Jetzt einreichen: "Digital Pro Bootcamp" - Neue IT-Qualifizierungsförderung mehr...

Neue Initiativen für Gründerinnen & Forscherinnen von INiTS mehr...

Laura Bassi 4.0 - Frauen gestalten chancengerechte Digitalisierung: 1. Ausschreibung startet am 19.10.2018 mehr...

29.10.2018: FEMtech Netzwerktreffen "Ist Diversität der Ersatz für Gender?", Wien mehr...

Heide Zeiringer

  • Ausbildung: Meisterprüfung für Gas-, Wasser- und Zentralheizungsbau
  • Position: Geschäftsführerin der Zeiringer GesmbH in Murau, Steiermark
  • Branche: Gas-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungs- und Klimaanlageninstallation

Ein Gespür dafür, was stimmt

Pionierarbeit ist Schwerstarbeit. Davon kann die Steirerin Heide Zeiringer ein Lied singen. Als sie vor einigen Jahren in einem Nebensatz öffentlich äußerte, sie wolle mit ihrem Installationsunternehmen in Murau in Zukunft keine Ölheizungen mehr in Neubauten einbauen, war die Aufregung groß. „Ich wollte nicht einfach ein Installationsunternehmen sein, das Heizungen einbaut, sondern das sich schon auch Gedanken macht." Lange Zeit bemühte sie sich, sowohl die MitarbeiterInnen als auch die KundInnen und PolitikerInnen von der Richtigkeit ihres ökologischen Ansatzes zu überzeugen. „Ich wollte nicht länger Ölheizungen einbauen, wo wir in einer Gegend leben, die nur so vor Bäumen strotzt, nur weil es so günstig und so einfach ist. Und ich habe dann begonnen, mich in diese Richtung zu spezialisieren." Die Entwicklungen auf dem Ölmarkt geben ihr längst Recht, zum ökologischen Aspekt ist auch der Kostenfaktor hinzugekommen.

Mittlerweile ist es ihr gelungen, drei weitere Installationsbetriebe ins Boot zu holen und die Gruppe der „NaturinstallateurInnen" zu formieren. „Den Weg habe ich bereitet, aber ich bin natürlich auch froh, dass ich diesen Nimbus der Spinnerin ein wenig weggekriegt habe. Nach dem Motto: Einer spinnt immer. Wenn es vier sind, dann ist es nicht schlimmer, sondern dann muss wirklich was dahinter stecken." Dass ihre Ideen viel Voraussicht beweisen, haben auch die VertreterInnen des Bezirks erkannt. An der Entstehung der Bio-Region in Murau hat sie von Anfang an maßgeblich mitgearbeitet. Bei der Entwicklung der Energievision für den Bezirk mit dem Ziel, ab 2015 energieautark zu sein, war sie ebenfalls aktiv dabei. Sie ist stolz, dass das Unternehmen Zeiringer sich im Bezirk „einen echten Namen gemacht hat, nachhaltig zu arbeiten und zu wirtschaften." Mehrere Auszeichnungen sind ein weiterer Beweis für die Anerkennung ihres Engagements.

Glück, Konsequenz und Kompetenz

Das sei schon auch eine Glücksache gewesen, gibt sich Heide Zeiringer zurückhaltend. Mit Glück allein ist eine erfolgreiche Firma jedoch nicht zu führen. Ihr Vorgehen zeugt von einem hohen Ausmaß an Konsequenz und Risikobereitschaft, die sie auf ihre Neugier und Furchtlosigkeit zurückführt. Eine gewisse finanzielle Stabilität gebe ihr darüber hinaus die Sicherheit, Neues ausprobieren zu können. Auch wenn sie von sich behauptet, „durch Faulheit" sei sie zum Beruf gekommen, weil sie das Gymnasium abgebrochen hat. „Da war ich halt gerade mitten in der Pubertät und hab’s gut sein lassen." Also ist sie in den Familienbetrieb als Bürokauffrau und Lehrling eingestiegen. Irgendwann war klar, dass sie anstelle des Bruders den Betrieb übernehmen würde. Sie besuchte zunächst als außerordentliche Schülerin die Berufsschule für den Gas-, Wasser- und Zentralheizungsbau und begann danach mit der Vorbereitung auf die Meister- und die Konzessionsprüfung. „Das war ein recht langwieriger und mühsamer Weg. Da war mein Vater beinhart, er hat es mir nicht ermöglicht, dass ich das in einem Zug mit Tageskursen erledige, sondern ich hab das nebenbei machen müssen."

 

Die Übernahme des Betriebs vom Vater, das Umsetzen eigener Ideen sei ein schwieriger Prozess gewesen, bei dem sie auch öfter „auf die Nase gefallen" sei, was sie aber auch stark gemacht habe, sagt sie. Als Installationsmeisterin hat sie alle technischen Prüfungen absolvieren müssen, was sich insbesondere im Umgang mit den großteils männlichen Mitarbeitern als Vorteil erwiesen habe. Denn nachdem sie einmal einem Mitarbeiter auf der Baustelle gezeigt hat, wie eine gute Schweißnaht auszusehen habe, wussten die Leute im Betrieb nachher, „der kannst Du nichts vormachen, die kennt sich aus." Wobei es auch geholfen habe, dass sie „den rüden Ton der Männer" annahm, um sich Respekt zu verschaffen. Von Vertretern gebe es schon öfter Vorurteile, weil sie eine Frau ist, denen sei sie aber mit fachlicher Kompetenz beigekommen, sagt sie. Überhaupt habe ihr der logische Hausverstand oft im Geschäftsleben geholfen, „ein Gespür dafür, was kann stimmen und was nicht."

Das Controlling ist Teil des Aufgabenbereichs der Firmeninhaberin. „Ich schaue, dass die Zahlen stimmen und dass wir nicht vom Weg abkommen." Zum Weg gehört auch, dass sie ihrem Unternehmen ein Profil, insbesondere in Richtung Biomasse gegeben hat, verschiedenen Standorte auf einen zusammen gelegt hat, den Kontakt zu den Bürgermeistern in der Region hält und „einfach versucht, zu sagen, wie wichtig es ist, dass man in Richtung nachhaltiges Wirtschaften geht".

Nachhaltig einen Namen gemacht

Das Prinzip der Nachhaltigkeit beinhaltet auch die soziale Komponente, die Heide Zeringer in die Betriebsführung einfließen lässt. Von Kostenreduktion beim Personal hält sie nicht viel. „Ich muss sagen, mir ist es wichtig, dass unterm Strich nichts Rotes steht, sondern dass diese Zahl noch schwarz ist. Aber es ist mir viel wichtiger, dass jeder meiner MitarbeiterInnen mit Freude in den Betrieb kommt, sich einmal einen Plausch erlauben kann, sich erlauben kann, krank zu sein, auf Urlaub zu gehen, ohne dass sie dann hinterher zurückkommen und sofort der Urlaubswert weg ist, weil sie alles aufarbeiten müssen." Für sie selbst zählt zur Lebensqualität, dass sie rund 36 Stunden in der Woche arbeitet und so ihre Freizeit genießen kann, auch mal faul sein darf. Wenn sie später einmal mehr Zeit hat, möchte sie wieder mit dem Klavierspielen beginnen und sich kreativen, künstlerischen Aktivitäten widmen. Auf eine Familie habe sie bewusst verzichtet, sagt sie, weil sie für sich nicht gesehen habe, wie sich Beruf und Kinder vereinbaren lassen könnten. Auf die Frage, was sie einer jungen Frau als Rat mitgeben würde, antwortet sie: „Grundsätzlich ist alles möglich, wenn man es in die Hand nimmt."

„Ich bin stolz, dass sich das Unternehmen Zeiringer einen echten Namen gemacht hat, nachhaltig zu arbeiten und zu wirtschaften, und dass wirklich mittlerweile fast alle im Unternehmen dahinter stehen, es verstehen und für gut heißen."

Interview und Portait: Anita Zieher