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Karin Exner-Wöhrer

  • Ausbildung: Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien
  • Position: Finanzvorständin der Salzburger Aluminium AG, Wien/Salzburg
  • Branche: Metallerzeugung und -bearbeitung

Erfolg schreibt sich bei mir mit T, U, N.

Auf den ersten Blick lässt das elegant-heimelige Büro in einem Wiener Altbau nicht darauf schließen, dass sich hier eine zentrale Schnittstelle der international tätigen Salzburger Aluminium AG (SAG) befindet. Doch auf den Schein kommt es Karin Exner-Wöhrer, Finanzvorständin des Unternehmens, auch nicht an. Völlig selbstverständlich nimmt sie selbst die Anrufe entgegen, weil die Sekretärinnen krank sind und sie alleine im Büro ist. Eigeninitiative fordert sie schließlich auch von ihren MitarbeiterInnen.

„Es war immer ein Ziel von mir, selbständig zu sein, selbst ein Unternehmen zu führen, am liebsten ein produzierendes Unternehmen", bekennt die fröhlich wirkende Frau. Wenngleich sie zur Tätigkeit in der SAG eher zufällig gekommen sei. Sie hat lange Zeit im Ausland gelebt und wollte wieder ins Ausland, doch es kam alles anders. 1992 übernahm ihr Vater die über 100 Jahre alte Aluminiumfirma, die er zuvor als Geschäftsführer geleitet hatte. „Damals war ein Management Buyout in Österreich noch eher unüblich", erinnert sie sich. Das Risiko hat sich ausgezahlt. 2001 hat die SAG einen großen Konkurrenten in Europa übernommen, wodurch vier Länder und vier Sprachen dazu gekommen sind und sich die Zahl der MitarbeiterInnen verdoppelt hat. Damit gingen große Veränderungen im Unternehmen einher. Kulturelle Unterschiede gab es unter einem Dach zu vereinbaren. Die Geschäfte haben sich gut entwickelt. Da Aluminium ein börsennotiertes Metall ist, haben jedoch Ereignisse wie Hurrikans oder 9/11 ebenso großen Einfluss wie die Entwicklung der Automobilbranche. Die Beobachtung des Weltmarkts und das Riskmanagement gehören deshalb zu den besonders spannenden Aufgaben von Karin Exner-Wöhrer, die seit 2000 Finanzvorständin ist.

Klare Kompetenzen im Familienverbund

Sowohl Vater und Mutter als auch der Ehemann sind mit ihr im Vorstand des Unternehmens. „Es ist eine eigene Welt so ein Familienunternehmen", erklärt Karin Exner-Wöhrer, lacht dabei. „Das war ein Entwicklungsprozess, dass man sich die Dinge sagen kann". Lob und Kritik sei ohnehin nicht leicht anzubringen, in der Familie komme da noch eine andere Komponente dazu. Abstand zu halten sei nicht ganz einfach. Deshalb haben sie eine ganz klare Kompetenzverteilung, „wo die anderen nicht reinreden, außer man möchte einen Rat". Sie weiß, dass viele sie als Tochter des Chefs sehen, die sich ins gemachte Nest gesetzt hat. Manchmal trifft sie das schon, auch wenn sie gelernt hat, damit umzugehen. „Ich habe das Selbstbewusstsein, zu wissen, ich habe einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens geleistet. Wenn andere das nicht wahrnehmen wollen, dann ist das halt so."

 

Ursprünglich wollte sie Maschinenbau studieren, weil sie immer schon an Technik interessiert war. Der Vater habe ihr das aber ausgeredet, weil er kaum Chancen für sie als Frau gesehen habe. Also hat sie Betriebswirtschaft in Wien studiert, sich jedoch in der Dissertation einem technologienahen Thema gewidmet. In der männerdominierten Metallbranche spüre sie schon teilweise Vorbehalte von Leuten, die sie nicht kennen, „die denken, ich bin nur die Begleitung", wobei das Alter eher ein Problem sei als das Geschlecht. „Manchmal ist das eine Hürde, die es zu überwinden gibt. Die wird niedriger, sobald ich das Gespräch auf eine sachliche Ebene bringe, dann merken die Leute: die kennt sich aus."

 

Das Bedürfnis, eine Woche lang tatenlos in der Sonne zu liegen, kennt sie nicht. „Für mich ist Arbeit nichts negativ Besetztes. Ich habe es immer als bereichernd empfunden, etwas wo ich neugierig sein kann, wo ich mit anderen Menschen zu tun habe und auch die Möglichkeit habe, zu reisen", erklärt sie. Dann schon eher Golf spielen, was sie nach dem Studium eine Zeit lang regelrecht süchtig betrieben hat und sich so den Titel der österreichischen Meisterin erspielt hat. Mittlerweile spielt sie weniger, findet mehr Entspannung beim Laufen und in der Kultur. Kraft schöpft sie aus Erfolgen ebenso wie aus ihrem Umfeld. „Im Vergleich zu persönlichen Erfahrungen relativieren sich berufliche Probleme schnell einmal", hat sie für sich festgestellt. „Manchmal hilft es, eine Nacht darüber zu schlafen, damit man die Dinge wieder in einem positiven Licht sehen kann." Besonders stolz ist sie auf das gute Verhältnis zur Tochter Ihres Mannes, „keine Selbstverständlichkeit", wie sie ergänzt.

Entschlossen zur Offenheit

Die ersten zehn Lebensjahre hat sie in Westafrika verbracht, das hat sie geprägt. „Ich bin überall eine Ausländerin, nicht verwurzelt, wie man so schön sagt, das hat Vorteile und Nachteile." Was sie dadurch besonders gelernt hat, ist offen zu sein, auf andere zuzugehen und neugierig zu sein.

„Erfolg schreibt sich bei mir mit T, U, N.", definiert Karin Exner-Wöhrer. Deshalb rät sie jungen Frauen dazu, „Eigeninitiative zu zeigen, den Mut zu haben, zur eigenen Meinung zu stehen, auch wenn man damit aneckt, bereit zu sein, sich zu zeigen und aus der Menge rauszutreten." Auch wenn es eine männliche Domäne sei, sollte man sich nicht davon abbringen lassen. „Wenn Frauen in Karenz gehen, wird sich im Unternehmen schon eine Lösung finden, Männer verlassen Unternehmen auch", erklärt sie pragmatisch. Die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Müttern sei das eigentliche Problem, das schlechte Gewissen ergebe sich durch die Reaktion der Gesellschaft. Das sei in anderen Ländern nicht so.

Eine besondere Freude sei es für sie, das Potenzial ihrer MitarbeiterInnen zu heben, „zu sehen, wie man anderen auf den Weg helfen kann, wie sehr sie sich motivieren, wie sie Spaß haben." Sie schätze Menschen in ihrer Umgebung, die selbst tätig werden. „Ich gebe nicht bei jedem Schritt vor, was sie tun sollen." MitarbeiterInnen, die das erwarten würden, könnten sie zur Weißglut treiben. „Ich erwarte, dass sie selbst mit Ideen kommen, etwas erreichen, verändern wollen. Wenn etwas nicht passt, kann man das ändern. Das muss man dann halt in Angriff nehmen und nicht leiden und schmollen." Ihren Führungsstil beschreibt sie so: „Ich entscheide mich schnell, wohlwissend dass ich mich manchmal auch falsch entscheide. Abwägen ja, aber nicht zu Tode diskutieren." Eine gewisse Ungeduld attestiert man ihr deshalb. Die aber nichts mit ihrer Jugend zu tun habe, meint sie. „Ich hoffe, ich werde mit 70 noch so sein."

„Das möchte ich jungen Menschen mitgeben: dass sie sich nicht vom Weg abbringen lassen sollen. Wenn man etwas will, gibt es gute Gründe, das auch zu erreichen."

Interview und Portait: Anita Zieher