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Doris Steinmüller-Nethl

  • Ausbildung: Studium der Physik an der Universität Innsbruck
  • Position: Geschäftsführerin der r-BeSt coating GmbH, Steinach
  • Branche: Forschung und Entwicklung im Bereich Naturwissenschaften

Die Freiheit, Projekte zu verfolgen, die einem wichtig sind

Glaubt man dem Klischee eines alten Songs, dann sind Diamanten der beste Freund einer Frau. Für Doris Steinmüller-Nethl leisten diese Edelsteine tatsächlich wertvolle Dienste, jedoch nicht als Schmuckstück, sondern als Werkstoff. Denn gemeinsam mit ihrem Mann hat sie in Tirol die Firma r-BeSt coating GmbH gegründet und eine patentierte Methode zur Diamantbeschichtung entwickelt.

„Schon während des Studiums hatten ich und mein Mann die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das physikalisches Know-how anderen Betrieben zugänglich macht, etwa kleinen Betrieben, die sich das nicht leisten können.“ Gemeinsam mit ihrem Mann, den sie schon seit der Schulzeit kennt, begann sie nach dem Physikstudium im Keller Forschung und Entwicklung zu betreiben. Mit Unterstützung des Forschungsförderungsfonds konnten sie erste Projekte realisieren und gründeten 1996 ihre Firma. Ihre Konzentration galt insbesondere atomarem Wasserstoff. Sie stießen dabei auf dessen besondere Eignung zur Erzeugung von Diamantschichten und entwickelten ein Verfahren, mit dem Diamant in höchster Qualität reproduziert und in industriellem Maßstab hergestellt werden kann. „Es gibt viel, was man mit Diamanten machen kann“, erzählt sie begeistert, „zum Beispiel  Mikrochips herstellen, die für die Krebsfrüherkennung sehr gute Ergebnisse liefern können.“

Der Werkstoff Diamant ist chemisch stabil, biokompatibel und erlaubt unterschiedlichste Anwendungen in verschiedenen Segmenten. Während im Bereich Elektronik und Life Science noch Forschungs- und Entwicklungsaufwand geleistet werden muss, haben sich mittlerweile Luxusgüter und vor allem Verschleißschutz, also der Schutz von Werkzeugen und Instrumenten, als Hauptgeschäftsfelder entwickelt. „Es ist wichtig zu beobachten, was am Markt passiert“, erklärt Doris Steinmüller-Nethl. Deshalb arbeitet ihre Firma auch ständig an Forschungsprojekten in österreichischen und in EU-Programmen mit. Die Partner für diese Projekte sucht Doris Steinmüller-Nehtl zusammen. Eine Vision von ihr ist es, mit den Unternehmen im Nano-Diamant-Network (NaDiNe) ein Nano-Zentrum mit kristallinen Schichten in Tirol aufzubauen. Sie ist auch für das strategische Management der Firma zuständig, wobei das Ziel nicht so sehr Wachstum als vielmehr der Zusammenschluss mit strategischen Partnern ist. „Sonst verliert man die Flexibilität, die ja ein großer Vorteil eines Kleinbetriebes ist, die Freiheit, Projekte zu verfolgen und das zu entwickeln, was tatsächlich gebraucht wird.“

 

Faszination für Umwelt und Natur

Von Physik war Doris Steinmüller-Nehtl schon immer angetan. „Ich wollte verstehen, was sich in der Umwelt und der Natur abspielt.“ Die meisten Leute finden das faszinierend, jedoch wird es in der Schule meistens nicht gut aufbereitet, meint sie. Deshalb vermittelt sie dieses Wissen gerne als Gastreferentin. „In der Klasse meiner jüngsten Söhne habe ich Feuer und Licht, Wasser und Eis demonstriert. Es ist so faszinierend zu sehen, wie die Kleinen staunend gescheite Fragen stellen.“ Mehr Verständnis ist möglich, dazu bedarf es nur des Engagements der LehrerInnen, ist sie überzeugt.

 

Im Betrieb ist immer viel los, einmal kommt die Delegation eines japanischen Diamantzentrums zu Besuch, ein anderes Mal fährt sie für eine Präsentation nach Schweden. Damit sie auch Zeit für die drei Kinder hat, verlegt sie das Arbeiten oft in die Nacht. Für Erholung bleibt momentan kaum Zeit, räumt sie ein. „Es gibt zwei, drei Projekte, die wichtig sind, wenn die was werden, dann sind wir ein großes Stück weiter. Voller Einsatz ist gefordert, da kann ich nicht sagen: ich fahre jetzt in Urlaub.“ Beim Aufbau eines Unternehmens gibt es schon auch große Durststrecken und schlaflose Nächte, gibt sie zu. „Ängste gibt es, denen muss man sich stellen.“ Durch die gemeinsame Arbeit mit dem Ehemann gibt es keine Trennung zwischen Privatleben und Beruf. Die Zusammenarbeit erweist sich aber gerade in schwierigen Phasen als großes Plus. „Wir haben das Ziel nie aus den Augen verloren, uns gegenseitig unterstützt und motiviert.“

 

Und zum Glück stellen sich ja auch Erfolge ein, die die Mühe lohnen. Zunächst einmal die Gewissheit, „dass man die Dinge, die ich entwickelt habe, zum Wohle der Menschheit einsetzen kann, insbesondere in der Krebsfrüherkennung und der Behandlung von Diabetes-PatientInnen“. Und auch die Zufriedenheit der 21 MitarbeiterInnen erfüllt sie mit Stolz: „Einmal hat ein Mitarbeiter gesagt: ‚Das ist ja wie ein Sechser im Lotto, bei euch zu arbeiten’“, erzählt sie lachend.

 

Möglichkeiten für neue Wege

Dass sie als Frau in einer männlich geprägten Branche tätig ist, hat sie nie als Problem empfunden. Beim Studium waren am Anfang drei Frauen und 50 Männer, am Schluss blieb nur noch sie übrig. Bei KundInnen spürt sie schon manchmal Vorbehalte, dann versucht sie, „durch Gespräche und das Runterbringen auf die Sachebene diese Vorurteile auszuräumen“. Nach wie vor sind jedoch Familie und Beruf ein Haupthindernis für die Karriere von Frauen, ist sie überzeugt. Weil es auch in ihrem Wohnort zu wenige Kinderbetreuungsplätze gab, hat sie kurzerhand mit zwei anderen Frauen einen Mittagstisch initiiert.

„Da muss mehr geschehen. Es kann nicht sein, dass das nur durch Eigeninitiative leichter wird, es sollte selbstverständlicher werden“, betont sie und appelliert an die Politik, statt leerer Worthülsen tatsächlich Betreuungsstätten zu produzieren.

Jungen Frauen rät sie, sich klar zu werden, was sie wollen und dann konsequent das Ziel zu verfolgen. Selbständigkeit sieht sie nach wie vor als viel versprechende Perspektive: „Ein eigener Betrieb bindet viele Ressourcen, aber es gibt auch mehr Möglichkeiten, neue Wege einzuschlagen."

„Wenn man Ideen hat, bietet die Selbständigkeit die beste Möglichkeit, diese zu realisieren.“

Interview und Portait: Anita Zieher