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Monika Bukovnik

  • Ausbildung: Studium Maschinenbau, Studienzweig Verfahrensingenieurwesen, an der TU Wien
  • Position: Geschäftsführerin von psiA-Consult GmbH
  • Branche: Forschung und Entwicklung im Bereich Naturwissenschaften

Es ist eine Rolle, in die man hineinwächst

Nah an ihren Kindheitsträumen ist Monika Bukovnik in ihrer Berufswahl geblieben. „Eisenbahnspielen hat mich schon immer interessiert, Flugzeugspielen auch." Sie ist zwar nicht Lokomotivführerin oder Pilotin geworden. Aber dafür arbeitet sie mit ihrer Firma psiA-Consult mit Zügen und Flugzeugen in den Gebieten „Schall und Rauch" und führt akustische Messungen bei Eisenbahnen und Schadstoffemissionsberechnungen bei Flugzeugen durch.

Für eine Frau, noch dazu mit einer Brille, gab es damals keine Chancen auf die Ausbildung zur Berufspilotin. Deshalb war das Maschinenbaustudium die nahe liegende Alternative. Der Hang zur Technik liegt offenbar in der Familie: der Vater promovierte in Elektrotechnik, ihr Bruder studierte ebenso wie sie Maschinenbau. Von ihm habe sie viel profitiert beim Studium, die geschwisterliche Rivalität sei dabei auch ein Ansporn für sie gewesen, sagt sie.

Aus ihrem ersten Job nach dem Studium hat sich für Monika Bukovnik auch gleich die Möglichkeit einer betrieblichen Partnerschaft ergeben. Der damalige Leiter eines Zivilingenieurbüros wollte sich neu orientieren und fragte sie, ob sie mit ihm eine GmbH gründen wolle. Dank einer Erbschaft war Geld für die Einlage vorhanden und so nahm sie die Herausforderung einer Firmengründung und Geschäftsführungstätigkeit an.

Instinkt für erfolgversprechende Entwicklungen

Den Firmennamen psia-Consult leiteten sie von der Psychoakustik ab, einem Spezialgebiet der Akustik, auf das sich der Betrieb ursprünglich konzentrierte, weil es zu dieser Zeit ein großes Thema war. Mittlerweile arbeiten sie hauptsächlich im Bereich des klassischen Lärmschutzes, ein Schwerpunkt liegt bei Eisenbahnlärm. „Es bringt nichts, wenn ich überall eine vier Meter hohe Lärmschutzwand baue. Um den Eisenbahnlärm leiser zu machen, muss man dort ansetzen, wo er entsteht, beim Kontakt Rad-Schiene", erklärt sie den Ansatz ihrer Forschungstätigkeiten. Ihre Firma führt auch Messungen durch, beispielsweise bei neuen Entwicklungen wie dem Low Noise Train, einem besonders leisen Güterwaggon. Die Begeisterung für die Forschungstätigkeit ist ihr anzumerken. „Am meisten Spaß machen die Messungen und Analysen neuer Entwicklungen, wenn man sieht, ob das gewünschte Ergebnis eingetroffen ist".

 

In der Geschäftsführung widme sie sich jetzt nur mehr teilweise der Projektarbeit und überwiegend den administrativen und Controlling-Tätigkeiten. Wobei sie die Fähigkeiten, die sie dafür braucht weniger durch das Studium als durch „learning by doing" erworben habe, erzählt die lebensfrohe Frau. Dazu gehörte auch, einen Instinkt für erfolgversprechende Entwicklungen zu beweisen, wie beispielsweise beim Ankauf eines Schienenrauigkeitsmessgeräts für die Analyse von Lärmwerten. Da nicht viele Firmen über ein solches Gerät verfügen, würden sie nun auch nach Deutschland, in die Schweiz und nach Griechenland zu Aufträgen gerufen. Trotz dieser erfreulichen Nachfragen sei ihr Ziel für das Unternehmen primär jedoch nicht Wachstum, sondern Stabilität. Die Firma mit den sechs MitarbeiterInnen, die sie vom ursprünglichen Betrieb übernommen haben, besitze die richtige Größe. „Manche Entwicklungen kann man nicht vorher sagen. Da ist Flexibilität gefragt, und das ist auch der Vorteil eines kleinen Betriebs. Wenn ich mich nicht an den Markt anpassen kann, dann brauche ich auch keine Firma zu gründen."

 

Von der Mitarbeiterin zur Firmeninhaberin aufzusteigen erforderte ein Umdenken, von ihr wie auch von den MitarbeiterInnen und dem Geschäftspartner, erzählt Monika Bukovnik. „Am Anfang habe ich selber auch irgendwie damit gekämpft, weil ich die Rolle nicht wirklich kannte und den Überblick nicht hatte. Es ist doch eine Rolle, in die man hineinwächst." Auch die Zusammenarbeit mit dem Firmenpartner musste erst reifen. Dass das gelungen sei, mache sie besonders stolz. Bei ihren MitarbeiterInnen zähle für sie, dass sie sich auf sie verlassen könne. „Da geht es nicht um Arbeits- oder Kernzeiten, sondern dass sie dann, wenn sie gebraucht werden, auch die Leistung bringen, dass sie Eigeninitiative haben und auch selbst erkennen, was jetzt wichtig ist und was zu tun ist."

Klarheit von Anfang an

Mit Vorurteilen von KundInnen, weil sie eine Frau ist, sehe sie sich in ihrer Funktion nicht konfrontiert, was sie im technischen Bereich gewundert habe. Das Alter spiele im Hinblick auf Akzeptanz eher eine Rolle, denn „jemand Jungen nimmt man nicht so ernst."

Sich selbst beschreibt sie als „Selbstdarstellerin", die sich gerne vorne hinstellt, Vorträge hält und auf Tagungen fährt. „Auch wenn der erste Vortrag, den ich gehalten habe, fürchterlich in die Hosen gegangen ist, aber da muss man durch." Besonderen Spaß mache es ihr, unterwegs zu sein, mit den Leuten zu reden – und ihre eigene Chefin zu sein. „Sozusagen das ganze Paket wirklich selbst in der Hand zu haben und nicht jemanden um etwas bitten zu müssen, sondern sagen zu können: das gefällt mir oder das werden wir verändern." Aus ihrer eigenen Erfahrung hält sie es für besonders wichtig, als junger Mensch, flexibel und hartnäckig zu sein.

Von Anfang an habe sie ihrem Geschäftspartner klar gemacht, dass sie weiterhin Teilzeit arbeiten wolle, um Zeit für sportliche Aktivitäten wie Bergsteigen, Klettern, Radfahren und Schifahren zu haben. Sie hatte auch angekündigt, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt einmal ausfallen werde – zur Familiengründung. „Da jetzt zwei Kinder auf einmal kommen, falle ich weniger lang aus", erzählt sie lachend von den Zwillingen, die sie erwartet. Der Veränderung sieht sie mit realistischer Gelassenheit entgegen. „Am Anfang falle ich wohl komplett aus, weil das sicher sehr intensiv wird, aber dafür bin ich relativ früh wieder da." Mit dem Lebenspartner habe sie vereinbart, die Kinderbetreuung aufzuteilen, wobei er den größeren Anteil übernehmen werde, da er eine größere berufliche Flexibilität habe als sie. .Ihren Partner hat Monika Bukovnik übrigens in einem Flugsportverein kennen gelernt dem sie beigetreten ist, nachdem sie in den USA den Privatpilotenschein gemacht hat und sich somit ihren Kindheitstraum vom Fliegen verwirklicht hat.

„Erfolg bedeutet für mich, sich rundum wohl zu fühlen. Nämlich sich wohl zu fühlen, wenn ich ins Büro fahre oder wenn ich nach Hause komme. Und wenn es wirklich funktioniert, die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bringen und dabei nichts und niemand zu kurz kommt."

Interview und Portait: Anita Zieher