CVAST - Center for Visual Analytics Science and Technology

Daten in Bilder fassen

Die Informatik-Wissenschafterin Univ.-Prof.in Dr.in Silvia Miksch entwickelt Software, die große Datenmengen visuell aufbereitet, und möchte so Menschen bei Erkenntnisgewinn und Entscheidungsfindung helfen


Denkmodelle konstruieren, verborgene Zusammenhänge beleuchten, darin liegt Silvia Mikschs Expertise. Sie entwirft Software, die komplizierte Sachlagen anhand von Bildern und interaktiven Graphiken vereinfacht darstellt – Visual Analytics, so nennt sich dieses zukunftsträchtige Fachgebiet. „Ich unterstütze Menschen, die sich großen Datenmengen gegenübersehen, diese zu analysieren und hernach Entscheidungen zu fällen“, erläutert Miksch. Die gebürtige Wienerin entdeckte ihr Talent fürs Computerfach im Zuge eines Ferialjobs und inskribierte als eine der wenigen Frauen Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Wien. Das Studium zog Silvia Miksch zügig durch, noch knapp vor dem Abschluss erprobte sie alternative berufliche Wege: „Ich erlag für kurze Zeit dem Negativ-Klischee meines eigenen Faches, indem ich mir dachte: Ich will mein Leben nicht als einsamer, Pizza essender Elektronik-Freak verbringen.“ Silvia Miksch verließ die Universität und begann eine Töpferlehre.

Selbst zum Role Model werden

Dass sie sich schließlich doch für eine wissenschaftliche Laufbahn entschied, stellte sich als richtige Entscheidung heraus: "In der Zwischenzeit weiß ich, dass diese Vorurteile nichts mit der beruflichen Realität zu tun haben. Informatik ist eine teamorientierte, kommunikative Wissenschaft." Ihre Diplomarbeit widmete Silvia Miksch dem Thema "Gender in der Informatik". Sie zeigte, dass Buben und Mädchen für Informatikwissenschaften zwar ähnlich talentiert sind, Buben jedoch weitaus intensiver gefördert werden, im Elternhaus ebenso wie in der Schule. "Man widmet ihnen mehr Aufmerksamkeit und stellt ihnen schwierigere Aufgaben. Den Mädchen fehlen außerdem die Vorbilder erfolgreicher Informatikerinnen." Nach einiger Zeit in der LehrerInnen-Fortbildung beschloss Silvia Miksch, selbst zu einem jener raren Role Models zu werden, das die Schülerinnen und Studentinnen so dringend benötigen, und schlug eine wissenschaftliche Karriere ein.

Sandwich Feedback praktizieren

Ihre ersten Projekte galten der künstlichen Intelligenzforschung – jener Wissenschaft, die Computersysteme mit "natürlicher Intelligenz" bereichert. Silvia Miksch arbeitete zunächst am Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI) sowie am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme (ISIS) der Technischen Universität Wien und erlernte wissenschaftliches Arbeiten von der Pike auf. Von ihren Vorgesetzten erhielt sie "hartes und klares Feedback". Heute wendet sie diese Art der ehrlichen und direkten Kommunikation selbst an, indem sie mit ihren MitarbeiterInnen "Sandwich Feedback" praktiziert: zuerst das Lob, dann die konstruktive Kritik, dann noch mal Lob. An der amerikanischen Stanford University, im deutschen Magdeburg und in Linz absolvierte Miksch weitere Forschungsaufenthalte und habilitierte sich an der TU Wien. 2006 nahm sie schließlich die Professur als Leiterin des Departments für Information und Knowledge Engineering an der Donau Universität Krems an, seit 2010 ist Silvia Miksch wieder an der Technischen Universität Wien.

Oben wird die Luft dünner

Dort lehrt sie nicht nur Visual Analytics, sondern ist auch Spezialistin für Planmanagement, jener Wissenschaft, die vorgegebene Abläufe mit Computermethoden vereinfacht. Hier entwickelt Silvia Miksch visuelle und analytische Systeme für PatientInnendaten, die ÄrztInnen bei Diagnose und Therapie unterstützen. Außerdem entwarf sie ein wissenbasiertes Programm zur Beatmung von Frühchen in Spitälern. "Als Frau in der männerdominierten IT-Branche muss man an sich glauben", betont Silvia Miksch. Sich nicht vom eigenen Weg abbringen lassen, kontinuierlich an einem Thema arbeiten und publizieren, diese Strategie hat funktioniert. Seit sie die Professur innehat, wird die Luft allerdings "merklich dünner", wie Silvia Miksch festgestellt hat. "Netzwerke zu pflegen gehört nun mehr denn je zum beruflichen Alltag."

Kinderbetreuung mit Ampelsystem

Als Mutter zweier Kinder im Alter von sechs und eineinhalb Jahren verbringt Silvia Miksch ihre karge Freizeit lieber mit der Familie als in Konferenzen zur Förderung des beruflichen Netzwerkes, obwohl Letzteres für die Karriere wichtig ist. Dieses Dilemma hat sie pragmatisch gelöst, indem sie den direkten Weg wählt und Informationen durch persönliches Nachfragen einholt. Die Kinderbetreuung hat Silvia Miksch mit ihrem Mann im Schichtbetrieb organisiert: Der Tag wird in vier Abschnitte geteilt, die von beiden Elternteilen, der Oma und einer Leihoma abwechselnd übernommen werden. Dringende Termine und berufliche Unabkömmlichkeiten werden durch ein Ampelsystem markiert: Grüne Termine sind verschiebbar, bei roten herrscht Emergency, dann muss der Partner alles liegen und stehen lassen und für die Kinderbetreuung parat stehen – ein 100 % egalitäres System.

Portrait: Teresa Arrieta