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Agnes Pockels [1862–1935]


„... was Millionen von Frauen täglich mit Unlust sehen und beschäftigt sind, hinwegzuputzen – das fettige Abwaschwasser – das regte diese Eine zu Beobachtungen und schließlich zur wissenschaftlichen Bearbeitung einiger Fragen an.“
(Elisabeth Pockels, Agnes Pockels’ Schwägerin)
 
Forschungsgebiet: Chemie
Erfindung(en): Pockel’scher Trog, Messung von Oberflächenspannung
Nationalität: Italien (später Deutschland)
 
Wissenswertes:
Agnes Pockels wurde in Venedig geboren. Als sie neun Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Braunschweig. Ihr Interesse galt schon früh den Naturwissenschaften. Sie beendete die Schule zu einer Zeit, als es für Frauen noch nicht möglich war, an einer Universität zu studieren. Als einige Jahre später die Immatrikulation für Frauen möglich war, musste sie ihre kranken Eltern pflegen. Durch ihren drei Jahre jüngeren Bruder Friedrich, der an der Universität Göttingen studierte, besorgte sie sich wissenschaftliche Literatur und lernte autodidaktisch. In der eigenen Küche führte sie Experimente zur Oberflächenchemie durch. Vermutlich machte sie ihre ersten Beobachtungen beim täglichen Abwasch und fand auf diese Weise ihr Forschungsgebiet: die Auswirkungen der Verunreinigung von Wasseroberflächen auf die Oberflächenspannung. In den darauf folgenden Jahren forschte sie in diesem Bereich. Sie entwickelte ein Vorläufermodell der Langmuir-Filmwaage (Irvin Langmuir entwickelte Pockels „Schieberinne“ weiter und erhielt 1932 für seine Arbeiten den Nobelpreis), den so genannten Pockel’schen Trog, um reine Wasseroberflächen herzustellen, die Änderungen der Oberflächenspannung schnell und genau messen konnten, und veröffentlichte das erste Schubflächendiagramm von Stearinsäure. Aufgrund ihrer Isolation hatte Agnes Pockels zunächst keine Möglichkeit, ihre Befunde zu veröffentlichen. Nachdem ihre Briefe über die Veränderbarkeit der Oberflächenspannung an die Professoren der Universität Göttingen unbeantwortet blieben, stieß sie 1890 auf einen Bericht des englischen Physikers Lord Rayleigh über ähnliche Versuche und Berechnungen, die sich mit den ihren deckten. Sie schrieb ihm einen Brief, in dem sie ihre Versuchsanordnung und ihre Ergebnisse erläuterte. Rayleigh erkannte Agnes Pockels Arbeiten an und setzte sich persönlich dafür ein, dass sie 1891 in der renommierten Wissenschaftszeitschrift „Nature“ veröffentlichen konnte. Mit ihren Arbeiten legte sie die Grundlage für die quantitative Erforschung von Oberflächenfilmen. Nach diesem Durchbruch folgten weitere Veröffentlichungen in „Nature“, und auch in Deutschland wurde man auf sie aufmerksam. Spät in ihrem Leben erhielt sie die ihr gebührende wissenschaftliche Anerkennung. 1931 sprach ihr die Kolloid-Gesellschaft, zusammen mit Henri Devaux, den Laura Leonard-Preis zu und die Technische Hochschule Braunschweig verlieh ihr 1932 die Würde eines „Doktor-Ingenieurs Ehren halber“.