CrossEUWBA - Women entrepreneurs and women business angels mehr...

Network for European Research and Innovation acceleration in the US mehr...

Das war die Podiumsdiskussion 2017 mehr...

Laura Bassi Centre PlantBioP schließt erfolgreich ab mehr...

QE LaB - Quality Engineering Lab

Den IT-Risiken von morgen begegnen

Univ.-Prof.in Dr.in Ruth Breu ist Pionierin für sichere und zuverlässige Software


Die Informatikexpertin Ruth Breu führte den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere im Jahr 2002 herbei. Nach dem Studium der Informatik an der Universität Passau und der 1991 mit Auszeichnung abgeschlossenen Promotion arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität München und anschließend mehrere Jahre als freiberufliche Beraterin für namhafte Unternehmen der Softwaretechnik, bevor sie 2002 die Professur an der Universität Innsbruck annahm. Dort wurde gerade ein Institut für Informatik gegründet. Die Berufungskommission suchte nach ExpertInnen mit guten Kontakten zur Wirtschaft, Ruth Breu verkörperte die Idealbesetzung. "Ich war sehr gespannt auf meine neue herausfordernde Führungsaufgabe", erinnert sich die Spitzenforscherin. Anfangs saß sie in einem leeren Büro mit dem Auftrag, ein Informatik-Fach neu aufzubauen. Drei ProfessorInnen standen 200 Studierenden gegenüber. In den folgenden sieben Jahren etablierte Ruth Breu gemeinsam mit ihren KollegInnen in Innsbruck einen Studienzweig für Informatik mit hohem Renommee.

Informatik-Forschung in Innsbruck aufgebaut

Mittlerweile hat sich das Institut im Bereich komplexer kooperativer Systeme und Services internationalen Ruf erworben. Die Forschungskompetenzen umfassen Modellierungstechniken und Programmentwicklungsumgebungen ebenso wie wissenschaftliche Datenbanken. Ruth Breus Expertise liegt im Software Engineering – also in der Gewährleistung von mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit für Informatik-Systeme. Das Ziel: weniger Software-Ausfälle sowie besserer Datenschutz. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Ruth Breu mit Qualitätsverbesserungen in der Software-Entwicklung und ist in diesem Bereich auch international Vorreiterin. Die von ihr gegründete Forschungsgruppe "Quality Engineering" besteht derzeit aus 30 MitarbeiterInnen und ist das größte von einer Frau geleitete Informatik-Universitäts-Team in Österreich. Ruth Breu betreibt lebhaften wissenschaftlichen Austausch mit IndustriepartnerInnen und hat in den letzten fünf Jahren über 20 Drittmittelprojekte und ca. 200 Studienarbeiten in Kooperation mit Firmen durchgeführt. Ihr aktuelles Fachbuch "Sicherheitsarchitekturen von Service-orientierten Systemen" ist richtungweisend und zeigt, wie man Sicherheitsaspekte bereits in ein sehr frühes Stadium der Software-Entwicklung einbauen kann.

Spaß am Programmieren bereits in der Schule

Ruth Breu wuchs in Berchtesgaden in Bayern auf. Ihr Interesse für Informatik entwickelte sie bereits in der Schule, im Rahmen des Mathematikunterrichts. Es war die Zeit der ersten PCs, die talentierte Schülerin hatte besondere Freude am Programmieren. "Ich hatte bloß einen altmodischen Computer zur Verfügung, auf dem es mir trotzdem gelang, die Berechnung der Zahl Pi zu programmieren. Mir war klar, dass es mir Spaß machen würde, das auch zu studieren." Die Hochtalentierte gehörte dann in Passau zum ersten Informatik-Jahrgang mit nur 10% Frauenanteil. Die Gesamt-Studierendenanzahl war niedrig, die wissenschaftliche Betreuung daher umso intensiver: Für Ruth Breu ein ideales Umfeld zur Entfaltung ihrer Forschungsinteressen. Bereits damals wandte sie sich der anwendungsbezogenen Informatik zu und suchte den Kontakt zur Industrie. Ihr exzellentes Firmennetzwerk kam ihr später zugute, als sie Kinder bekam und eine freiberufliche Karriere startete. Zuerst beabsichtigte sie, sich völlig der Kinderbetreuung zu widmen. Doch bereits zwei Wochen nach der Entbindung stellte Ruth Breu fest, dass ihr etwas fehlte: "Mir ist das Denken abgegangen", meint sie verschmitzt.

Frauen müssen doppelt so gut sein

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes arbeitete Ruth Breu als selbstständige IT-Consultant für namhafte Unternehmen im Finanzdienstleistungs- und Telekommunikationsbereich. Als ihr drittes Kind zur Welt kam, hatte sie bereits die Professur an der Universität Innsbruck angenommen und arbeitete ohne Babypause weiter. Heute macht das Ehepaar halbe-halbe in Kinderbetreuung und Haushalt, einige Tätigkeiten hat die vielbeschäftigte Multi-Task-Forscherin ausgelagert. Für Frauen in der Wissenschaft ist es besonders herausfordernd, konstatiert Ruth Breu, Privat- und Berufsleben in Einklang zu bringen. Umso wichtiger ist es der Spitzenforscherin, Netzwerke mit anderen führenden Informatik-Expertinnen zu pflegen. Innerhalb der eigenen Forschungsgruppe fördert sie ihre Mitarbeiterinnen konsequent, um jene Unterstützung, die sie selbst erfahren hat, weiterzugeben – und ist auch hier höchst erfolgreich: Ruth Breus Forschungsgruppe weist einen Frauenanteil von über 30% auf, gegenüber mageren 10% in ganz Österreich.

Portrait: Teresa Arrieta