09.10.2018 in Wien: Networking- & Karriereworkshop für Forscher & Forscherinnen mehr...

Jetzt einreichen bis 7.9.2018: FEMtech Praktika für Studentinnen mehr...

Co-Creation Day am 19.9. im Rathaus - Challenges mehr...

Anmeldestart 2. Halbjahr 2018! mehr...

Maria Fellner

  • Ausbildung: Naturwissenschaftliches Realgymnasium, Wien X
  • Studium Elektrotechnik-Toningenieur, TU Graz und Kunstuniversität Graz
  • Position: Leiterin des Forschungsschwerpunkts "Intelligente Akustische Lösungen“ an der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Graz
  • Wissenschaftsdisziplin: Akustik


„Frauen in Technik und Management? Nach wie vor eine Minderheit. Doch wer auf Frauen verzichtet, verzichtet auf die Hälfte der Welt.“

Sich in der Männerwelt bewähren

Maria Fellner ist eine der wenigen Frauen, die ein Elektrotechnikstudium absolviert haben. Auf der TU wurde sie manchmal mit „Herr Fellner“ angeredet. Mit der Einsamkeit, sich in einer reinen Männerwelt bewähren müssen, hat sie gut umzugehen gelernt und leitet nun mit einem Kollegen eine eigene Forschungsgruppe „Intelligente Akustische Lösungen“ an der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft in Graz.

 

Zum Interview erscheint Maria Fellner urlaubsbedingt im leichten Sommerkleid, dazu wirkt ihre kumpelhafte Art fast wie ein Widerspruch. Denn ihrer Schnörkellosigkeit würde man eher Jeans und weite Pullover zuordnen, die sie im ersten Studienabschnitt auch trug, ein „Schutzmechanismus, um weniger aufzufallen“, erinnert sie sich an den von Unsicherheit und Neugier geprägten Studienbeginn. Maria Fellner gehört zu den rund zwei Prozent Frauen, die laut Statistik ein Elektrotechnikstudium absolvieren. In ihrem Jahrgang fanden sich unter den 400 StudienanfängerInnen an die zehn Frauen. „Nur Bahnhof“ habe sie während der ersten Mathematik-Vorlesungen verstanden, man bekam den Stoff einfach hingeknallt. Bald stellte sie jedoch fest, dass es den männlichen Kollegen ebenso ging. Hart waren die Anfänge auch in sozialer Hinsicht: Neben der Auseinandersetzung mit dem schwierigen Lernstoff musste sich die Studentin in einer reinen Männerwelt zurechtfinden, Spielregeln erlernen, die ihr neu waren. Da wurde bisweilen auch „ordentlich Schaum geschlagen“, manche Studenten gaben während der Laborübungen mit größter Selbstverständlichkeit Dinge von sich, „die überhaupt nicht gestimmt haben, aber dafür mit dem Brustton der Überzeugung“, wie sich Maria Fellner noch heute wundert. Sich nicht kleiner machen, als man ist, war eine der wesentlichsten und notwendigsten Lektionen aus der Studienzeit.

Einsamkeit im Männerstudium

Mit der Zeit legte sie sich eigene Strategien zurecht, um sich durchzusetzen. Ein Reifeprozess, der auch mit Einsamkeit zu tun hat, denn Frauen, mit denen sich Maria Fellner persönlich hätte austauschen können, gab es kaum, „das muss man erst mal aushalten.“ Auch die ProfessorInnen waren in dieser Hinsicht wenig Unterstützung. Die Hinterwäldlerischen grüßten mit „Guten Morgen, meine Herren“, die Assistenten riefen sie manchmal mit „Herr Fellner“ auf. Die fortschrittlicheren Lehrenden hingegen fragten "bewundernd", was eine junge Frau zu einem Technikstudium motivierte – ein Erklärungsbedarf, den ihre männlichen Kollegen niemals hatten. Besonders am Anfang gab es viel trockenen und schwierigen Stoff zu lernen. Doch als sie den ersten Studienabschnitt  absolviert hatte, gewann die angehende Diplomingenieurin Gewissheit, dass hier ihr Platz ist. Diese anfängliche Unsicherheit empfand sie nur im Studium, denn von daheim hat sie viel Selbstvertrauen mitbekommen: "Die Eltern haben mich und meine beiden Schwestern stets vorbehaltlos unterstützt“. Nachgeraten ist sie ihrem Vater, der es vom Elektriker zum höheren Manager bei Siemens brachte. Er gab ihr auch die musikalische Sensibilität mit - seine private Leidenschaft ist die Schrammelmusik. Aber auch ihre Mutter erwies sich als hochmusikalisch und vermittelte ihrer Tochter die Liebe zu den Tönen schon im Mutterleib.

Musikalische Leidenschaften

Mit Maria im Bauch absolvierte sie ein Gesangsstudium, Maria selbst spielte von Kindheit an Klavier und Orgel und sang im Chor. „Musik ist das, wo mein Herz aufgeht“, sagt sie von sich und trachtete danach, ihre Musikbegeisterung auch in ihren Beruf zu integrieren: Im zweiten Studienabschnitt spezialisierte sie sich auf die Bereiche Akustik und Audiotechnik. Nach dem Studium nahm die diplomierte Toningenieurin eine Stelle an der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft in Graz an. Mit ihrer Entscheidung für die außeruniversitäre Forschung ist die heute 34jährige sehr zufrieden. Zwar müssen die Geschäftszahlen stets stimmen, dafür hatte sie von Anfang an viele Freiheiten. So konnte sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Franz Graf die Forschungsgruppe „Intelligente Akustische Lösungen“ aufbauen und im „gemischten Doppel“ heute auch leiten. Im Team wird beispielsweise ein akustisches Tunnelüberwachungssystem erarbeitet, das einen Unfall schneller hören kann, als die Kamera ihn sieht. Oder akustische Prüfstände, die am Geräusch eines soeben am Fließband zusammengebauten Motors erkennen, ob alles rund läuft. Oder auch audiovisuelle Archivierungssysteme, die Werbejingles einer bestimmten Marke zuordnen.

Auch Frau sein können

Mittlerweile fühlt sich die Elektrotechnikerin an ihrem von Männern dominierten Arbeitsplatz pudelwohl. So ist es ihr bei verfahrenen Gesprächen als Frau leichter möglich, zwei ins „Plustern“ geratene Männer wieder auf den Boden zu bringen und vermittelnd heraus zu bekommen, worum es eigentlich geht. Auch hat sie gelernt, verbal und räumlich ihren Platz zu beanspruchen. Um dahin zu kommen, hat sie jedoch erst „durch die Männerwelt durchmüssen“. Darin gehe es angeblich immer streng um die Sache, obwohl es sich in Wahrheit auch oft um intuitive Entscheidungen handle, „die aber nicht als solche deklariert werden“. Tragfähige Sachentscheidungen müssen jedoch immer auch das Gefühl von Stimmigkeit im Bauch haben, ist Maria Fellner überzeugt. Diese beziehungsorientierte Sichtweise bringt sie nun immer aktiver in ihren beruflichen Alltag ein: Mittlerweile forscht sie weniger im Detail, statt dessen zählen Projektmanagement, Akquisition, interne und externe Kommunikation zu den neuen Kernpunkten ihrer Tätigkeit. „Ich definiere das, was ich aktuell tue, mit Menschen zusammen bringen und zusammen halten“, sagt Maria Fellner und staunt dabei über sich selbst, „wie sehr dieser menschliche Aspekt in meinen Berufsalltag hineingekommen ist und mich mittlerweile bewegt.“ Auf diese Weise will sie einen Beitrag dazu leisten, dass ihre Forschungsgruppe im Akustischen Monitoring österreichweit führend bleibt und größere Bekanntheit erlangt. Auch in ihrem Privatleben bewegt sie sich in mehreren Welten: Seit zwölf Jahren tanzt sie argentinischen Tango, unterrichtet diesen auch, hat spanisch gelernt und für die tänzerische Perfektionierung Argentinien bereist. In ihrer Urlaubszeit segelt sie vorzugsweise auf den verschiedenen Meeren der Welt.

„Die Lust, etwas zu bewegen, hab ich von zu Hause mitbekommen“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta