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Agata Sanak-Oberndorfer

  • Ausbildung: Studium der Betriebswirtschaft und Bergbaukunde, Berg- und Hüttenakademie Krakau, Polen
  • Gründerin von „Mine-IT“, 2003
  • Branche: Bergbau


„Wir machen aus Steinen Gold. Ich liebe den Bergbau. Wir sind die Makrotechnolgie, wir sind zwar nicht in den Schlagzeilen, aber man braucht uns.“

In den Eingeweiden der Berge

Agata Sanak-Oberndorfer ist die einzige Bergbauplanerin Österreichs, möchte die Branche zur elektronischen Datenerfassung führen, macht sich gerne schmutzig und erklimmt Berge, wenn sie sie nicht gerade abbaut.

 

„Frauen auf Traktoren“ platzt Agata Sanak-Oberndorfer heraus und schaut dabei todernst. „Ja, Frauen auf Traktoren, das waren vor Jahrzehnten diese Plakate in Polen – warum lachen Sie?“ Die gebürtige Polin Agata Sanak, angeheiratete Oberndorfer, sinniert gerade darüber, warum im Osten eine Frau als Bergbauingenieurin nicht weiter auffiel. Im Gegensatz zu Leoben bei Graz, wo man sie an der Uni anschaute, als käme sie nicht von Polen, sondern vom Mond. Heureka-artig fallen ihr diese früheren Plakate aus ihrer Heimat ein – das sagt doch alles, oder, Frau und Maschine, das wurde eben propagiert damals. Irgendwie will man bei jedem dritten ihrer Sätze herausprusten vor Lachen, denn Agata Sanak-Oberndorfer hat Witz, Pfiff und nimmt sich selbst nicht nur tierisch ernst. Egal, ob es um die Liebe zum Bergbau geht oder um mineralische Rohstoffe, die die Wiege der industrialisierten Menschheit darstellen – vom Lippenstift über das Papierblatt bis zum Computer: „Alles was uns umgibt kommt aus dem Bergbau oder der Landwirtschaft“ sagt sie und trommelt dabei auf die Kunststoffbeschichtung des Schreibtisches, die ebenfalls der Makrowelt entstammt. Der Ursprung unserer zivilisierten Welt liegt in diversen Lehm- oder Quarzgruben, Steinbrüchen oder Bergwerken. Agata Sanak-Oberndorfer singt ein Hohelied auf die Makrotechnologie – und auf den Bergbau, dessen schmutzige Höhlenhaftigkeit sie liebt. Eine angenehme Portion Selbstironie, gepaart mit Jovialität und Unkompliziertheit – eine Frau, der man gerne zuhört.

Von Krakau nach Leoben

Sie hat ihre Schulzeit in Auschwitz absolviert und sich dann „aus Technikbegeisterung“ fürs Bergbaustudium entschieden. „Meine Mutter war am Boden zerstört darüber, mein Vater auch – was soll bloß eine Frau im Bergbau - aber ich war eben nie ein mainstream-Girl“, erinnert sie sich an die verwunderten Reaktionen daheim, die sie jedoch nachvollziehen kann: „Haben Sie schon einmal eine Frau gesehen, die einen 200 Meter langen Kohlenstreb durchschreitet – Sie werden kaum erkennen, dass das eine Frau ist“, schildert sie aus dem Leben gegriffene Beispiele ihres Berufsalltags. Gewisse berufliche Begleiterscheinungen müsse man sich eben zumuten. Nach Leoben kam sie über ein Forschungsstipendium, sechs Jahre lang arbeitete sie als Assistentin am Institut für Bergbaukunde: „Ich war die erste und damals einzige Frau am Institut.“Geblieben ist sie aufgrund ihrer Heirat mit einem Bergbauwissenschafter. Als ihre AssistentInnenstelle abgelaufen war, gründete sie im Jahr 2003 ihr eigenes Unternehmen „Mine-IT“, das sich in erster Linie der Anwendung von IT im Bergbau widmet. „Im Bergbau haben die Unternehmen noch wenig in die Digitalisierung investiert. Wir unterstützen sie dabei, einen Standard zu erzielen, der in der restlichen Industrie schon längst erreicht ist“, erklärt Sanak-Oberndorfer ihre Mission.

Die einzige Frau, die Bergbau plant

Sie ist auf computerunterstützte Bergbauplanung spezialisiert und bietet ihren Kunden verschiedene individuell zugeschnittene Softwareprogramme in den Bereichen Bergbau und Datenmanagement: Verwaltung und Analyse der Daten des Tagebaugeschehens sowie geologische Modellierungen u.s.w. Diese Programme werden ständig weiterentwickelt, deswegen stellt Mine-IT den Kunden auch langfristigen Support und Beratung zur Verfügung: „Das Softwaresystem lebt und dementsprechend meine Firma auch“, beschreibt die Jungunternehmerin ihre Tätigkeit. Zu ihren KundInnen zählt die rohstoffgewinnende Industrie, also Zementwerke, Steinbruch-, Lehm- und Quarzgrubenunternehmen. Ihr Job sei „in erster Linie viel harte Arbeit“. Ihr Frausein käme als Erschwernis hinzu, denn das habe es in der Branche bisher nie gegeben: „Es ist sicher unüblich, eine Frau Bergbau planen zu lassen“, erklärt Agata Sanak-Oberndorfer. Besonders schwer sei es, das Vertrauen von Familienunternehmen zu gewinnen, die seien konservativer als große Konzerne. „Die Leute sehen mich zuerst als Frau. Aber wenn ich das kommentarlos überspringe und mit meinem Wissen überzeuge, bin ich drin.“ Ein langsamer Aufstieg sei es bisher gewesen, „Frauenunternehmen wachsen angeblich langsamer, aber stabiler – das trifft auf uns vollkommen zu.“

Berufliche Nischen abdecken und in Thailand klettern

Auf ein Frauennetzwerk kann sie nicht zählen, weil sie österreichweit die einzige weibliche Bergbauunternehmerin ist. Mit ihrer Firma versucht sie derzeit, Marktnischen abzudecken, sich auf jene Bereiche zu spezialisieren, die für große Konzerne uninteressant sind: „Das zählt zur Strategie meines Unternehmens, ich möchte nicht in einen Verdrängungswettbewerb mit den Big-Playern eintreten“. Mit dem eingeschlagenen Weg ist sie jedenfalls zufrieden: „Das hier ist Leben. Mich reizt die Vielfalt. Der Berg ist einfach meine Leidenschaft“, so Sanak-Oberndorfer. Und wenn sie die Berge nicht gerade von Berufs wegen aushöhlt, dann erklimmt sie sie. Denn die Unternehmensgründerin ist begeisterte Bergsteigerin und reist dafür nach Thailand ebenso wie nach Frankreich oder Griechenland. „Wenn ich nicht arbeite, dann klettere ich.“ Denn dabei sei man völlig im Hier und Jetzt und könne vom Berufsalltag abschalten, wobei es auch Gemeinsamkeiten gebe: „Beim Klettern muss man sich aufs sichere Weiterkommen konzentrieren, so ist es im Berufsleben auch.“

„Wenn man einen männerdominierten Beruf ergreift, wird man verwundert angesehen. Aber ich möchte über Leistung und Qualität Anerkennung erhalten, nicht, weil ich eine Frau bin.“

Leider ist Agata Sanak-Oberndorfer im Zuge eines Bergunfalls im April 2007 verstorben.

Interview und Portrait: Teresa Arrieta