
THERAPEP - THERApeutic application of neuroPEPtides
Die freie Journalistin und Ö1-Sendungsgestalterin Teresa Arrieta im Gespräch mit der Zentrumsleiterin Prof.in Barbara Kofler
"Das Laura-Bassi-Programm macht exzellente Frauen sichtbar"
Was bedeutet für Sie die Leitung des neuen Laura-Bassi-Zentrums "THERAPEP"?
Ich finde es einfach genial! Für meine wissenschaftliche Karriere ist es das Projekt schlechthin, ich freue mich sehr über diese Anerkennung meiner Arbeit. Dadurch werde ich auch in der Forschungslandschaft sichtbarer. Es gibt viel Response aus der wissenschaftlichen Community und der Politik. Seit ich das Laura-Bassi-Zentrum leite, fällt mir auf, dass man sich als Frau in der Forschung immer noch zu wenig zutraut. Männer sind eher von sich überzeugt, das haben sie uns voraus.
Das Laura-Bassi-Zentrum hat also Ihr Selbstbewusstsein gestärkt.
Es war für mich ein großer Schritt, für ein Laura-Bassi-Zentrum einzureichen. Dann hab ich meinen Industriepartner angerufen und wurde zu einem Vortrag eingeladen. Es war ein hartes Verhör, aber nach drei Wochen kam dann das OK. Dass wir ein global agierendes Unternehmen überzeugt haben, zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Das Impulsprogramm Laura Bassi Centres of Expertise möchte den Anstoß für eine "neue Forschungskultur" geben, mit besonderem Augenmerk auf die Management-Qualitäten der Antragstellerinnen. Wie beurteilen Sie diese neuartigen Anforderungen?
Management wird in der Wissenschaft immer noch stiefmütterlich behandelt. Die diesbezüglichen Kriterien waren daher neu für mich. Anfangs hat das in mir eine gewisse Verunsicherung ausgelöst. Aber ich habe zu dieser Zeit einen Kurs zu Projektmanagement absolviert, das hat mir geholfen. Wobei ich erstaunt war, festzustellen, dass mein Industriepartner allzu massives Projektmanagement ablehnt, aus Sorge, die Forschung könnte unflexibel werden. Aber es hat Sinn gemacht, in dieser Richtung gefordert zu werden. Es hat mir neue Impulse gegeben, von denen meine MitarbeiterInnen und die Organisation der Abläufe auch außerhalb des Laura-Bassi-Zentrums profitieren werden. Die MitarbeiterInnen sehen es positiv, dass eine genaue To-Do-Liste vorliegt. Gerade in der Grundlagenforschung besteht die Tendenz, sich zu verzetteln, und diese neue Struktur trägt zur Effizienz bei.
Ein wichtiges Ziel des Laura-Bassi-Exzellenz-Programms ist auch die Forcierung von mehr Chancengleichheit, etwa für Forscherinnen mit Familie. Haben Sie dafür konkrete Ideen entwickelt?
Ich schöpfe hier vor allem aus eigener Erfahrung: Einerseits habe ich es zu Hause durchgesetzt, dass mein Mann in Karenz gegangen ist. Sich für die eigenen Rechte auch im privaten Umfeld stark zu machen, das kann ich nur jeder Forscherin ans Herz legen. Außerdem habe ich unseren Sohn bereits mit eineinhalb Jahren in die Krabbelstube gegeben, auch hier möchte ich meine Mitarbeiterinnen stärken, damit sie nicht dem "Rabenmutter-Syndrom" anheimfallen. Man darf sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen, unser Sohn hat sich völlig normal entwickelt, trotz wechselnder Bezugspersonen. Dafür beschäftige ich mich abends umso intensiver mit meinem Kind. Mein Umfeld zeigt sich oft erstaunt über unsere vielfältigen gemeinsamen Aktivitäten. Es kommt nicht auf die Zeitquantität an, sondern auf die Zeitqualität, diese Erkenntnis möchte ich auch den Frauen und Männern im Laura-Bassi-Team vermitteln.
Wie bewältigen Sie den Spannungsbereich zwischen Wissenschaft und Industrie? Wie genau ist das Thema Intellectual Property Rights geregelt?
Die Zusammenarbeit war bisher eine Riesenüberraschung. In den Verhandlungen zu den Intellectual Property Rights hatte ich Sorge, an die Wand gespielt und geknebelt zu werden. Doch es ist ein sehr fairer Vertrag geworden, wir können als WissenschaftlerInnen weiter publizieren. Das zeigt den Willen des Industriepartners, mit uns zu produktiv zu arbeiten.
Worin sehen Sie den Mehrwert des Laura-Bassi-Programms im Vergleich zu anderen Forschungsprogrammen?
Die Größenordnung und die Laufdauer des Projektes sind außergewöhnlich. Dadurch können wir in Ruhe arbeiten und müssen nicht permanent Gelder einwerben. So wird ein stabiles Arbeitsumfeld geschaffen, wo ich Personen in ihrer Entwicklung fördern kann. Außerdem verfüge ich erstmals im Rahmen eines großen Forschungsprojektes über ausreichend Budget, um mir den administrativen Part abnehmen zu lassen. Das ist für mich völlig neu und erleichtert meine Arbeit ungemein. Ich kann mich ganz der Betreuung der Studierenden und der Forschung widmen. Innovativ ist auch, dass das Programm von der FFG stark unterstützt wird, sogar was das Auftreten nach außen betrifft. Dadurch wird das positive Image der Laura-Bassi-Zentren gepflegt, davon profitiere ich zusätzlich.
Wie beurteilen Sie das neuartige Konzept des Laura-Bassi-Programms? Hat es aus Ihrer Sicht das Potenzial, zu mehr Chancengleichheit in der Forschungslandschaft beizutragen?
Ich halte das Programm für ausgezeichnet. Es zeigt, dass exzellente Forschungsleistung mit hohem Frauenanteil erbracht wird und auch Frauen mit Familie gleichzeitig hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen sein können.
Interview: Teresa Arrieta
