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Beatrice Senn

  • Ausbildung: Doktoratsstudium Biochemie ETH Zürich, Post Doc Experimentelle Immunologie ETH Zürich
  • Position: Abteilungsleiterin
  • Wissenschaftsdisziplin: Biotechnologie


„Als Frau hat man´s schwieriger, aber wenn man die Stärke und den Willen hat, kann man es schaffen.“

Im Körper herrscht Krieg

Beatrice Senn studierte beim Zürcher Nobelpreisträger Zinkernagel, ist fasziniert vom Kampf zwischen Immunsystem und Virus und folgte einer inneren Eingebung, die ihr Leben veränderte.

 

Wir kämpfen den ganzen Tag. Unser Körper ist ständig damit beschäftigt, Eindringlinge abzuwehren. Zuerst stehen die frühen Abwehrreihen gleich Schützenpanzern bereit: Das sind die Haare auf der Haut, die eine erste Schutzfunktion erfüllen. Später greifen die SoldatInnen an, das sind die Killerzellen. Wenn auch die nichts ausrichten können, kommen noch die ABC-Waffen zum Einsatz, das sind die B-Zellen, die den Feind mit speziellen Antikörpern beschießen. Die Immunologin Beatrice Senn beschreibt das menschliche Immunsystem als Kriegschauplatz, der in permanenter Weiterentwicklung begriffen ist: Die Viren suchen über Anpassungen neue Schleichwege in den Körper und das Immunsystem antwortet darauf mit der Herausbildung neuer Abwehrmethoden. Dass Beatrice Senn eines Tages solche Prozesse als hoch spezialisierte Immunologin erforschen würde, hätte zuerst niemand gedacht. Denn obwohl sie sich in der Schule für Biologie interessierte, wollte die Schweizerin nach der Matura Wirtschaft studieren.

Ein Traum führt zur Wende

Doch dann hatte sie ein Schlüsselerlebnis, einen Traum, der sie in einer „Über-Nacht Aktion, ohne nachzudenken“ dazu bewog, an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Biologie zu inskribieren. Aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung, denn als sie sich im Zuge des Studiums auf Biochemie und Immunologie spezialisierte, wusste sie bald, dass das „ihr Weg“ war. Senn hatte das Glück, im Institut für Experimentelle Immunologie bei den Kapazundern Hengartner und Zinkernagel studieren zu dürfen – letzterer erhielt 1996 den Medizin-Nobelpreis, weil er entdeckte, wie das Immunsystem Virus-infizierte Zellen erkennt. „Es war nicht immer einfach“, erinnert sie sich heute an die harte Studienzeit, „ich habe gelernt, zu kämpfen und mich weiterzuentwickeln“. Sie blieb lange am Institut, schrieb dort ihre Doktorarbeit und hängte auch noch ein Post Doc an. Der Eintritt ins Berufsleben erfolgte 2004 bei der Wiener Pharmafirma Intercell, die Impfstoffe zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten entwickelt. Das 1998 gegründete Unternehmen zählt heute zu den erfolgreichsten seiner Branche. Mit ihren 170 MitarbeiterInnen aus sechzehn verschiedenen Nationen steht die Intercell AG an der Spitze der Entwicklung. Die Forschungsarbeit von Intercell beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Impfstoffen gegen Japanische Enzephalitis, Hepatitis C, Tuberkulose, Lungenentzündung und Angina. Die erfolgreichen klinischen Tests rufen großes Interesse bei internationalen Pharmakonzernen hervor.

Steil nach oben

Das Engagement bei einer Biotechfirma kommt Beatrice Senn entgegen, denn es geht ihr um möglichst große Anwendungsnähe: Sie möchte etwas leisten, womit sie „Menschen helfen kann“. Die von ihr mitentwickelten Impfstoffe gehen sofort in die klinische Testphase, wodurch sie deren unmittelbaren Nutzen miterleben kann. Dass gerade in ihrer Abteilung auch Tierversuche gemacht werden, nimmt sie in Kauf. Gern macht sie diese Experimente zwar nicht wie sie sagt, aber ohne sie könne es keine Forschung geben. Allerdings sollten die Versuche „nie zur Routine werden“. Senns Engagement in Wien hat jedoch nicht nur berufliche, sondern auch private Gründe, denn die Immunologin ist mit einem Österreichier liiert. „Sechs Jahre pendeln zwischen Wien und Zürich haben mir gereicht“, deswegen packte sie das Intercell-Angebot beim Schopf, die klingenden Namen Hengartner und Zinkernagel ebneten dabei den Weg. In den zwei Jahren seit ihrem Firmeneintritt legte sie eine fulminante Karriere hin, denn heute ist Senn Abteilungsleiterin und hat ein Dutzend MitarbeiterInnen unter sich. Menschen anzuleiten sei eine völlig neue Erfahrung, für die sie nie ausgebildet worden sei. Von TierpflegerInnen bis zu ForscherInnen musste sie anfangs unterschiedlichste Menschen unter einen Hut bringen, doch nun sind alle ein „wirklich gutes Team“.

Schleichende Verösterreicherung

Für ihren Werdegang kommen ihr auch ihre Jugenderfahrungen als Leistungsschwimmerin zugute, wo sie täglich in der Morgendämmerung ins kalte Wasser springen musste und der Schulstress nebenbei einherlief. „Ich habe damals gelernt, mir meine Zeit gut einzuteilen und sehr effizient zu sein“, beschreibt sie den Benefit des Leistungssports. Auch ihr präziser Schweizer Arbeitsrythmus komme ihr zu Hilfe. Denn in Wien geht alles ein bisschen langsamer, meint Senn schmunzelnd. Ihre Liebe zum Sport verfolgt sie in ihrer Freizeit weiterhin, und trainiert dabei alles, „was sich grad ergibt“, gerne fährt sie am Wochenende raus aus Wien und bewegt sich in der Natur. Das Leben außerhalb des Jobs ist der Forscherin sehr wichtig, vor allem, seit sie mit ihrem Lebensgefährten einen Grund erstand und nun zur gut österreichischen Häuslbauerin avancierte. Auch sonst entrinnt sie der Wiener Gemütlichkeit auf Dauer nicht, wie es scheint: „Ich will keine Karriere um jeden Preis“, erklärt sie im Zuge des Gesprächs, „ich brauche mein Privatleben und schaue, dass ich da eine gescheite Balance krieg.“

„Ich war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta