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Inge Mühlbacher, Sonja Pichler

  • Ausbildung: beide Studium der Chemie, Karl-Franzens Universität Graz
  • Position: Researcher (Projektleiterin) & Junior Researcher, Polymer Competence Center Leoben (PCCL), PCCL-Außenstelle: Institut für Chemische Technologie Organischer Stoffe, Technische Universität Graz
  • Wissenschaftsdisziplin: Chemie


„Wir stellen die gelebte Symbiose zweier Wissenschafterinnen im Bereich der High-Tech Forschung dar.“

Als Zweierteam ergänzen wir uns perfekt

Für AT&S, einem der drei Weltmarktführer in der Leiterplattenindustrie, haben die beiden Forscherinnen gemeinsam ein sensationelles neues Material für Lichtwellenleiter auf Basis von Polymeren entwickelt, das nun patentiert wird.

 

Eigentlich hat der Zufall Inge Mühlbacher und Sonja Pichler im Zuge einer Postenneubesetzung zusammengeführt. Beide wollten lieber in der anwendungsorientierten Forschung, als auf der Universität arbeiten, da ihnen der Praxisbezug besonders am Herzen liegt: Beiden ist es wichtig, „die Umsetzung unserer Forschungsresultate miterleben zu können.“ Aber Inge Mühlbacher suchte als Mutter eines Sohnes im Kindergartenalter eine Halbtagsanstellung – im Forschungsbereich kein leichtes Unterfangen. Doch nicht unmöglich, wie sich herausstellen sollte, denn das Polymer Compentence Center Leoben (PCCL) erwies sich als familienfreundliches Unternehmen, das auch Wiedereinsteigerinnen die Chance zur Karriere gibt. Das PCCL hat eine Außenstelle am Institut für Chemische Technologie Organischer Stoffe an der Technischen Universität Graz. Es ist eine innovative Forschungsgesellschaft, die das Bindeglied zwischen den österreichischen Universitäten und der anwendungsorientierten Industrie bildet. Das Unternehmen gab Inge Mühlbacher einen Halbtagsposten: Die Leitung eines Forschungsprojektes zur Entwicklung eines neuen Materials für Lichtwellenleiter im Auftrag der Firma AT&S, einem Weltmarktführer in der Leiterplattenherstellung (Leiterplatten dienen im Computer der mechanischen Befestigung und der Verbindung von elektronischen Bauteilen). Weltweit wird in diesem Bereich an neuen Technologien geforscht, die einen rascheren und größeren Datentransfer ermöglichen sollen.

Patent im weiblichen Alleingang

Mit der Übernahme dieses Projektes erschloss sich Inge Mühlbacher ein spannendes Forschungsgebiet, das ihr gleichzeitig auch die Möglichkeit bot, die Nachmittage ihrem Sohn zu widmen. Doch das verdankt sie auch der harmonischen Zusammenarbeit mit Sonja Pichler, die für dasselbe Projekt engagiert wurde und sich als kongeniale Ergänzung erwies. Eine der beiden ist immer am Arbeitsplatz präsent. Sicher sei eine so partnerschaftliche Zusammenarbeit im Führungsbereich ungewöhnlich, aber in den drei Jahren ihrer Kooperation ist es keiner der beiden eingefallen, die Macht an sich zu reißen. Ganz im Gegenteil: „Wir gleichen unsere jeweiligen Stärken und Schwächen gut aus“, bestätigen die beiden Forscherinnen. Sowohl der Institutsvorstand als auch der Auftraggeber AT&S schätzen in der Zwischenzeit das Zusammenspiel der beiden High-Tech Expertinnen und unterstützen diese mit Flexibilität und Verständnis – eine Haltung, die nun von Erfolg gekrönt ist: Sonja Pichler und Inge Mühlbacher haben nach dreijähriger Forschungsarbeit ein neues Lichtwellenleitermaterial entwickelt, das die Integration von Lichtwellenleitern auf Leiterplatten kostengünstig, schnell und umweltfreundlich macht. Das von Inge Mühlbacher und Sonja Pichler entwickelte Material könnte sich als sensationelle und höchst gewinnträchtige Erfindung erweisen – vor allem für den Leiterplattenhersteller AT&S, dem Auftraggeber und Promotor des Projektes.

Mit Ausdauer zum Erfolg

Ein Erfolg, der nicht evident schien, denn anfangs gab es viele Hürden und von Seiten der AuftraggeberInnen wenig Vertrauen in das Projekt. Doch die beiden Forscherinnen ließen sich von ihrer Vision nicht abbringen und setzten sich drei Jahre lang mit Energie und Stehvermögen gegen alle Widerstände durch, wie sich Sonja Pichler erinnert: „Wir konnten die Firma schrittweise überzeugen.“ Deswegen waren die Chemikerinnen mit der Präsentation ihrer Resultate zuerst noch zurückhaltend, bis die gewünschten Erfolge zweifelsfrei vorlagen. Heute ist Sonja Pichler überzeugt, dass man zu lange mit der Patentierung gewartet habe. „Beim nächsten Patent werden wir das schneller angehen, denn nun sind wir sicherer geworden.“ Über die Jahre ist das gemeinschaftliche Forschungsprojekt weiter gediehen: Heute arbeiten Pichler und Mühlbacher nicht mehr allein im stillen Kämmerlein, sondern werden von zusätzlichen Mitarbeitern unterstützt. Der Umgang mit den Kollegen sei nicht hierarchisch, sondern betont kollegial, „das erhöht den Output und nützt dem Projekt“. Ihre Zukunftsperspektiven sehen beide nach diesem Einstiegserfolg rosig: Eine Zeitlang werde man noch als symbiotisches Forschungswesen existieren. Nach Abschluss des Patentes möchte Sonja Pichler sich dann in Richtung Qualitätsmanagement weiterentwickeln. Inge Mühlbacher hingegen bleibt der Forschung erhalten.

„Wir waren eben zäh und haben unser Projekt trotz der anfänglichen Widerstände nicht aufgegeben, jemand anderer wäre vielleicht abgesprungen.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta