
CVAST - Center for Visual Analytics Science and Technology
Die freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin Teresa Arrieta im Gespräch mit der Zentrumsleiterin Prof.in Silvia Miksch
"Interdisziplinarität ist die große Stärke des Laura-Bassi-Programms"
Wie beurteilen Sie die "neue Forschungskultur", die das Laura-Bassi-Programm initiieren möchte?
Das Programm legt Wert auf Inter- sowie Transdisziplinarität und eröffnet dadurch innovative Forschungshorizonte. In meinem Laura-Bassi-Zentrum verbinde ich zum ersten Mal zwei moderne Forschungsgebiete der Informatik (Visualisierung und Analyse) mit Kognitionswissenschaften. Denn es existieren zwar viele Visualisierungsmethoden und auch zahlreiche analytische Ansätze, aber beides wird zu wenig verwoben. Diese Offenheit für Disziplinen übergreifende Wissenschaften ist die große Stärke des Laura-Bassi-Programms. Dafür erhält man in der üblichen Förderlandschaft nur schwer Finanzmittel, obwohl diese Art zu forschen ganz im Trend der Zeit liegt. Aber die Wissenschaftskulturen der jeweiligen Fächer sind völlig unterschiedlich, und die Peer Reviewer entstammen entweder der einen oder der anderen Disziplin. Darin liegt ein großes Problem, das im Laura-Bassi-Programm mit viel Weitblick gelöst wurde.
Das Laura-Bassi-Zentrum bietet eine längere Laufzeit als andere Förderprogramme. Wie passt das in die kurzlebige Informatik-Welt?
Ich sehe darin einen enormen Vorteil: Im Rahmen der Förderperiode von bis zu sieben Jahren wird es möglich, den gesamten Entwicklungsprozess bis zur fertigen Software zu durchlaufen. Normalerweise kommt es in den Informatikwissenschaften nur zur Entwicklung eines Prototyps. Durch die Kooperation mit Firmen wird das Ergebnis unserer Forschung jedoch in ein fertig erprobtes Produkt münden, und das Produktions-Know-How verbleibt trotzdem in unserem Department. Die üblichen Förderlaufzeiten betragen bloß zwei bis drei Jahre. Damit kann man als Forscherin eine Idee kaum jemals zu Ende führen. Mit meinem Laura-Bassi-Zentrum brauche ich mir in den nächsten Jahren keine Gedanken mehr über die Einwerbung von Geldern zu machen oder darüber, wie ich meine hoch qualifizierten MitarbeiterInnen weiter an das Projekt binde, sondern wir können uns mit unserem Team ganz der Forschung widmen.
Zum Kriterienkatalog des Laura-Bassi-Programms zählt auch die Karriereentwicklung der MitarbeiterInnen. Wie schauen Ihre diesbezüglichen Pläne aus?
Ich war und bin an der TU Wien seit Längerem Mentorin und konnte mir ein Bild davon machen, was die MitarbeiterInnen brauchen. Auch im Laura-Bassi-Zentrum werde ich Mentoring organisieren. Dazu kommen regelmäßige Jours Fixes mit Karriereplanung und MitarbeiterInnengesprächen. Ich möchte jedoch nicht nur Frauen fördern, sondern auch Männer ermutigen, Teilzeit zu arbeiten. Gerade in der Wissenschaft kann man flexibel sein: im Laura Bassi Zentrum sollen nach Möglichkeit alle im Team die Arbeitszeit selber einteilen können. Ich finde es positiv, dass im Laura-Bassi-Programm so explizit auf die Karriereentwicklung eingegangen wird. Ich plane auch, Maßnahmen zu entwickeln, damit die MitarbeiterInnen ihre Dissertation zeitgerecht und gezielt abschließen können. Es wird eine klare Strukturierung der Aufgaben geben, ich bin noch nie in meinem gesamten Berufsleben dazu angehalten worden, einen derart exakten Plan zu entwerfen.
Ein weiteres Anliegen des Laura-Bassi-Programms ist verbesserte Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie. Inwieweit ist das bisher gelungen?
Hier bleibt für ForscherInnen noch viel zu tun, das habe ich festgestellt, als vor einigen Monaten ein Industriepartner abgesprungen ist. Bei der Suche nach Ersatz habe ich in den Vorstandsebenen nicht immer Offenheit vorgefunden. Frauen müssen potenzielle Wirtschaftspartner von ihren Kompetenzen in Technik und Naturwissenschaft erst überzeugen. Im Rahmen meiner Suche habe ich jedoch viele Kontakte zu neuen Firmen geknüpft, das war ein positiver Nebeneffekt. Ich kann meine Ideen nun noch besser kommunizieren.
Interview: Teresa Arrieta
