
PlantBioP - Plantproduced BioPharmaceuticals
Mit Pharmapflanzen zur Weltspitze
Die Biotech-Expertin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Mag.a Herta Steinkellner verändert Tabakpflanzen so, dass sie Medikamente produzieren, und begründet ihren Erfolg auch damit, dass sie nicht immer den Erwartungen entsprach
Im Labor ist Herta Steinkellner ganz in ihrem Element. Ihr Reich ist mit Pipetten, Zentrifugen und Sequenziergeräten ausgestattet. Hier werden Gene geklont, und man erfährt, dass ein einziger Tropfen für die Biotech-Forschung so viel ist wie für andere ein ganzer See. Schließlich darf ein Blick auf das Allerheiligste geworfen werden: das Pflanzen-Labor, wo hinter einer dicken Tür wie in einem Tresor unter künstlichem Licht die Tabakpflanzen gedeihen. "Die Blätter dieser gentechnisch veränderten Pflanzen werden mit Konstrukten infiltriert, die menschliche Gene enthalten", erklärt Herta Steinkellner das komplizierte Verfahren. Für Laien unscheinbares Grünzeug in kleinen Blumentöpfen, ExpertInnen wissen jedoch: Es ist die Frucht jahrelanger wissenschaftlicher Bemühungen. Nach zehn Tagen werden die Blätter geerntet und die so erzeugten kostbaren Proteine, die der Medikamentenherstellung dienen sollen, herausgereinigt.
Forscherinnenkarriere aus eigener Kraft
Herta Steinkellner hat ihr wissenschaftliches Leben den Pharmapflanzen gewidmet. Aufgewachsen ist sie in einem Dorf im Lavanttal in Kärnten, ihren akademischen Weg beschritt sie ohne familiäre Vorbilder. In Wien absolvierte Steinkellner ein Biologiestudium, das sie sich mit Stipendien und universitären Jobs von Anfang an selbst finanzierte. Zielstrebig und pragmatisch bahnte sich Herta Steinkellner ihren beruflichen Weg, nutzte vorhandene Gelegenheiten und arbeitete sich mit Ausdauer und wissenschaftlicher Begabung hoch. Die Studienjahre in den 80ern fielen in die Zeit des universitären Massenbetriebs, das bekam Herta Steinkellner zu spüren: Betreuung gab es kaum für die StudentInnen: "Hauptsache, durchgeschleust!" lautete die Devise.
Im Labor ihre Berufung entdeckt
Begeisterung wurde in ihr geweckt, als sie gegen Ende des Studiums einen Assistenzposten in einem Humangenetik-Labor am AKH zur Auswertung von Blutproben annahm. Aufgrund der geringen Bezahlung gab es nur wenige InteressentInnen, aber Herta Steinkellner ließ sich davon nicht abhalten und wurde für dieses Engagement auf andere Art entlohnt: Sie entdeckte hier ihre wahre Berufung. "Endlich verstand ich, wozu ich studiere und wie ich das Gelernte anwenden kann." In diesem Labor verfolgte sie Arbeitsprozesse erstmals von Anfang bis Ende, aus trockener Theorie wurde lebendige Praxis. Herta Steinkellner gab die ursprüngliche Idee, Biologielehrerin zu werden, auf und startete eine Laufbahn am Biotechnologie-Department der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Außergewöhnlicher Arbeitseinsatz und wissenschaftliches Talent öffneten viele Türen. Herta Steinkellner dissertierte und forschte mehrmals im Ausland, unter anderem am renommierten SCRIPPS Research Institute in den USA. Nach ihrer Rückkehr erhielt sie die erste fixe Stelle als Universitätsassistentin am Genetikinstitut der BOKU, heute leitet Herta Steinkellner die Forschungsgruppe für Molekulare Pflanzenbiotechnologie und hat sich als Molekularbiologin internationalen Ruf erworben.
Steile Karriere trotz Teilzeit
Ihre Erfolgsstrategie? Unbeirrbarkeit, Ausdauer, Kompetenz. Nicht einmal die bevorstehende Geburt der Tochter konnte ihren Arbeitsenthusiasmus bremsen. Noch am Vortag der Entbindung arbeitete sie am Institut, bald stapelte sich zu Hause die Post. Herta Steinkellner zog es rasch wieder an die Universität. "In meiner Branche ist es wichtig, stets am aktuellen Stand der Wissenschaft zu bleiben". Immerhin arbeitete sie als junge Mutter fünf Jahre lang in Teilzeit. Sie übertrug die Gruppenleitung einem kompetenten Kollegen, dadurch war die wissenschaftliche Kontinuität gewährleistet. So konnte sie den gefürchteten kinderbedingten Karriereknick vermeiden und nutzte die Zeit sogar für beruflichen Auftrieb. Damals übernahm Herta Steinkellner prestigeträchtige EU-Projekte, ihr vorläufiger Karrierehöhepunkt ist die nunmehrige Leitung des neuen Laura-Bassi-Zentrums "PlantBioP".
Nicht immer nett und brav sein
Was Herta Steinkellner bei der wissenschaftlichen Karriere neben der wissenschaftlichen Exzellenz am meisten geholfen hat? "Ich war nicht immer nett und brav, ich habe insofern nicht den Erwartungen meines Umfelds entsprochen", sagt die Spitzenforscherin. So hat sie beispielsweise administrative Aufgaben, die im Übermaß an sie herangetragen wurden, entschlossen abgelehnt. Dass das mitunter Unmut erregte, nahm Steinkellner in Kauf: "Die hilfsbereiten Frauen bekommen Blumensträuße, aber dem beruflichen Weiterkommen dient es nicht." Sich im Übermaß für Infrastrukturerhaltung einspannen zu lassen stelle eine große Karrierefalle für WiedereinsteigerInnen dar. "Frauen müssen sich in dieser Hinsicht besonders abgrenzen." Auch soziale Kompetenz sei ausschlaggebend: "Ich achte sehr auf wertschätzenden Umgang mit meinen MitarbeiterInnen. Da bekommt man viel zurück, das ist ein wesentlicher Bestandteil meines Erfolgs."
Motivierendes Arbeitsklima
Die im Laura-Bassi-Zentrum eingeforderten Management-Qualitäten sind Steinkellner selbstverständlich, auch Frauenförderung habe sie stets betrieben. In ihrer Forschungsgruppe ermutigt sie Kolleginnen, in männliche Kompetenzdomänen vorzudringen. Folgerichtig hat die Biotech-Expertin einer Frau die Verantwortung für die EDV-Agenden in ihrer Abteilung übertragen. Im Laufe der Jahre hat Herta Steinkellner an ihrem Institut eine rundum anspornende Arbeitsatmosphäre geschaffen: "Bei mir haben sich sämtliche MitarbeiterInnen weiterqualifiziert, LabortechnikerInnen wurden zu AkademikerInnen, wissenschaftliche MitarbeiterInnen wurden zu ProfessorInnen." Herta Steinkellners Fazit: Frauen in der Forschung wird aufgrund von männlich geprägten Hierarchien anfangs weniger zugetraut – umso wichtiger ist es, stets auf eigene Leistungen hinzuweisen.
Portrait: Teresa Arrieta
