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Vera Hammer

  • Ausbildung: Studium der Mineralogie und Kristallographie Universität Wien
  • Position: Leiterin der Mineraliensammlung und des staatlichen Edelsteininstituts
  • Wissenschaftsdisziplin: Mineralogie


„Wer heute die Karriereleiter hoch klimmen will, braucht gutes Teamwork.“

Hüterin der Schätze

Die Mineralogin Vera Hammer ist im Naturhistorischen Museum Wien Kustodin einer der größten Mineralien- und Edelsteinsammlungen Europas. Sie umschifft versteinerte Hierarchien und sieht die finanzielle Museumszukunft skeptisch.

 

Vera Hammer liebt ihren Job, steht jedoch den aktuellen Entwicklungen der ehemaligen Bundesmuseen zwiespältig gegenüber. Durch die Vollrechtsfähigkeit werden diese zwar zu mehr Wirtschaftlichkeit hingeführt, andererseits aber sei ein Museum doch kein Gewerbebetrieb: „Dieses Haus ist vom Konzept her ein Ort zum Forschen, Bewahren und Sammeln“, erklärt die Steinexpertin und aus jedem Wort klingt Leidenschaft für ihre Aufgabe. „Wir sind Ansprechpartner für Schulen und für die naturwissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit“. Wissenschaftler seien sie, keine Manager. „Soll der Botaniker jetzt selbst gesammelte Kräutertees verkaufen?“ beschreibt die Widerspenstige den schwierigen Spagat zwischen Wirtschaft und Forschung. Groß gewachsen und selbstbewusst ist sie und mitunter recht verzweifelt über die derzeitige Situation: Jahrzehnte alte Analysegeräte, ein sehr knappes Budget für Neuankäufe, „Verhältnisse, die wir vor weniger als zwanzig Jahren im Ostblock noch belächelt haben“ würden derzeit im Haus herrschen, und Hierarchien wie zu Kaisers Zeiten. Aber Vera Hammer kämpft wie eine Löwin, um die finanzielle Situation mit viel Eigeninitiative zu verbessern und trachtet danach, für ihre Abteilung neue Finanzierungswege zu erschließen.

Verwinkelte Wege

Die Edelsteinliebhaberin hat immer schon gewusst, dass sie Mineralogin werden möchte. Steine waren eine Leidenschaft von Kindheit an: Formen und Farben bestaunen, die Geheimnisse der Herkunft durchdringen, berühren, begreifen, beschauen. Später, während des Mineralogie-Studiums, war davon keine Rede mehr: Erst nach vielen Büffelsemestern durfte man den ersten Stein in die Hand nehmen. Endlos lange Praktikumszeiten, nach vier Versuchen als Draufgabe noch einen Fünften, das gebe es seit der neuen Studienordnung Gott sei Dank nicht mehr. Trotzdem erinnert sie sich gern an die Studienzeit, mit den Kolleginnen und Kollegen war es immer lustig. Das Mineralogische Institut auf der alten Uni am Ring bildete einen überschaubaren, fast privaten Rahmen. Eine Hand voll StudienanfängerInnen, über Jahre hindurch im selben Raum, fast alles habe man voneinander gewusst. Als Studienassistentin konnte sie sich finanziell über Wasser halten, auch wenn es gerade für die Miete reichte. Nach dem Studium folgte eine wechselvolle Zeit: Halbtags an der Uni, halbtags an der Forschungsanstalt Arsenal. Ein junges Erdwissenschafterteam, das dort neue Analysegeräte und Bestimmungsmethoden erprobte, eine fidele Messkolonne waren sie, „der Schmäh ist gelaufen“, gearbeitet wurde trotzdem viel. Bis auf den miserablen Arbeitsvertrag war es „eine sehr positive Zeit in meinem Leben.“ Unverhofft ergatterte sie dann den Traumjob am Naturhistorischen Museum, in dem sie es sich seit nun schon vierzehn Jahren eingerichtet hat wie in einem zweiten Zuhause. Der Weg zu ihr führt über breite Marmorstufen, verwinkelte Gänge und schwere Flügeltüren, bis der Besucher in Vera Hammers Schneckenhaus vorgedrungen ist.

Geheimes Reich

Die Wände entlang stapeln sich Laden über Laden, Regale und Schränke bis an die Decke, Angefülltes, Eingeordnetes, Etikettiertes: „Ich bin sehr genau, sonst könnte ich den Job nicht machen“ - immerhin bewahrt Vera Hammer eine der größten Mineraliensammlungen der Welt. Ihr Arbeitsplatz ist ein drunter und drüber von Schachteln, Büchern und Mikroskopen. Am Fensterbrett liegt der Geologenhammer samt selbst herausgehauenen Gesteinsproben, Trophäen der letzten Pakistan Reise. Seit Monaten warten die neuen Schätze auf Benennung und Einordnung. „Viel Staub und viel Arbeit“ kündigte man ihr an, als sie ihre Karriere hier begann, und das hat sich auch bewahrheitet. Die riesige Sammlung wird ständig ergänzt, Belegmaterial gekauft oder auch selbst gesammelt, und einiges bekommt das Haus ja auch geschenkt. Viele Mineraliensammler suchen die Gesteinsspezialistin auf, um ihre Funde bestimmen zu lassen, ein Service, von dem beide profitieren. „Wir sehen die Neufunde, und der Mineraliensammler oder die Mineralsammlerin bekommt Fachinformation“, erklärt sie den Deal, oft bleibt dafür ein respektables Belegstück in der Sammlung.

Weibliche Offenheit

Gute KundInnen sind auch diverse Mineralien- und EdelsteinhändlerInnen, die aus der ganzen Welt kommen und sich ihr Material im staatlichen Edelsteininstitut bestimmen lassen. Ist ein Edelstein echt oder falsch? Ist er behandelt oder zeigt er natürliche Farbe? Aufgrund der gut sortierten Vergleichssammlung werden solche Fragen kompetent beantwortet: „Wir können unsere Sammlungen wie eine Bibliothek benutzen, nachschlagen, vergleichen...“ Doch die Mineralogin vergräbt sich nicht nur in Steinen, sondern geht auch gerne an die Öffentlichkeit: Sie pflegt die Kontakte mit Sammlern, hat zahlreiche Vorstandsfunktionen bei Fachvereinen, hält Vorträge und leitet Exkursionsfahrten für ein interessiertes Publikum. Die vielen Steine, die am Weg von Vera Hammer lagen, waren auch Steine in ihrer Karriereleiter. Kommendes Jahr avanciert sie zur Leiterin der Mineralien- und Edelsteinsammlung im Haus am Ring. Nie möchte sie ihren Traumjob hergeben, denn so kann sie ihrer Leidenschaft für Edelsteine und Mineralien ungehindert nachgehen: „Was mich irrsinnig beruhigt: Ich kann hier sammeln und muss das nicht wie viele andere in meiner eigenen Wohnung unterbringen.“

„Ich bin halt eine Bewahrerin.“

Interview und Portrait: Teresa Arrieta