09.10.2018 in Wien: Networking- & Karriereworkshop für Forscher & Forscherinnen mehr...

Jetzt einreichen bis 7.9.2018: FEMtech Praktika für Studentinnen mehr...

Co-Creation Day am 19.9. im Rathaus - Challenges mehr...

Anmeldestart 2. Halbjahr 2018! mehr...

Sabine Seymour

  • Ausbildung: Handelswissenschaften, Wirtschaftsuniversität Wien. Stipendium Columbia University New York. Interactive Telekommunications New York University, Tisch School of the Arts New York.
  • Position: Lehrbeauftragte an der Parsons New School of Design New York, Kunstuniversität Linz, Academy of Arts in Tallinn/Estland. Firmeninhaberin Moondial Inc.
  • Wissenschaftsdisziplin: Kustwissenschaften


„In New York herrscht in meinem Beruf Gleichberechtigung. In Österreich stößt man hingegen in den Führungsetagen auf eine gläserne Decke.“

Ich bin ein Hybrid

Weltenbürgerin Sabine Seymour entwirft die Kleidung der Zukunft - etwa Schuhe mit integrierten Computern - und pendelt zwischen den Kontinenten als Pionierin, Trendsetterin und Forscherin.

 

Nike Plus ist ein Turnschuh mit integriertem Chip. Er registriert Distanz und Zeit. Diese Daten überträgt er auf einen iPod, der sich zum Beispiel in der Trainingsjacke befindet. Sabine Seymour hat im Zuge ihrer Arbeit für Nike Running ein solches Konzept vorgestellt, eine ihrer zahlreichen unerhörten Kreationen. Auch für Dupont hat sie intelligente Kleidung mit integrierter tragbarer Technologie geschaffen: Die mit Sensoren, thermochromischen Farben und verschiedenen elektronischen Komponenten ausgestatteten Kleidungsstücke blinken, sprechen und wechseln bei Berührung die Farbe. Damit sollen die Eigenschaften des elektrisch leitenden Fadens erklärt werden. „Fashionable Technology“ nennt die Kreative ihre Arbeit. Mit der von ihr gegründeten Firma Moondial bringt sie Kleidung und Computertechnik in ästhetischen Einklang. Im Rahmen von Führungspositionen bei Razorfish, R/GA und Hewlett-Packard konnte sie ihre Begabung, die auch darin besteht, Design, Ästhetik und Funktionalität unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu kombinieren, voll entfalten. Ihre neueren Projekte konzentrieren sich auf elektronische Textilien, tragbare Technologien und digitalen Innenraumdesign. Räume werden über Sensoren digital steuerbar. Je nach der vom Computer ermittelten körperlichen Befindlichkeit verändert sich der Duft, die Temperatur, das Licht, zugeschnitten auf die persönlichen Bedürfnisse. Oder aber KundInnen betreten eine Boutique und alle roten Artikel treten aus der Wand, weil auf der elektronischen KundInnenkarte der KäuferInnen die Lieblingsfarbe rot abgespeichert ist.

Multikontinentale Avantgardistin

Sabine Seymour versteht sich als Visionärin, ganzheitliche Denkerin und interdisziplinäre Rebellin. In Österreich, wo sie ihr Studium begann, fühlte sie sich anfangs als Prophetin in der Wüste, damals war ihr Zukunftsmode-Design-Computer-Fachgebiet wenig bekannt und geschätzt. In New York hingegen war das, was sie machte, völlig normal. Dort war auch der richtige Boden, um im Rahmen des Studiums ihren originellen Interessen nachzugehen und nach Lust und Laune zwischen unterschiedlichen Disziplinen zu switchen. „Ein einziger Bereich war immer zuwenig für mich“ sagt sie mit Blick auf ihre Arbeit, und eine einzige Stadt auch. Aufgewachsen ist sie im Burgenland, bis heute liebt sie die Berge, wo sie als Kind viel unterwegs war, Snowboarden gehört zu den großen Leidenschaften der IT-Avantgardistin. Aber bereits als Halbwüchsige zogen sie Metropolen magisch an: Mit größter Selbstverständlichkeit erforschte sie als Sechzehnjährige Paris auf eigene Faust und fühlte sich sofort heimisch. Ebenso in Sydney, wo sie nach der Matura verweilte. Am liebsten ist ihr jedoch New York, „endlich eine richtige Stadt“, wo sie aufleben und ihre beruflichen Pläne umsetzen kann, wo sie mit ihren zukunftsweisenden Ideen nicht als Exzentrikerin gilt.

Wechselnde Identitäten

Nach New York ging sie schon während ihrer Studienzeit in Wien. Im Big Apple verblieb sie dann im Rahmen eines Stipendiums für die Columbia University in New York, um interaktive Telekommunikation an der New York University zu studieren und fand dort die ideale Mischung aus Fachkompetenz und Interdisziplinarität. Im Rahmen von Fächern wie „Physical Computing“ fand sie Inspiration für ihre zukünftige berufliche Marschrichtung, einer Kombination von Design, Kunst und Technologie. In New York begann sie auch bald zu unterrichten und zu forschen. Heute ist Sabine Seymour Professorin für Fashionable Technology an der New Yorker „Parsons The New School of Design“ und unterrichtet, wenn sie nicht gerade vor Ort ist, von Wien aus per Videokonferenz. In Estland lehrt sie im Rahmen eines „Smart Products“ Projektes Herstellungsverfahren für Computerkleidung und -textilien, d.h. wie man technische Machbarkeit und modische Ansprüche vereint. Einen weiteren Lehrauftrag hat sie an der Kunstuniversität Linz, wo sie die Zusammenarbeit der Institute Textil Kunst&Design Linz und Interface Cultures New York initiierte, als neue Schnittstelle zwischen Kunst, Design und Forschung. Im Rahmen der Ars Electronica stellt sie sowohl ihre Arbeiten als auch die ihrer StudentInnen regelmäßig vor. Die Ars ist ihr heute zur österreichischen Heimat geworden, während sie sich mit den anderen Anteilen ihrer Seele nach vierzehn Jahren USA heute eher als Amerikanerin fühlt – immerhin besitzt sie die Doppelstaatsbürgerschaft.

Durch die Kulturen schweben

Zu Österreich hat sie ein zwiespältiges Verhältnis: Wien findet sie atmosphärisch eher „negativ“, die Berge sind ihr hingegen eine Quelle von Inspiration und Energie. Auch die nicht gerade frauenfreundlichen Karrieremöglichkeiten ihres Heimatlandes ernüchtern sie: „Ich wäre heute nie soweit, wenn ich hier geblieben wäre“, gibt sich die Wegbereiterin illusionslos. Doch in der Zwischenzeit stößt ihr Fachgebiet – vor allem in der Kombination mit ihrer handwerklichen Begabung - auch hierzulande auf immer regeres Interesse, weswegen sie es zusehends aufregender findet, in Europa präsent zu sein. Sabine Seymour hat noch viel vor. Immer wieder hat sie für große amerikanische Unternehmen gearbeitet und sich Kompetenzen auf hohem Niveau angeeignet, so dass weitere Zusammenarbeiten immer interessanter werden. Als Zukunftsvision möchte Seymour mit ihrem Unternehmen ihren eigenwilligen Weg fortführen und Projekte mit einem festen Team erarbeiten. Wahrscheinlich wird sie der grauen Großstadt entfliehen und sich in die österreichischen Berge zurückziehen, um ein Labor im Heustadl zu kreieren. Am liebsten schwebt sie zwischen den Kulturen, Kontinenten und beruflichen Identitäten als Forscherin, Lehrende und Unternehmerin. Stolz ist sie vor allem auf ihre visionäre Kraft: „Als Pionierin zu gelten in meinem Gebiet, dass mein Name weltweit bekannt ist für tragbare Technologien und elektronische Textilien.“

„Ich war immer schon sehr selbstständig.“