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Rafaela Rothwangl

  • Ausbildung: Studium Holz- und Forstwirtschaft, Universität für Bodenkultur Wien
  • Geschäftsführerin „Forstbüro Gäbler“ (seit 2001), Forstwirtschaftskonsulentin, Gutachterin
  • Branche: Forst- und Holzwirtschaft


"Jeder Baum erzählt eine eigene Geschichte, man muss nur hinhören."

Die Bäume spüren und erforschen

Die Forstwirtschaftskonsulentin Rafaela Rothwangl untersucht Wälder mit Forsteinrichtungsgeräten, Computerprogrammen und wissenschaftlichen Analysen, bei Bedarf auch mit Geomantie und Wünschelrute.

 

Wälder können unter Schock stehen. Das merkt man daran, dass die Verjüngung bei Aufforstungen nicht recht klappen will, oder das Wachstum einfach nicht gedeiht. Und das obwohl normale Boden- und Wasserverhältnisse gegeben sind. Nachforschungen können dann beispielsweise ergeben, dass zur Kriegszeit eine Frontlinie mitten durch diesen Wald geführt hat. „Das hab ich erfahren, indem ich mit den Menschen der Ortschaft geplaudert habe, die haben mir dann schlimme Kriegsgeschichten erzählt“, so die aus Graz stammende Forstingenieurin Rafaela Rothwangl. Doch Wälder können von solchen Schocks auch geheilt werden. Mittels Waldbau und Geomantie können Blockaden gelöst werden, mittels Rute als diagnostischem Instrument können Erd- und Wasserstrahlen sowie Verwerfungen ausgetestet werden. Derlei „wissenschaftlich noch nicht bewiesene“ Methoden wendet die Expertin immer dann an, wenn ökologisches Fachwissen allein nicht ausreicht, um ein unausgeglichenes Waldbild zu erklären. Ziel ist, dass der Wald wieder seine ursprünglichen Vitalität erreicht, auch wenn die Methoden mitunter ungewöhnlich sind: „Nichts davon ist wissenschaftlich abgesichert. Aber wenn das Ergebnis vielversprechend ist, dann zählt das für mich. Ich entwickle gerade meine eigene Methode zur ganzheitlichen Waldbewirtschaftung“, setzt Rothwangl fort. Sie betont, dass sie in erster Linie Forstwirtin ist, die andere Sichtweisen bei Bedarf einbringt.

Bäume und Wälder erzählen Geschichten

Menschen, die sehr lange mit einem Wald zu tun gehabt haben, praktizieren gewisse Regeln unbewusst, wie Rothwangl beobachtet hat. „Ein alter Förster beispielsweise würde zwar nicht sagen, dass er geomantisch arbeitet, aber er hat sich auf seine Bäume eingeschwungen.“ Er bewirtschaftet beispielsweise nicht in kerzengeraden Linien, weil er spürt, das Mäandernde tut dem Wald gut. Einen schönen Felsstein lässt er dann einfach liegen, ohne zu wissen, warum. „Heute gibt es auf der Wiener Universität für Bodenkultur sogar einen Professor, der der Geomantie zugeneigt ist“ sagt die Waldexpertin, die diesen Zugang erst nach dem eigenen Boku-Studium fand. Dort hat sie die handfesten Grundlagen des Forstbewirtschaftungs-Gewerbes gelernt, die sie heute je nach Bedarf sehr wissenschaftlich und rational einsetzt, denn nicht alle WaldbesitzerInnen begeistern sich für Baumenergien. Wenn sie etwa Forstbewirtschaftungspläne für die nächsten zehn Jahre erstellt, richtet sie sich eben nach den Vorstellungen ihrer AuftraggeberInnen. Hier stehen ihr die verschiedensten Umsetzungstools zur Verfügung, denn das Wissen der einzigen Forstwirtschaftsingenieurkonsulentin Österreichs umfasst die gesamte Bandbreite der Forstwissenschaft, Forstwirtschaft und des Waldbaues. Nach dem Studium stieg Rothwangl bei einer Ziviltechnikerkanzlei ein, die sie 2001 übernahm und somit den Sprung in die Selbstständigkeit wagte: heute ist die zielstrebige Chefin der „Forstbüro Gäbler GesmbH“ in Rettenegg. „Mir gefällt die Freiheit des Unternehmertums“, zeigt sie sich nach sechs Jahren Selbstständigkeit äußerst zufrieden.

Karthographin, Buchhalterin, Holzhändlerin

Ihre Firma ruht auf mehreren Standbeinen: Da wäre erstens die Forstverwaltung. Hier geht es um die Pflege des Waldes, Holzverkauf, aber auch Personalverrechnung. Das zweite Standbein ist Rothwangls gutachterliche Tätigkeit als gerichtlich beeidete Sachverständige: Sie erstellt Waldbewertungen bis zu mehreren tausend Hektar ebenso wie Expertisen für Versicherungen oder bei Rechtsstreitigkeiten. Das dritte Standbein ist die Erstellung von Waldwirtschaftsplänen um die Holzerträge langfristig zu sichern: Die Baumexpertin erstellt Aufforstungspläne zur Baumverjüngung, baut neue Wege durch den Wald und erhebt die vorhandenen Baumarten. Sie erstellt detailliert Vegetationsaufnahmen im Freiland und überträgt diese Wald-Daten dann am Computer in digitale Karten. So breit gefächert wie ihre Tätigkeiten ist auch ihr Know-how: Pflanzenkunde beherrscht sie ebenso wie Kartographie, eine große Portion betriebswirtschaftliches Fachwissen für die Erstellung der Waldwirtschaftspläne und die Organisation der Holzernte gehören ebenfalls dazu.

Verborgenes ans Licht bringen

„Eine sehr enge Beziehung“ habe sie zum Wald. Es sei jedes Mal aufregend, dem Thema des jeweiligen Forstgebietes nachzuspüren: „Märchen, Sagen, Ortsnamen, die helfen viel weiter.“ Wenn ein Ort zum Beispiel Höll heißt, dann sei wohl die Beschäftigung mit den Schattenseiten ein wichtiges Thema in dieser Region. „Ich wandere wirklich gern zwischen den Bäumen.“ Dabei interessiert sie auch das lokale Volkswissen: „Wenn man lang genug sucht, entdeckt man für fast jeden Ortsteil oder Wald Sagen und Geschichten, die sehr aufschlussreich sein können.“ Rafaela Rothwangl liebt es, dieses alte Wissen auszugraben, Beruf und Berufung treffen sich hier punktgenau. So kommt es, dass die Ingenieurin nicht einmal im Urlaub von ihrer hölzernen Leidenschaft lassen kann: Ihre Ferien hat sie in den kanadischen Nadelwäldern und in Sibirien verbracht. „Ich suche menschenleere Gegenden, dort kann ich gut zu mir kommen.“

„Es hat noch nie jemand eine blöde Bemerkung gemacht, weil ich eine der raren Frauen im Forstgewerbe bin. Denn ich bin ja selbständig und die Leute suchen sich frei aus, ob sie zu mir kommen.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta, Bente Knoll und Elke Szalai