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Gerda Schneider

  • Ausbildung: Studium der Betriebsinformatik, Universität Wien
  • Position: Mitbegründerin von www.multihyperlink.com
  • Wissenschaftsdisziplin: Informationstechnologie


„Seit ich selbstständig bin, muss ich mich nirgends mehr unterordnen und kann mich frei bewegen.“

Vernetzt in alle Ewigkeit

Die IT Expertin Gerda Schneider verleiht der Internet-Navigation eine neue Qualität: Sie ist Miterfinderin eines neuartigen Wissensvernetzungs-Systems, das zu hochwertiger Information führt – und das sie patentieren ließ.

 

Die Welt ist kompliziert und facettenreich, warum soll sich das nicht auch im Reich der Internetlinks wiederspiegeln? Wo steht geschrieben, dass ein www-Link immer nur auf bloß eine Site verweisen soll? Wo bleibt da die Vielseitigkeit? Wer hat sich nicht schon selber oft über die öde Googelei geärgert, die zu stundenlangem Surfen in der Stichwortwüste führt, ohne je in der ersehnten Informationsoase anzukommen? Was wäre hingegen mit folgendem Erlösungsszenario: Man klicke im schwarzen Text auf das blau gefärbte Wort, und anstatt zu einer einzigen Site weitergebeamt zu werden, erschließt sich den UserInnen ein Informations-Heureka in Form eines Minifensters – genannt Multihyperlink, das eine große Liste an hochinformativen Datenangeboten zum angeklickten Begriff bereithält. Zum Begriff Frankreich steht dann beispielsweise: Personen zum Land, Organisationen, Artikel, Zeitungen, Orte… Wer sich in dieses kondensierte Datenuniversum hineinbegibt, dem erschließt sich also ein wahrer Wissensschatz. Diesen neuen Weg, ausgewählte Informationen optimal zu vernetzen, nennt Gerda Schneider Multihyperlinks, beispielhaft aufbereitet unter www.warspectrum.com, und sie hofft, damit den großen IT Coup zu landen.

Datenungetüme beherrschen lernen

„Der Auslöser war, dass wir die Daten im Google unstrukturiert fanden. Man bekommt zu viele Resultate zu einem Begriff, zu wenig Hochwertiges. Wir wollten, dass man schneller das findet, wonach man sucht“, schildert der weibliche Daniel Düsentrieb die Quelle der Erfindungsinspiration. Immer schon hatte die ausgebildete Betriebsinformatikerin „großen Spaß daran, Dinge zu ordnen, für komplexe Strukturen einfache Lösungen heraus zu destillieren.“ Zurückhaltend und ruhig ist Gerda Schneider, keine Frau der großen Auftritte, aber eine, wo jeder sich verstanden fühlt: Schwellenangst bekommt niemand bei der unprätentiösen IT-Erfinderin, die den Weg in die Selbstständigkeit familienbedingt erst spät eingeschlagen hat. Nach dem Betriebsinformatikstudium war sie bei der Creditanstalt tätig, später stieg sie in den Familienbetrieb Morawa ein, wo sie im Zuge der Neuprogrammierung des Zeitschriftenvertriebs ein Teilprojekt leitete. Bereits in jenen Jahren legte sie gemeinsam mit ihrem Mann den Grundstein für die spätere Erfindung, denn im Rahmen dieser Jobs ging sie mit riesigen Datenbanksystemen um. Immer wieder kam die Kreative ins Brüten, wie man diese Datenungetüme besser verwalten könnte, wie also „bessere Informationsdialoge für stark vernetzte Daten“ konzipierbar wären.

Das Ei des Columbus ausbrüten

Doch erst nach der Familiengründung schuf sich das ErfinderInnen-Team die Möglichkeit, die innovativen Ideen Wirklichkeit werden zu lassen: Gerda Schneider hatte ihren Job aufgrund der Geburt ihrer beiden Kinder gekündigt. Als der Nachwuchs dann später im Kindergarten versorgt war, keimten die Ideen von früher wieder auf. Ein Prototyp für PC wurde programmiert, der mit Aufkommen des Internet von Gerda Schneider bald auch für das World Wide Web umgestellt wurde. Die erste mit Multihyperlink ausgestattete Homepage ist dem Wirtschaftspsychologen und Motivforscher Ernest Dichter gewidmet, www.ernest-dichter.net. Der Weg in die Selbstständigkeit erfolgte dann als schleifender Übergang: Nach der ersten Multihyperlink Erprobungsphase entschlossen sich Gerda Schneider und ihr Mann, die clevere IT-Erfindung patentieren zu lassen, um „von den Firmen nicht so leicht über den Tisch gezogen zu werden“. Die Patentschrift verfassten sie in einjähriger Arbeit im Alleingang, so sparten sie Kosten für den Patentanwalt. Zur Orientierung suchten sie nach vergleichbaren IT-Patentschriften im Internet. Das Ergebnis geriet dermaßen professionell, das ein in der Endphase hinzugezogener Patentanwalt gar nicht glauben wollte, dass das IT-Ehepaar dieses juristische Oeuvre allein geschaffen hatte.

Das Revier verteidigen

Der fertige Antrag ging ans Europäische Patentamt, und geriet zu einem mehrjährigen Pingpong Spiel mit dem Prüfer. „Zwei Jahre hat es gedauert, bis der Antrag überhaupt inhaltlich bearbeitet wurde und weitere drei, bis wir die Einwendungen des Experten abgearbeitet hatten“, erinnert sich Gerda Schneider an zähe Zeiten. „Wir haben Höhen und Tiefen durchlaufen, waren mal euphorisch, mal hoffnungslos.“ Die beiden fühlten sich sukzessive ins Patentdenken der Behörde ein, lernten, welche Formulierungen gewünscht waren, wie die Kompetenzen abgesteckt werden müssen: „Jedes Patent verteidigt ein Revier an Erfindungen, wo andere dann nicht mehr hineindürfen.“, erläutert sie das erworbene Wissen. „Dieses Revier darf nicht zu groß und nicht zu klein sein - erst die Zukunft wird zeigen, ob wir das richtig gemacht haben.“ Das wird sich möglicherweise schon sehr bald weisen, denn nach sechsjähriger Mühsal ist das Patent nun bewilligt. Fortan läuft das Erfindungsprojekt in die Phase zwei über: Jetzt soll es an die Vermarktung gehen.

„Man muss hartnäckig sein, nicht aufgeben, den anderen ernst nehmen, dann wird man auch selbst ernst genommen.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta