafterin von Interlingua
  • Branche: Übersetzungen und Dolmetschen

Wie ein Geschenk des Himmels

Ein erfrischendes Blau durchzieht die Büroräume von Interlingua. „Ich habe die Farbe einfach im Baumarkt ausgesucht. Später hat mir dann mal eine Farbpsychologin erklärt, dass die Farbe für Kommunikation steht", erzählt Sabine Kern. Erfrischend wie die Farbe ist auch die Art, wie sie über ihr Unternehmen, die MitarbeiterInnen und KundInnen spricht. Mit Kommunikation hat sie als Chefin der Übersetzungsfirma Interlingua klarerweise viel zu tun.

Auch wenn sie sich bei der Wahl der Wandfarbe ihres Büros von ihrer Intuition leiten ließ, bei der Entscheidung, das Unternehmen zu übernehmen, hat sie vorher doch sehr genau die Für und Wider abgewogen. Im Jahr 2002 hatten Bekannte ihrem Mann, der sich selbständig machen wollte, Interlingua zum Kauf angeboten. „Er hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits eine eigene Firma gefunden. Und da haben sich plötzlich alle Blicke in der Runde auf mich konzentriert", erzählt Sabine Kern. Durch ihr Studium der Romanistik, Publizistik und Kommunikationswissenschaften und zehn Jahre Auslandsaufenthalte war ihr das Thema Sprache sehr vertraut und die Übernahme einer Übersetzungsfirma erschien naheliegend. Der wachsende Übersetzungsmarkt und das gute Netz mit Partnerbüros in anderen Ländern, das ihr Vorgänger aufgebaut hatte, gaben ihr das Vertrauen in die Erfolgschancen der Firma. Dass sie ihre Entscheidung nicht bereut hat, ist der Begeisterung anzumerken, mit der sie über ihre Aufgaben spricht: über die Arbeit mit den Kunden, denen sie die Sicherheit vermitteln will, dass sie ihre Probleme rechtzeitig lösen wird, und über ihr Bemühen dafür zu sorgen, dass sich die sechs MitarbeiterInnen, die seit der ersten Stunde dabei sind, im Betrieb wohl fühlen.

Sabine Kern setzt in ihrem Unternehmen auf den Einsatz neuer Technologien, wie lernende Übersetzungsprogramme. Die beschleunigten Produktzyklen fordern immer mehr ein rasches, effizientes und kostengünstiges Übersetzen, etwa von Gebrauchsanweisungen. Gemeinsam mit den KundInnen probiere sie neue Lösungen aus, gehe dabei auch Risiken ein und agiere dennoch vorsichtig.

Selbständigkeit statt „Warten auf Godot"

Selbständigkeit als Arbeitsform habe sie bereits im Elternhaus in Kärnten kennen gelernt. Der Vater war Industrieller, die Mutter zunächst Hausfrau, später hat sie sich – „zum Leidwesen des Vaters" – selbständig gemacht und auch politisch engagiert. Die Finanzierung der Unternehmensübernahme habe sie jedoch eigenständig auf die Beine gestellt, stellt sie klar. Darauf zu warten, dass ihr etwas geschenkt oder angeboten wird, ist nicht ihre Sache. Da hat sie so ihre Erfahrungen bei einem früheren Arbeitgeber gemacht, wo sie große Projekte leitete und mehr Verantwortung übernehmen wollte. „Als Frau hattest Du da keine Chance auf den Posten einer Abteilungsleiterin. Das ist ein ‚Warten auf Godot’." Als sich die Chance dazu ergab, hat sie also selbst die Initiative ergriffen. „Das kam dann wie ein Geschenk des Himmels."

Der Schritt in die Selbständigkeit sei ihr leicht gefallen, erzählt sie. Die zwei Söhne waren schon fast erwachsen und ihr Mann war gerade mit seinem eigenen Unternehmen ziemlich beschäftigt. „Wir haben manchmal um zehn Uhr am Abend miteinander telefoniert. ‚Bist Du auch noch im Büro?’ ‚Ja.’ ‚Erwartest Du Dir eh kein Abendessen von mir?’ ‚ erzählt sie, lacht dabei und ergänzt: „Wir sind weiter gut verheiratet." Als beste Schule, um Ihr Unternehmen zu leiten, habe sie die Jahre zuvor empfunden, in denen sie Familie, Freundeskreis und Beruf unter einen Hut zu bringen hatte. In der Anfangszeit sei es schon auch schwierig gewesen, gibt sie zu. „Wenn Du um zehn am Abend heim kommst und am nächsten Tag wieder um acht da bist, das schlaucht schon." Aber dann habe sie sich selbst auf die Schulter geklopft und gut zugesprochen. Und wenn dann ein toller Auftrag rein kam, dann sei es ihr wieder gut gegangen. Ihr Ehemann und Ihre MitarbeiterInnen waren dabei sehr wichtige Stützen für sie.

Anregungen in guter Gesellschaft

Damit das Privatleben nicht zu kurz kommt, hat Sabine Kern 2004 einen „organisierten Freundeskreis" ins Leben gerufen, indem sie kurzerhand einen Rotary Club gegründet hat. „Die meisten Rotary Clubs sind Männerclubs und das ist auch ein ‚Warten auf Godot’, bis man da einmal gefragt wird, dass man dabei sein kann." Mittlerweile ist ein junger, lebendiger Club entstanden, der sich wöchentlich einmal trifft und bei dem sie Leute aus anderen Berufen sieht und sich neue Anregungen holen kann. Zu den regelmäßigen Treffen kommen sportliche Aktivitäten als Ausgleich hinzu: „Weil man nur dann gut ist, wenn man auch auf andere Gedanken kommt. Jeder von uns muss einmal durchhalten und einmal eine Zeitlang alles hinten anstellen. Aber man muss auf seine Gesundheit achten."

Was sie jungen Frauen für das Arbeitsleben empfehlen würde? „Bleib immer am Ball! Steh’s durch! Und lass Dich nicht zu lange vom Job fern halten!"

„Erfolg das bedeutet für mich, dass alle zufrieden sind. Am meisten Spaß macht es mir, wenn was los ist. Wenn KundInnen sagen, das war super, und gerne wieder kommen. Wenn MitarbeiterInnen sagen, das war Klasse, und ich merke, sie haben  Freude mit dem Erfolg."

Interview und Portait: Anita Zieher