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Gertrude Blanch (geborene Gittel Kamowitz) [1897-1996]


„Nur wenigen Mathematikern und Informatikern wird der Name Gertrude Blanch ein Begriff sein. Dabei ist sie wie niemand anderes auf der Welt ein Sinnbild für den Übergang von handgesteuerten Rechenautomaten zu modernen Computern.“
(Susanne Fiedler, userchannel, internet) 

Forschungsgebiet: Mathematik, Informatik
Erfindung(en): wichtige Beiträge zur Entwicklung der Computer(programmierung)
Nationalität: Polen (später USA)
 
Wissenswertes:
Gertrude Blanch wurde als Gittel Kamovitz in Polen geboren. Ihr Vater floh vor den Judenprogromen in die USA und holte 1907 die Familie nach New York. Ihre große mathematische Begabung war von klein an offensichtlich und bereits mit zehn Jahren erklärte Gertrude Blanch, dass sie Mathematikerin werden wollte. Als sie mit siebzehn die Schule beendete, starb ihr Vater, somit war ein Studium nicht finanzierbar. Sie musste eine Bürotätigkeit in Manhattan annehmen, auch um ihre Mutter und ihre Schwester zu unterstützen. Gertrude Blanch sammelte Literatur über maschinengestützte Rechenmethoden, ohne zu ahnen, wie wichtig sie einige Jahre später für sie sein würde. Sie arbeitete für verschiedene Firmen, stieg trotz fehlender College-Ausbildung auf und war zuletzt in einem großen Hutmacher-Konzern für Buchhaltung, Finanzen und Planung zuständig. In all den Jahren sparte sie für ein Studium. Von 1928 bis 1932 studierte sie schließlich Mathematik und Physik, 1935 beendete sie das Studium mit der Promotion an der Cornell University. Bei einem Weiterbildungskurs lernte sie 1938 einen der Planer des Mathematical Tables Project kennen, der sie umgehend als technische Direktorin einstellte. In der Planungsrunde des Projekts hatte niemand außer Blanch Erfahrung mit Rechenarbeit und innerhalb kurzer Zeit gelang ihr eine einzigartige Verknüpfung von theoretischer, angewandter und Wirtschaftsmathematik. Bereits nach einem Jahr machten die Ergebnisse Furore in der Wissenschaftswelt und Gertrude Blanch wurde zur führenden Rechenexpertin. Im Zweiten Weltkrieg erhielt das Projekt Aufgaben von Army und Navy. Sie war Chefberaterin der US-Regierung in Fragen der Angewandten Mathematik und beriet vielfach bei der Einrichtung der neuen elektronischen Großrechnerprojekte. Im Zuge dessen begann sie, die Literatur zum wissenschaftlichen Rechnen zu systematisieren, verfasste zugleich ein Buch zur numerischen Analysis und schuf damit eine wichtige Grundlage für die Computerprogrammierung. Gertrude Blanch blieb jedoch immer mehr die Theoretikerin im Hintergrund, die die Grundlagen für viele Berechnungen an elektronischen Computern lieferte, beratend tätig war, die aber die praktische Umsetzung anderen überließ. 1953 geriet sie mit KollegInnen in die Antikommunismus-Hysterie mit den McCarthy-Verfolgungen und das gesamte Institut wurde geschlossen. Ein Freund holte sie in ein Air Force-Projekt nach Ohio, wo sie bis zur Pensionierung 1967 wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung numerischer Verfahren in der Luftfahrtforschung leistete. Sie wurde in diesen Jahren vielfach mit Ehrungen ausgezeichnet.