
COSS - Center for Optimized Structural Studies
Proteinen ihr Geheimnis entlocken
Die Molekularbiologin Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Kristina Djinović-Carugo entwickelt innovative Methoden, um die Struktur von Proteinen zu entschlüsseln
Es war eine Sternstunde, die ihre gesamte berufliche Laufbahn geprägt hat: Jener Moment, als Kristina Djinović-Carugo die Struktur eines bislang unbekannten Moleküls errechnete. Das gelang ihr im Rahmen ihrer Diplomarbeit. Monate hatte es gedauert, bis das Jungforscherinnen-Team, dem sie angehörte, jenes Protein so aufbereitet hatte, dass man ihm per Röntgen-Kristallographie sein Geheimnis entlocken konnte: seine dreidimensionale Struktur – also die räumliche Beschaffenheit des winzigen Moleküls. "Diesen Moment werde ich nie vergessen", erinnert sich Kristina Djinović-Carugo an jenen Tag, der ihre Zukunft als Protein-Spezialistin besiegeln sollte, "es war bewegend, die erste Person auf unserem Planeten zu sein, die die Struktur dieses bestimmten Moleküls erkannt hat." Besonders überraschend sei die ungewöhnliche Anordnung der Atome innerhalb dieser molekularen Verbindung gewesen.
Proteine enthüllen
Kristina Djinović-Carugo ist seither zur Expertin für die dritte Dimension von Protein-Molekülen avanciert und erregt mit ihren Methoden internationales Interesse. Denn zahlreiche Wissenschaftsteams weltweit beschäftigen sich mit der Entschlüsselung der rund 40.000 Proteine im menschlichen Körper. Bisher konnte nur ein Bruchteil geknackt werden, die Forschung erweist sich als komplex sowie reich an Rückschlägen. Denn manche Proteine entziehen sich hartnäckig jeglicher Enthüllungsmethode. Sogar nach jahrzehntelangen Bemühungen geben manche von ihnen ihr Geheimnis nicht preis.
Im Laura-Bassi-Zentrum neue Ideen umsetzen
Für ihr Laura-Bassi-Exzellenzzentrum hat Kristina Djinović-Carugo innovative wissenschaftliche Enträtselungsstrategien entwickelt, um der räumlichen Anordnung von Proteinen auf die Spur zu kommen: "Immer wenn ich morgens aufwache, denke ich an das Projekt und bin in Hochstimmung. Diese neue Plattform wird unseren wissenschaftlichen Output wesentlich vergrößern." Die innovative Forschungskultur des Laura-Bassi-Programms mit Betonung auf Management, Interdisziplinarität und Chancengleichheit stehe ganz im Einklang mit dem zeitgemäßen Berufsbild in der Wissenschaft, sagt Kristina Djinović-Carugo. "Ich hab dazu viele Ideen: etwa gegenseitiges Coaching, flexible Arbeitszeiten für ForscherInnen mit Familie und gemeinsame Reisen, um den Zusammenhalt im Team zu verbessern. Meine MitarbeiterInnen werden im Rahmen des Exzellenzzentrums eine umfassende Ausbildung erhalten, sodass ihnen am Ende der Laufzeit alle Türen offen stehen."
Multilinguales Zuhause
Aufgewachsen ist die Chemikerin in Ljubljana, Slowenien, auch die Ausbildung absolvierte Djinović-Carugo in ihrer Heimatstadt. Die nächste Karrierestation führte sie nach Pavia, Standort einer der ältesten Universitäten Europas. Am dortigen Department für Molekularbiologie vertiefte sie ihre Kenntnisse der Molekularkristallographie, einer komplexen Technik zur Erfassung der räumlichen Struktur von Proteinen. In Pavia lernte Kristina Djinović-Carugo ihren Mann kennen, von Beruf Bioinformatiker im Bereich Molekularbiologie mit französisch-italienischen Wurzeln. Gemeinsam haben sie eine Tochter. "Mein Mann und ich sprechen miteinander italienisch, mit meiner Tochter spreche ich slowenisch, mit ihrem Vater spricht sie französisch", schildert die Spitzenforscherin die multilingualen Kompetenzen ihrer Familie. Danach ging Djinović-Carugo nach Heidelberg, an das weltbekannte European Molecular Biology Laboratory (EMBL), eine inspirierende Zeit: "Das Zentrum ist ein veritabler Melting Pot, wo brillanten ExpertInnen aus der ganzen Welt ausgezeichnete wissenschaftliche Infrastruktur zur Verfügung steht", sagt die Forscherin, völlig neue Ansätze der Strukturbiologie hätte sie sich dort erschlossen.
Nächtliche Heimsuchung
Nach fünfjährigem Aufenthalt kehrte Kristina Djinović-Carugo nach Italien zurück. An der renommierten Elettra - synchrotron radiation facility in Triest wurde sie zur Leiterin der Abteilung für Strukturbiologie und Kristallographie berufen. Der neue Wohn- und Arbeitsplatz war ideal für die Familie: "Wir lebten in einem slowenisch-italienisch durchmischten Dorf, nur 95 km von meiner Geburtsstadt Ljubljana entfernt." Alle sechs Wochen fuhr die heimatverbundene Forscherin nach Slowenien, um nach dem Rechten zu sehen. Nun ist Kristina Djinović-Carugo seit fünf Jahren in Wien, wo sie viel Sport betreibt, die kulturelle Szene genießt und beruflich zusehends mehr Management-Aufgaben übernimmt. "Das ist ein positiver Karriereschritt, wobei es mir wichtig ist, weiterhin wissenschaftlich aktiv zu bleiben", fügt sie hinzu. Weiterhin dreht sich ihre Welt um die Enträtselung atomarer Verbindungen, sogar nachts wird sie davon heimgesucht: "Die Struktur der Moleküle verfolgt mich bis in meine Träume", seufzt Kristina Djinović-Carugo augenzwinkernd.
Portrait: Teresa Arrieta
