Laura Bassi Centre BRIC schließt Arbeit erfolgreich ab mehr...

Förderwettbewerb FemPower IKT 2018 mehr...

CrossEUWBA - Women entrepreneurs and women business angels mehr...

Network for European Research and Innovation acceleration in the US mehr...

Elisabeth Mandl

  • Ausbildung: Studium Elektrotechnik an der Technischen Universität Graz
  • Seit 1996 selbstständige Ingenieurskonsulentin
  • Branche: Medizintechnik


„Ich möchte jungen Kolleginnen Mut zur Selbstständigkeit machen.“

Ein Fuß im OP, einer auf der Baustelle

Die Ingenieurin Elisabeth Mandl richtet Intensivstationen ein, liebt Baustellen, vermittelt in Streitverfahren und fühlt sich rundherum wohl.

 

Medizin, Technik, Bauplanung: Elisabeth Mandl vereint alles in einer Person. Sie kombiniert ihre soziale Ader, („ich wollte Menschen immer schon gerne helfen, deswegen fühlte ich mich zum medizinischen Bereich hingezogen“) mit ihrem technischen Talent und ihrem ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen. Seit elf Jahren plant sie als selbstständige Ingenieurskonsulentin den Bau von Krankenhausabteilungen, richtet Operationssäle und Intensivstationen ein, schätzt Kosten, erstellt Machbarkeitsstudien und fungiert nebenbei als Gerichtsgutachterin im Bereich Medizintechnik. Der Weg bis zur Selbstständigkeit war lang, aber ihre Technikbegeisterung zeichnete sich bereits in der Kindheit ab, geprägt von ihrem Vater: „Er hat viel selber gemacht, z. B. Uhren repariert. Die Unruhen, die Zahnräder … . Es hat mich fasziniert, dass er jedes Problemchen lösen konnte.“ Später besuchte sie die HTL in Kapfenberg, als eines von zwei Mädchen ihres Jahrgangs. Nach ihrem Abschluss schnupperte sie in den bereits damals von ihr favorisierten Feldern Technik und Medizin: Sie arbeitete an der Technischen Universität Graz als Hilfskraft und in einem Krankenhaus als Pflegerhelferin. „Ich hab die Böden gewischt und die Patienten gefüttert. Aber die medizinische Seite allein hat mir nicht gereicht, mich hat´s zur Technik hingezogen. Ich wollte den Menschen mittels Technik helfen.“

Die Geburtsstunde des papierlosen EEG

Schließlich entschied sie sich fürs Studium der Elektrotechnik in Graz, eine harte Zeit: Da sie von der HTL kam, waren die ersten Semester noch locker, doch irgendwann steckte sie fest: „Die Prüfung zur Wechselstromtechnik hab ich einige Male wiederholt, das war eine echte Hürde.“ Eine der wenigen Studentinnen zu sein war ebenfalls eine Herausforderung: „Im Zeichensaal war ich das einzige Mädchen, aber ich hab das gemeinsame Lernen genossen. Als ich im Laufe der Zeit nicht mehr so regelmäßig kam, wollte mich ein Studienkollege mit Hinweis auf die Zeichensaalstatuten aus dem Zeichensaal entfernen lassen. Es ist halt so, dass man als Mädel überall auffällt.“ Parallel zum Studium arbeitete sie als Studienassistentin am Institut für Elektro- und Biomedizinische Technik. Dort erlebte sie die Geburtsstunde des papierlosen EEG – des Elektroenzephalogramms. Die Befassung mit diesen ersten computergespeicherten Aufnahmen der elektrischen Gehirnaktivität sei „wahnsinnig aufregend“ gewesen, hier bestätigte sich für Elisabeth Mandl wieder, dass die Kombination von Technik und Medizin haargenau richtig für sie ist. Nach Ende des Studiums waren in der Steiermark alle Posten mit jungen Kollegen besetzt, und so folgte die Ingenieurin dem Ruf nach Wien, wo sie auf Anhieb einen Führungsjob bekam: Sie wurde zur Leiterin eines technischen Servicezentrums in einem Wiener Krankenhaus: „Wir waren drei Biomediziner aus Graz, die gleichzeitig in die Wiener Krankenhäuser ausgeschwirrt sind. Wir haben die medizinischen Geräte gewartet, Reparaturen durchgeführt, die Mediziner bei Neuanschaffungen beraten und die sicherheitstechnischen Überprüfungen gemacht.“

Kinder machen selbstständig

Nach weiteren Leitungsjobs bei medizintechnischen Firmen, die bis zur örtlichen Bauaufsicht bei neuen Krankenhausbauten reichten, bekam Elisabeth Mandl ihr zweites Kind, und hatte somit zwei wichtige Gründe, sich selbstständig zu machen: „Ein zweites Kind war mit einem leitenden Angestelltenposten sehr schwer zu vereinbaren, denn ich wollte ja für meine Kinder da sein.“ Seit elf Jahren ist sie nun schon Freiberuflerin und hat diesen Schritt nie bereut: „Die Aufträge flattern Gott sei Dank von selber herein.“ Heute umfasst ihr Arbeitsbereich alles, was mit Planung und Beratung im Gesundheitswesen und Krankenhausbau zu tun hat. Sie erstellt Raumprogramme für Neu-, Zu- und Umbauten, ist für die medizintechnische Fachplanung verantwortlich und stapft souverän auf Baustellen herum: „Ich habe jetzt das Alter, wo Frau-Sein auf der Baustelle einfach fein ist. Der Vorsprung an Jahren gegenüber jungen KollegInnen ist ein großer Vorteil.“ Sie liebt ihre Arbeit und hat „wunderschöne Projekte“: „Mich fasziniert die Vielfältigkeit, kein Projekt ist gleich. Aktuell erstelle ich Raumprogramme für Geriatriezentren, die die Grundlage für den Architektenwettbewerb darstellen.“ Daneben verfasst sie Leistungsverzeichnisse für die erforderlichen medizintechnischen Geräte und leitet die örtliche Bauaufsicht. Ihr Mann, der als EDV-Spezialist arbeitet, unterstützt sie nach Bedarf.

Mediation und garteln

Elisabeth Mandls Auftraggeber sind über ganz Österreich verteilt. Heute fühlt sie sich „so richtig wohl“ in ihrem Job, arbeitet sehr viel und sehr gerne und ist dabei ein Ein-Frau Betrieb geblieben - manche Aufgaben werden nach Bedarf ausgelagert: „Mir war nie wichtig, eine Riesenfirma zu haben. Ich will das, was ich für gut halte, umsetzen. Mir ist die Identifikation mit meiner Arbeit sehr wichtig, es soll ein positives und sinnvolles Projekt sein. Für Prestigeobjekte bin ich nicht zu haben. Funktionalität und Qualität stehen für mich an erster Stelle.“ Vor zwei Jahren hat sie auch die Ausbildung zur Mediatorin für den Planungs- und Baubereich gemacht. Die dabei erlernten Konfliktlösungstechniken wendet sie nun im beruflichen Alltag an: „Bei Besprechungen mit Bauherren kann ich Unstimmigkeiten nun entspannen, indem ich die Beteiligten selber Lösungen finden lasse, anstatt mit Vorschlägen vorzupreschen.“ Rundum zufrieden mit ihrem Leben ist Elisabeth Mandl. Sie konnte die Begeisterung für ihr Fach auch an die nächste Generation weitergeben, denn ihre Kinder führen die mütterlichen Interessen weiter: Ihre Tochter studiert Medizin und berät sie in Fachfragen, ihr Sohn absolviert derzeit eine HTL. Entspannung außerhalb des Jobs findet sie „bei meiner Familie, mit meinem großen Freundeskreis, bei vielen Opern und Konzerten und in unserem Garten im 23. Bezirk in Wien“.

„Ich identifiziere mich mit meinen Projekten und kann nur jene KundInnenwünsche umsetzen, die ich auch bejahe.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta, Bente Knoll und Elke Szalai