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Jutta Isopp

  • Ausbildung: HTL für Elektrotechnik, Studium Wirtschaftsingenieurwesen/Maschinenbau an der Technischen Universität Graz
  • Firma Messfeld GesmbH seit 2006
  • Branche: Condition Monitoring und Industrielle Messtechnik


„Der Wiedererkennungswert als Frau dient auch dem Erfolg in meinem Beruf.“

Die Maschinendoktorin

Jutta Isopp ergründet das Innenleben von Maschinen, leitet eine boomende Firma und sucht beim Imkern Zuflucht vor dem Alltagsstress.

 

Gestern war es wieder einmal soweit: die 25 Tonnen schwere Papiermaschine vibrierte und war nicht mehr zu beruhigen. Sogleich war das Team der Firma Messtechnik zur Stelle. Sie hörten ab, untersuchten, nahmen auseinander und bauten wieder zusammen. Diagnose und Therapie standen rasch fest. „Man nennt uns die Maschinendoktoren“, sagt Firmenleiterin Jutta Isopp. Es gibt die Hausärzte in der Firma, das ist die Abteilung für Instandhaltung, sie ist zuständig für laufende Inspektionen, Wartung und Reparaturen. Wenn dieser Abteilung nicht mehr weiter weiß, wenn etwa zu starke Vibrationen auftreten oder zu hohe Temperaturen, werden die Fachärzte zu Hilfe gerufen, das ist die Firma Messfeld. Jutta Isopp und ihr Team verfügen über hochqualifiziertes Fachwissen im Bereich der Schwingungstechnik, Thermografie, Ausrichtung oder auch Wuchtung. Ihre Expertise wird in unterschiedlichsten Industriezweigen benötigt: Die Messfeld GesmbH besucht Stahlunternehmen ebenso wie Autospiegelhersteller, auch Siemens zählt zu Isopps ständigen KundInnen. Mittlerweile wird das Team bis nach Slowenien und Norditalien engagiert, denn in technischen Branchen sind Stehzeiten sehr teuer, deswegen ist promptes Handeln gefragt. „Ich liebe es, das Innenleben einer Maschine zu erkunden“, zeigt sich die Unternehmerin von ihrem Job begeistert. „Man bekommt die unterschiedlichsten Anlagen zu Gesicht. Wenn ich mich vor Ort an der Problemstelle befinde, kommuniziere ich mit Mensch und Maschine zugleich.“

Schwierige Studienzeit, erfolgreicher Jobeinstieg

Jutta Isopps technisches Talent zeichnete sich früh ab: Bereits in der Schule interessierte sich die gebürtige Kärntnerin für Mathe und Naturwissenschaften, später absolvierte sie in Klagenfurt eine HTL für Elektrotechnik. Als eines der wenigen Mädchen stand sie dort unter Beobachtung und hatte das Gefühl, sich ständig beweisen zu müssen: „Die Wettbewerbssituation ist hoch, das hat meinen Ehrgeiz geschürt.“ Danach folgte der Einstieg in die Berufswelt, auf Montage und Konstruktion, anfängliche Hürden meisterte sie souverän. „Nach dem ersten halben Jahr hatte ich als Frau keine Akzeptanzprobleme mehr.“ Schwieriger wurde es, als sie nach sechs arbeitsreichen Jahren beschloss, an der technischen Universität Graz Wirtschaftsingenieurwesen für Maschinenbau zu studieren, um sich neue berufliche Perspektiven zu erschließen. „Die Wettbewerbssituation dort war extrem, als Frau bin ich überall rausgestochen.“ Noch dazu war Jutta Isopp einige Jahre älter als ihre Mitstudenten, verheiratet und hatte gerade ein Baby bekommen. „Ich hab oft polarisiert: Wenn ich eine supergute Note bekommen hab, dann ist sie mir geschenkt worden. Bekam ich eine schlechte, dann war ich nicht gut genug. Ein Mittelmaß gab es kaum.“ Ihr Mann war ihr in dieser schwierigen Zeit eine wichtige Stütze. Nach dem Diplom ging die frischgebackene Ingenieurin zum Wälzlagerhersteller Schäffler, wo sie die Abteilung für den technischen Service und Condition Monitoring aufbaute: Sie erhob Maschinen-Messdaten über längere Zeiträume und zog daraus Rückschlüsse für den optimalen Zeitpunkt vorbeugender Instandhaltungsmaßnahmen. „Dort bin ich als einzige Frau sehr positiv aufgenommen worden, auch bei den KundInnen.“

Firmenchefin und Lehrerin

Der Sprung in die Selbstständigkeit erfolgte, als sich bei ihr und ihrem Mann der Wunsch verfestigte, in die Kärntner Heimat zurückzukehren und nahe des Wörthersees sesshaft zu werden. Das Kärntner GründerInnenzentrum „Build“ war dabei eine große Hilfe. Isopp gründete 2006 ihre Firma Messfeld, mit durchschlagendem Erfolg: Innerhalb eines Jahres entwickelte sich das Einzelunternehmen zu einer GmbH, ein Techniker und eine Sekretärin wurden eingestellt. „Wir sind kein typisches technisches Büro, sondern ein Industriedienstleister“, erklärt die Jungunternehmerin. Wir unterstützen Instandhaltung im Bereich des Condition Monitoring, vom Engeneering bis zur Implementierung und Betrieb machen wir hier alles. Der Fokus liegt vor allem auf der Schwingungsmesstechnik. Unser Kerninteresse ist, Probleme im Bereich der Instandhaltung zu lösen.“ Sie hat großen Spaß an ihrer neuen Selbstständigkeit. Die neu gewonnenen Entfaltungsmöglichkeiten und das eigenverantwortliche Tun liegen der self-made-Chefin, die „unrunderen Arbeitszeiten“ seien Vorteil und Nachteil zugleich.

Ruhe bei den Bienen finden

Ihr zweites Standbein ist die Lehre: Jutta Isopp lehrt Maschinendiagnose an der Grazer Fachhochschule für Wirtschaft. Im Studiengang Automatisierungstechnik an der Fachhochschule Kärnten arbeitet sie derzeit bei der Entwicklung neuer Studiengänge mit. Sie legt viel Wert auf die fachliche Weiterbildung der Instandhaltungsbranche: „Ich lehre wahnsinnig gern, angesichts des Facharbeitermangels, auch im Instandhaltungsbereich, ist es mir ein großes Anliegen, dass die Ausbildung voran getrieben wird.“ Das schlechte Image der Instandhalter sei derzeit im positiven Wandel: „Ein Instandhalter ist ein Wunderwuzi, ein Allrounder mit sehr breitem Wissen. Effiziente Instandhaltung ist ein enormer Gewinn für ein Unternehmen, das muss man in Zukunft den Firmen besser kommunizieren.“ Doch die Vielseitige hat noch weitere Interessen: Für ihren privaten Ausgleich hat sie die Imkerei entdeckt und ihrem gründlichen Wesen entsprechend absolviert sie derzeit eine Imker-Fachausbildung. In ihrem Tentschacher Haus am Rande von Klagenfurt steht seit zwei Jahren eine Reihe Bienenstöcke, die jedes Jahr länger wird. Beim Imkern gilt es, völlige Ruhe zu bewahren. „Ich bin sehr impulsiv und unruhig, doch das verzeihen einem Bienen nicht. Wenn man den Bienenstock öffnet und Hektik ausstrahlt, stechen sie.“ Übers Imkern hat sich die „tausend Volt-Frau“ Ruhe und Gelassenheit angeeignet. „Es ist faszinierend, zu beobachten, wie sich ein Bienenvolk entwickelt. Diese winzigen Tiere leisten Unglaubliches.“

„Steine im Weg gibt es immer, sie sind aber da um weggeräumt zu werden. Die Art und Weise, wie diese weggeräumt werden, ist der persönliche Weg, den man als Unternehmerin frei gehen kann.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta, Bente Knoll und Elke Szalai